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Merkel in China : Airbus zieht Milliarden-Auftrag an Land

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Bundeskanzlerin Angela Merkel und Chinas Ministerpräsident Li Keqiang sprachen sich für ein gemeinsames Freihandelsabkommen aus. Bild: Reuters

Bundeskanzlerin Merkel hat bei ihrem China-Besuch eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Ministerpräsident Li Keqiang vereinbart. Das Land bestellt unter anderem Airbusse im Wert von 17 Milliarden Dollar.

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          China und Deutschland wollen die wirtschaftliche Zusammenarbeit trotz geringerer Wachstumsraten der chinesischen Wirtschaft ausbauen. Am Rande des Besuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel in China sind dazu am Donnerstag eine Reihe von Wirtschaftsverträgen im Gesamtvolumen von 18,6 Milliarden Euro unterzeichnet worden. Dazu gehören zwei Verträge mit dem europäischen Luftfahrtkonzern Airbus über die Lieferung von 30 Flugzeugen des Typs A330 und 100 Flugzeugen des Typs A320. Allein diese beiden Abkommen haben nach offiziellen Angaben ein Volumen von 15,4 Milliarden Euro.

          Airbus verfügt im chinesischen Tianjin über ein Montagewerk. Der europäische Flugzeugbauer ringt mit dem amerikanischen Konkurrenten Boeing um Einfluss auf dem wichtigen chinesischen Markt. Beim Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang in der Airbus-Zentrale im französischen Toulouse war im Januar ein Vertrag für 75 A330-Maschinen zum Listenpreis von mindestens 17 Milliarden Dollar angekündigt worden. Während des Besuchs von Chinas Staatschef Xi Jinping in den Vereinigten Staaten im September hatte Boeing einen Rekordkauf von 300 Flugzeugen im Wert von rund 38 Milliarden Dollar bekanntgegeben. Im August hatte Boeing in seinem jährlichen Ausblick für China angegeben, dass das Land seine Flotte bis 2034 schätzungsweise um 6330 Flugzeuge im Wert von 950 Milliarden Dollar erneuern wolle.

          Sowohl Merkel als auch Chinas Ministerpräsident Li Keqiang betonten am Donnerstag, dass vor allem die Zusammenarbeit im Bereich Industrie 4.0, also der Verschmelzung von Industrieproduktion und Informationstechnologie, beiden Seiten große Chancen biete. Die beiden Regierungen streben nach Angaben der Bundeskanzlerin eine Art No-Spy-Abkommen an, das den Verzicht gegenseitiger Wirtschaftsspionage beinhalten soll. Die Vereinigten Staaten und Großbritannien hätten schon solche Vereinbarungen mit China. „Wir wollen hier sehr schnell nachziehen“, sagte Merkel. Deshalb freue sie sich, dass die Regierung in Peking dazu bereit sei.

          Hintergrund sind die jahrelangen Klagen deutscher Firmen, dass aus China heraus ihr Knowhow gestohlen werde. Befürchtet wird zudem, dass die wachsende Zusammenarbeit im Bereich 4.0 Wirtschaftsspionage weiter erleichtert. Dies gilt als ein Grund für die zögerlichen Kooperationen mit chinesischen Partnern auf diesem Gebiet.

          Merkel in China : Milliardenabkommen mit Peking abgeschlossen

          Merkel betonte auf die Frage nach dem Wachstum, dass sie „natürlich Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung Chinas habe“. Li wiederum betonte die Bedeutung Deutschlands als Wirtschaftspartner und wies darauf hin, dass sein Land immer noch rund 30 Prozent des Wirtschaftswachstums auf der ganzen Welt beisteuere. China plant offenbar ein Wachstumsziel von 6,5 Prozent im neuen Fünf-Jahres-Plan. Noch vor der Bekanntgabe des Kommuniqués zum Plenum des Zentralkomitees am Donnerstag nannte Li Keqiang diese eher moderate Vorgabe, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Delegationskreisen. Der Premier sprach sich dabei für nachhaltiges, qualitativ besseres Wachstum aus.

          Zuletzt waren die Wachstumsraten des chinesischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) unter sieben Prozent gefallen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) glaubt, dass dieser Wert auch in den kommenden zwei Jahren nicht mehr überschritten wird. Li begründete die Zahlen vor allem mit einer Schwäche der Weltwirtschaft. Sowohl Merkel als auch Li sprachen sich für Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und China aus. Sie befürworte den „sehr schnellen“ Abschluss des Investitionsabkommens zwischen der EU und China, sagte die Kanzlerin. Denn dies sei Voraussetzung für eine Machbarkeitsstudie über eine Freihandelszone.

          Die Kanzlerin setzte sich zudem für eine breitere internationale Einbindung Chinas in multilaterale Organisationen ein. So forderte sie, dass Chinas Währung in den Währungskorb des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgenommen werden solle. Auch einen Beitritt des Landes zur Europäischen Entwicklungsbank EBRD unterstütze sie.

          Merkel hält sich zu einem zweitägigen Besuch in China auf und wird dabei von einer hochkarätig besetzten Wirtschaftsdelegation begleitet - darunter vom neuen VW-Chef Matthias Müller. Der Volkswagen-Konzern vereinbarte am Rande des Besuches eine enge Kooperation mit der chinesischen Bank ICBC. Die Deutschen Börse AG wird mit der Shanghai Stock Exchange sowie der China Financial Futures Exchange (CEFTS) ein Joint Venture gründen. Die Voith AG hat eine Absichtserklärung mit der Firma China Three Gorges Corporation über die Lieferung von Turbinen für ein Wasserkraftwerk unterzeichnet.

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