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Angebot von General Electric : Paris: Ohne Zugeständnisse keine Alstom-Übernahme

Nationales Prestigeobjekt: Alstoms TGV-Züge im Bahnhof Straßburg Bild: REUTERS

General Electric soll auch sein Transportgeschäft an Alstom verkaufen, fordert die französische Regierung. Gehen die Amerikaner darauf ein, würde das Angebot der möglichen Offerte von Siemens gleichen.

          Die französische Regierung hat vom amerikanischen Konzern General Electric (GE) weitreichende Zugeständnisse verlangt, ohne die eine Genehmigung der Alstom-Übernahme nicht möglich sei. So sollen die Amerikaner ihr Transportgeschäft an Alstom abtreten, damit der französische Konzern den nach der Übernahme verbleibenden Geschäftsbereich des Zugbaus und der Signaltechnik stärken könne. Eine solche Transaktion sei höchst wünschenswert, ansonsten drohe die Isolation und sogar das Verschwinden von Alstom, formulierte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg in einem Brief an die GE-Führung.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Der französische Präsident François Hollande stellte sich am Dienstag demonstrativ hinter ihn. „Wir haben genügend Druckmittel, um dafür zu sorgen, dass die Angelegenheit für Alstom, für die französische Industrie und für die Diversifizierung des Energiesektors gut ausgeht“, sagte Hollande in einem Fernsehinterview. So seien öffentliche Aufträge ein Weg, um die Stimme des Staates geltend zu machen. Das nationale Interesse müsse gewahrt werden. „Ich ziehe es vor, die Angebote zu verbessern“, fügte der Präsident hinzu. Der Übernahmepoker um den Alstom-Konzern, an dem der französische Staat keine Anteile hält, wird nun auch Gegenstand deutsch-französischer Gespräche auf höchster Ebene. Bei den für Freitag und Samstag vorgesehenen Unterredungen in Mecklenburg-Vorpommern wollen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Hollande mit dem Thema befassen. Montebourg soll am Freitag seinen Amtskollegen Sigmar Gabriel treffen.

          Siemens-Konzern prüft Offerte

          Siemens prüft unterdessen weiterhin die Vorlage eines offiziellen Übernahmeangebots und hat dafür bis Anfang Juni Zeit. Die französische Regierung hofft auf eine Gegenofferte zu GE, um europäische Allianzen im Energie- und Transportsektor zu schaffen. Auch die staatlichen Bahngesellschaften SNCF, RATP und RFF sprachen sich am Dienstag für einen Zusammenschluss mit Siemens aus. Eine europäische Lösung sei besser, zudem müsse das Transportgeschäft angesichts wachsender Konkurrenz eine „kritische Größe“ erreichen, teilten die drei Unternehmen mit. Bisher liegt Alstom nur eine Absichtserklärung von Siemens in Briefform vor. Der Siemens-Aufsichtsrat traf sich am Dienstagnachmittag in Berlin, um wichtige Beschlüsse über eine neue Konzernstruktur, Personalien, Investitionen und Verkäufe von Konzernteilen zu treffen. Die Alstom-Offerte segnete das Gremium unter dem Vorbehalt einer gründlichen Prüfung bereits vor einer Woche ab.

          In seiner derzeitigen Form sei das GE-Angebot nicht akzeptabel, meint die französische Regierung. Montebourg verlangte eine „gleichgewichtige Partnerschaft“ zwischen dem GE-Konzern mit seinen 105 Milliarden Euro Umsatz sowie dem Konkurrenten Alstom, der nur auf ein Fünftel dieser Erlöse kommt. Der GE-Transportbereich erreicht einen Umsatz von 3,9 Milliarden Euro und besteht im Wesentlichen aus Lokomotivbau für Frachtzüge und der Signaltechnik. Alstom ist bisher nicht in der Lokherstellung für den Güterverkehr tätig und will dem Vernehmen nach in diesen Bereich auch nicht einsteigen, denn er gilt als wirtschaftlich sehr konjunkturanfällig.

          Alstom wehrt sich auch gegen die Darstellung, dass der Konzern im Transportgeschäft zu klein und damit nicht überlebensfähig sei. Der Chef der Alstom-Transportsparte, Henri Poupart-Lafarge, sagte in einem Interview mit einer französischen Bahn-Fachzeitschrift, dass die meisten Konkurrenten kleiner als Alstom seien. Siemens und Bombardier seien die Ausnahme. Alstom zeichne sich zudem dadurch aus, dass der Konzern die gesamte Bandbreite der Bahntypen im Personenverkehr anbiete. Nur an der Signaltechnik von GE zeigt sich Alstom interessiert. Der amerikanische Konzern hatte in einem Brief an Hollande vor einer Woche seine Bereitschaft erklärt, die Signaltechnik in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Alstom einzubringen.

          Wenn GE auf die französischen Regierungsforderungen eingeht, dann würde das amerikanische Angebot der möglichen Offerte von Siemens gleichen. Der deutsche Konzern hat vorgeschlagen, so wie die Amerikaner nur das Alstom-Energiegeschäft (Turbinenbau und Netzwerktechnik) zu übernehmen und das Siemens-Bahngeschäft mit dem ICE und anderen Zügen auf Alstom zu übertragen.

          Jenseits der Industriepolitik versuchte Hollande mit seinem Fernsehinterview zwei Jahre nach seiner Wahl zum Präsidenten einen Neuanfang einzuleiten. Die Gebietskörperschaften sollen nun neu geordnet und die Verwaltungswege vereinfacht werden. Die Unternehmenskosten für den Faktor Arbeit sollen ebenso wie die Steuerbelastung für Geringverdiener sinken.

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