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Rochade im Aufsichtsrat : Andreas Schmitz verlässt HSBC für die Commerzbank

  • -Aktualisiert am

Der Schriftzug «Commerzbank» über dem Eingang zu einer Filiale im Stadtteil Altona. Bild: dpa

Im Aufsichtsrat der Commerzbank kommt es zu einem bemerkenswerten Abgang und einem nicht minder pikanten Zugang. Die Bankenaufsicht kann Interessenkonflikte wittern, der neue Aufsichtsratschef seine Stellung ausbauen.

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          Im Aufsichtsrat der Commerzbank kommt es zu einem bemerkenswerten Abgang und einem nicht minder pikanten Zugang. Nicholas Teller, seit Mai 2014 Mitglied des Kontrollgremiums und zuvor Commerzbank-Vorstand, legt zum Jahresende sein Aufsichtsratsmandat nieder. Teller galt in diesem Sommer, nachdem gleichzeitig Vorstandschef Martin Zielke und Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann ihre Posten zur Verfügung gestellt und damit eine schwere Führungskrise in der Commerzbank ausgelöst hatten, für viele Beobachter als der „natürliche“ neue Aufsichtsratsvorsitzende.

          Doch Teller, der Weggefährten wegen seiner Expertise im Firmenkundengeschäft sowie wegen seines hervorragenden Handicaps im Golf und seiner Begeisterung für das Motorradfahren in Erinnerung geblieben ist, stand für den Aufsichtsratsvorsitz nicht zur Verfügung. Wie sich jetzt zeigt, hat Teller schon länger eine andere Lebensplanung und verlässt die Commerzbank nach vierzig Jahren Verbundenheit in verschiedenen Funktionen nun ganz.

          Tellers Nachfolger im Commerzbank-Aufsichtsrat wird Andreas Schmitz vom Wettbewerber HSBC Deutschland. Der 60 Jahre alte Schmitz ist Trinkaus & Burkhardt, wie HSBC Deutschland lange hieß, seit 31 Jahren verbunden. Von 2004 bis 2015 leitete er die Düsseldorfer Bank, seither ist er Aufsichtsratschef. Von 2009 bis 2013 führte Schmitz als Präsident auch den Bundesverband privater Banken. Nun legt Schmitz den Aufsichtsratsvorsitz in der HSBC Deutschland nieder. Sein Nachfolger wird der langjährige Finanzvorstand Paul Hagen.

          Interessenkonflikte?

          Dass Schmitz sich gleichzeitig mit seinem Wechsel in den Commerzbank-Aufsichtsrat von HSBC trennt, ist vermutlich der Bankenaufsicht geschuldet. Sie kann bei ihm leicht Interessenkonflikte wittern, schließlich zielen Commerzbank und HSBC gerade im Kreditgeschäft auf dieselben Firmenkunden.

          Eine weitere Facette an der Rochade im Commerzbank-Aufsichtsrat dürfte sein, dass mit Schmitz statt Teller nun der neue starke Mann in der Commerzbank, der im August berufene Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Jörg Vetter, seine Stellung weiter stärkt. Der frühere LBBW-Chef Vetter und Schmitz kennen sich aus der Zeit, in der die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) an HSBC Deutschland beteiligt war.

          Andreas Schmitz
          Andreas Schmitz : Bild: FAZ

          Tellers Ausscheiden und Schmitz’ Wechsel in den Aufsichtsrat teilte die Commerzbank einen Tag vor der Bekanntgabe von Geschäftsergebnissen mit. Analysten erwarten im Durchschnitt, dass die Bank für das dritte Quartal am Donnerstag über einen Nettoverlust in Höhe von 62 Millionen Euro berichten wird. Vetter muss – wie zuvor schon in der LBBW und in der Landesbank Berlin – in der Commerzbank voraussichtlich einen harten Stellenabbau vollziehen. Dafür hat er Manfred Knof von der Deutschen Bank als Vorstandschef verpflichtet, der am 1. Januar in der Commerzbank beginnt.

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