https://www.faz.net/-gqe-a5ygo
Bildbeschreibung einblenden

Analoge Fotografie : Farbfilme sind Mangelware

Bei Farbfilmen herrscht im Regal gähnende Leere Bild: Dirk Zimmer

Kodak und Fujifilm haben Lieferschwierigkeiten bei analogen Farbfilmen

  • -Aktualisiert am
          2 Min.

          „Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael“, schmetterte Nina Hagen mit der Gruppe Automobil 1974 in der DDR – heutzutage würde man eher sagen „Du kannst den Farbfilm vergessen“, angesichts der Allgegenwärtigkeit der Digitalfotografie. Farbfilme sind von gestern, und mittlerweile gibt es auch nicht mehr allzu viele Anbieter und Produkte. Kodak und Fujifilm sind derzeit die noch größten Hersteller von Farbfilmen für analoge Kameras. Doch seit einiger Zeit sind Amateurfilme wie der Kodak Gold, Kodak Color plus oder Fuji Film C200 kaum mehr im Handel zu bekommen. Dazu passt, dass die Koelnmesse in der vergangenen Woche mitgeteilt hat, nach 70 Jahren die Branchenmesse Photokina einzustellen. Der Markt für Foto, Video und Imaging sei schon vor Corona zweistellig geschrumpft und jetzt noch einmal um weitere 50 Prozent eingebrochen. Es werde zwar viel fotografiert, aber vor allem mit dem Handy, dessen Bilder über soziale Medien ausgetauscht werden.

          Die klassische Fotografie verliert, hat aber noch immer Zigtausende Anhänger, die inzwischen häufig vor leeren Regalen stehen. Den großen Drogerieketten wie auch den großen Foto-Fachhändlern ist der Vorrat ausgegangen, und Nachschub lässt auf sich warten. Im dm-Drogeriemarkt konnte die Verkäuferin immerhin den Hinweis geben, dass es Lieferschwierigkeiten gebe und der Film nicht etwa aus dem Programm genommen sei. Bei Saturn wird auf der Website eine Lieferung für Ende Januar 2021 angekündigt. Bei anderen Anbietern soll im Dezember der Farbfilm wieder erhältlich sein. Profifarbfilme und die wenigen noch hergestellten Diafilme sind im Fachhandel zwar auf Lager. Allerdings sind die Preise für einen Film, im Vergleich zu den Amateurfilmen, mehr als doppelt so hoch.

          Die Gründe für die momentanen Lieferengpässe sind unklar. Ein Fachverkäufer im Fotohandel vermutete, dass infolge der Corona-Krise offenbar Lieferketten unterbrochen worden sind und deshalb die Herstellung der Farbfilme stockt. Auf der Website von Kodak findet sich der Hinweis, dass verschiedene Imaging-Produkte derzeit nicht lieferbar seien und man deshalb um Verständnis bitte. Auf Anfrage der F.A.Z. antwortet Michael Krockenberger vom Technical Support der Kodak Alaris Germany GmbH in Stuttgart: „Aufgrund der Corona-Krise und aber auch aufgrund der stark erhöhten Nachfrage/Bestellmenge besteht derzeit leider ein Engpass beim Nachschub von Filmen.“ Genauere Angaben, bis wann sich wieder alles normalisiert, könne er nicht machen. „Im Internet sind jedoch noch Bezugsquellen zu finden. Dort sollten Sie fündig werden, wenn auch der Preis vermutlich etwas höher ist“, vermutet Krockenberger.

          Der Sprecher von Fujifilm Deutschland bestätigte ebenfalls den Lieferengpaß bei den Consumer Farbfilmen. Seiner Auskunft nach ist  die Nachfrage  derzeit so angestiegen, dass die Produktionskapazitäten in Japan nicht ausreichten, um den  aktuellem Bedarf zu decken. Der anhaltende Erfolg des Fuji Sofortbildes sorgt außerdem dafür, Produktionskapazitäten in Japan zu binden. Entgegen verschiedener Gerüchte wird die Produktion des beliebten Kleinbildfarbfilms von Fuji nicht eingestellt, bekräftige der Sprecher.. Aus eigenen Recherchen sind die Regale der Drogeriemärkte schon seit Juni nicht mehr aufgefüllt worden.

          Dem Photoindustrieverband, der Interessenvertretung der Fotobranche in Frankfurt, war der Lieferengpass bei Amateurfarbfilmen auf Nachfrage der F.A.Z. nicht bekannt. Anders als Farbfilme sind Schwarzweißfilme nach wie vor lieferbar. Sie liegen sogar in den Regalen der Drogeriemärkte.

          Weitere Themen

          Die EU schlägt zurück

          Handelspolitik : Die EU schlägt zurück

          China, die USA und andere üben immer öfter wirtschaftlichen Druck aus, um ihnen unliebsame EU-Entscheidungen zu verhindern. Die Europäer setzen sich zur Wehr.

          Topmeldungen

          Jetzt sind alle ernannt: Kanzler Olaf Scholz und sein Kabinett beim Bundespräsidenten.

          Scholz-Regierung : Der Auftrag der Ampel

          Das Virus hat der neuen Bundesregierung vor dem Start eine wichtige Lektion erteilt. Sie sollte sie beherzigen.
          Klare Sache: Thomas Müller und der FC Bayern München besiegen den FC Barcelona.

          Champions League : Barcelona erlebt Debakel beim FC Bayern

          In München geht der einstige Spitzenklub mit 0:3 unter. Weil parallel Benfica Lissabon souverän gewinnt, scheidet der FC Barcelona aus der Champions League aus. Die Bayern bejubeln ein Tor-Jubiläum von Thomas Müller.
          Was hat Wladimir Putin in der Ukraine vor?

          Ukraine-Krise : Russlands wunde Punkte

          Neue westliche Sanktionen könnten Russland hart treffen – aber auch in Ländern wie Deutschland Schaden anrichten, das von russischem Gas abhängig ist.