https://www.faz.net/-gqe-10flg

Amerikas Autoherstellern geht das Geld aus : General Motors sieht sich in Existenzkrise

Ladenhüter: GM und Ford stecken tief in der Krise Bild: AFP

Der Autokonzern warnt vor einem Liquiditätsengpass und bittet den Staat um Hilfe. Die Übernahmegespräche mit Chrysler werden ausgesetzt. Auch bei Ford spitzt sich die Krise zu.

          4 Min.

          Die Finanzlage der amerikanischen Autoindustrie wird immer bedrohlicher: Die beiden größten Hersteller General Motors und Ford haben am Freitag für das dritte Quartal verheerende Zahlen vorgelegt. Beide Unternehmen meldeten einen höher als erwarteten Verlust und alarmierten mit einer rapide geschrumpften Liquiditätsdecke. Besonders düstere Szenarien beschwor General Motors auf: Das Unternehmen warnte, dass die Barbestände bald unter ein Mindestniveau rutschen könnten, um die Geschäfte fortsetzen zu können.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Gleichzeitig mit dieser Warnung hat General Motors eine kaum verhohlene Aufforderung an die amerikanische Regierung gegeben, das Unternehmen mit einer finanziellen Rettungsaktion zu unterstützen. Vorstandsvorsitzender Rick Wagoner war am Donnerstag bereits zusammen mit seinen Kollegen von Ford und Chrysler in Washington, um bei Regierungsmitgliedern für eine Hilfsaktion zu plädieren. General Motors hat wegen der sich zuspitzenden Lage offenbar außerdem die Übernahmegespräche mit dem Wettbewerber Chrysler abgebrochen. Ohne den Namen Chrysler zu nennen, teilte General Motors mit, die Bemühungen um eine Akquisition beendet zu haben, um sich auf „unmittelbare Liquiditätsschwierigkeiten“ zu konzentrieren. Der Aktienkurs von General Motors rutschte am Freitag nach Veröffentlichung der Zahlen um 14 Prozent auf 4,15 Dollar ab. Ford lag um 1,90 Dollar rund 5 Prozent im Minus. Die Aktie von General Motors hat in diesem Jahr mehr als 80 Prozent ihres Wertes verloren, Ford musste einen Rückgang von mehr als 70 Prozent hinnehmen.

          Die Barbestände schrumpfen

          Analysten beobachten die Liquiditätslage der amerikanischen Autohersteller mit zunehmender Sorge und haben aus diesem Grund wiederholt von Insolvenzgefahr gesprochen. Die schrumpfenden Barbestände haben in jüngster Zeit auch die Rating-Agenturen veranlasst, die Kreditbewertungen der amerikanischen Autobauer weiter herabzunehmen, die sich ohnehin längst auf Ramschniveau („Junk“) bewegen. General Motors teilte am Freitag mit, dass die Barbestände im dritten Quartal von 21,0 Milliarden auf 16,2 Milliarden Dollar abgerutscht sind. Damit hat sich das Tempo des Liquiditätsverlusts dramatisch verschärft. Im zweiten Quartal waren die Barbestände um 2,9 Milliarden Dollar geschrumpft.

          General Motors warnte nun selbst, dass der Liquiditätsabfluss existenzbedrohliche Ausmaße angenommen hat: „Die geschätzte Liquidität im Rest des Jahres 2008 wird den minimal notwendigen Betrag erreichen, um das Geschäft fortzuführen, selbst wenn geplante Sparprogramme umgesetzt werden“, hieß es. In den ersten beiden Quartalen des nächsten Jahres könne der Bestand an flüssigen Mitteln sogar unter diesen Betrag fallen. Rick Wagoner bezifferte diese Marke in einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC auf 11 Milliarden bis 14 Milliarden Dollar. Analysten halten einen Insolvenzantrag für unausweichlich, wenn das Unternehmen unter diesen Minimalwert rutschen würde. Wagoner wiederholte in dem Interview seine Position, wonach ein Insolvenzantrag nicht in Frage komme. Stattdessen zeichnete General Motors Wege auf, um die Liquidität zu verbessern - und nannte dabei Finanzhilfe vom Staat als eine Option. Mit Blick auf Chrysler sagte Wagoner, General Motors würde sich von einer Übernahme zwar mittel- bis langfristige Synergien versprechen. Allerdings sei dem Unternehmen durch eine Akquisition nicht mit den kurzfristigen Liquiditätssorgen geholfen.

          Weitere Themen

          Trump und Thunberg auf Konfrontationskurs Video-Seite öffnen

          Davos : Trump und Thunberg auf Konfrontationskurs

          Zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums in Davos ist der amerikanische Präsident Donald Trump auf Konfrontationskurs zur Klimaaktivistin Greta Thunberg gegangen. „Wir müssen die ewigen Propheten des Untergangs und ihre Vorhersagen der Apokalypse zurückweisen“, sagte er.

          Topmeldungen

          Arbeitgeber in Panik : Keiner kennt die Kosten der Grundrente

          1,5 Milliarden Euro könnten für die Grundrente womöglich nicht ausreichen, fürchten die Arbeitgeber. In der Union rumoren die Parlamentarier. Doch die Unions-Minister unternehmen keine hörbaren Anstrengungen mehr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.