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Amerikanische Gesundheitsreform : Millionenkosten für die Unternehmen befürchtet

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Obamas Reform könnte für etliche Großkonzerne noch richtig teuer werden Bild: dpa

Amerikanische Unternehmen fürchten ein kleines, aber wichtiges Detail der Gesundheitsreform Obamas: Ein Steuervorteil bei den Medikamentenkosten für Pensionäre soll wegfallen. Allein der Telekommunikationskonzern AT&T rechnet mit einer Sonderbelastung von einer Milliarde Dollar.

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          Einige amerikanische Großkonzerne befürchten als Folge der Gesundheitsreform hohe Zusatzkosten. Allein der Telekommunikationsriese AT&T rechnet mit einer Sonderbelastung im laufenden Quartal von einer Milliarde Dollar. Der Traktorenhersteller Deere, der Baumaschinen-Konzern Caterpillar und der Mischkonzern 3M bezifferten die Mehrkosten auf rund 100 bis 150 Millionen Dollar.

          Grund sei, dass das neue Gesundheitsreformgesetz einen Steuervorteil zunichte macht, erklärte AT&T. Dabei geht es um die steuerliche Behandlung von staatlichen Zuschüssen, die Unternehmen bekommen, wenn sie Arzneimittelkosten von Pensionären übernehmen. Weil der Vorteil nun wegfällt, würden auch Änderungen an den Renten-Leistungen in dem Unternehmen geprüft, hieß es außerdem von AT&T.

          Anreiz gegen das Abwandern in die staatliche Seniorenversicherung

          Amerikanische Firmen können bislang einen staatlichen Zuschuss von 28 Prozent der gesamten Medikamentenkosten für Pensionäre erhalten. Die Regierung wollte mit dieser Subvention einen Anreiz für Unternehmen schaffen, Mitarbeitern auch nachdem sie in Rente gegangen sind, Gesundheitsleistungen zu gewähren und damit ein Abwandern in die staatliche Seniorenversicherung Medicare zu verhindern.

          Bislang konnten außerdem die gesamten Kosten inklusive des Zuschusses von dem versteuerbaren Einkommen abgezogen werden - die Subvention hatte somit einen zweiten positiven Effekt für die Unternehmen. Nach der Gesundheitsreform soll nur noch der Eigenanteil von 72 Prozent abgezogen werden können.

          Gewinnbelastungen von 14 Milliarden Dollar drohen

          Eine Gruppe von zehn amerikanischen Unternehmen, darunter Caterpillar, John Deere und der Flugzeugbauer Boeing, hatten vor wenigen Monaten in einem Brief an den amerikanischen Kongress appelliert, diesen Steuervorteil zu erhalten. Ein Ausschuss des Repräsentantenhauses hat mittlerweile mehrere Konzerne aufgefordert, am 21. April die Folgen der Gesundheitsreform auf ihr Angebot an Versicherungsleistungen darzulegen.

          Nach Schätzungen des Beratungsunternehmens Towers Watson könnten durch das Wegfallen der Steuererleichterung amerikanischen Unternehmen Gewinnbelastungen von insgesamt 14 Milliarden Dollar bevorstehen.

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