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Bemannte Raumfahrt : Space X und Nasa vor Meilenstein

Zwei erfahrene Raumfahrer: Bob Behnken, rechts, und Doug Hurley Bild: AP

Lange hat’s gedauert, nun ist Amerika der Rückkehr in die bemannte Raumfahrt nahe. Ein Termin ist gesetzt. Wegen der Corona-Krise soll die Mission aber etwas anders verlaufen als sonst. Dabei haben Trump und Elon Musk noch große Pläne.

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          Am 27. Mai um 16:32 Uhr Ortszeit will Amerika ein neues Kapitel Raumfahrtgeschichte schreiben: Dann soll vom Kennedy Space Center in Florida eine „Falcon 9“-Rakete abheben und eine Raumkapsel mit dem Namen „Crew Dragon“ auf Kurs zur Raumstation ISS bringen. Das teilte die Raumfahrtbehörde Nasa am Freitag mit. Was diesen Start historisch machen soll, sind zwei Astronauten an Bord. Wenn alles nach Plan geht, würden zum ersten Mal seit dem Ende des Spaceshuttle-Programms im Jahr 2011 wieder Astronauten von amerikanischem Boden aus ins All gebracht. Nach fast zehn Jahren könnte dem Land also die Rückkehr in die bemannte Raumfahrt gelingen. Die Nasa würde damit einen wichtigen Meilenstein erreichen, der wiederum nur eine Etappe auf dem Weg zu einem noch größeren Ziel sein soll. Denn 2024 will Amerika im Rahmen eines Programms namens „Artemis“ wieder Astronauten zum Mond bringen, darunter zum ersten Mal eine Frau.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Historisch wäre eine gelungene Mission aber nicht nur für die Nasa, sondern auch für Space X, das von Elon Musk geführte Raumfahrtunternehmen. Space X ist der Partner der Behörde bei diesem Projekt und hat die Rakete und die Raumkapsel entwickelt. Schon seit acht Jahren führt das 2002 gegründete Unternehmen unbemannte Versorgungsflüge für die Nasa zur ISS durch, nun aber steht es vor der ersten Mission in seiner Geschichte mit Astronauten an Bord. Musk, der neben Space X auch den Elektroautohersteller Tesla führt, feierte die Ankündigung des Fluges auf Twitter, gab aber gleichzeitig selbstkritisch zu, dass es sehr lange gedauert habe, um an diesen Punkt zu kommen. „Guter Fortschritt, aber 18 Jahre, um die ersten Menschen zu befördern, ist eine lange Zeit.“ Technologie müsse schneller vorankommen, ansonsten werde es „zu unseren Lebzeiten“ keine Stadt auf dem Mars geben. Musk hat es schon oft als Ziel ausgegeben, eines Tages den roten Planeten zu besiedeln. Auch die Nasa nimmt sich vor, zum Mars zu fliegen, und Präsident Donald Trump hat davon gesprochen, eine amerikanische Flagge auf den Planeten stellen zu wollen.

          Nasas Rückkehr zur bemannten Raumfahrt

          Space X ist eines von zwei Unternehmen, die der Nasa bei der Rückkehr zur bemannten Raumfahrt helfen sollen. Parallel arbeitet auch der Luftfahrtkonzern Boeing an entsprechenden Plänen. Die Nasa hat schon 2014 an beide Unternehmen Aufträge im Wert von jeweils mehreren Milliarden Dollar vergeben, um Raumfahrzeuge zu entwickeln, die Astronauten ins All bringen können. Eigentlich hatte die Behörde gehofft, dieses Ziel schon 2017 zu erreichen, aber es kam wiederholt zu Verzögerungen, wie dies in der Raumfahrt sehr oft der Fall ist. Ein wesentlicher Zwischenerfolg in den Bemühungen von Space X kam vor gut einem Jahr, als das Unternehmen einen unbemannten Testflug der „Crew Dragon“-Kapsel zur ISS absolvierte. Danach gab es Hoffnung, dass noch 2019 Astronauten ins All gebracht werden könnten, möglicherweise sogar um den fünfzigsten Jahrestag der „Apollo 11“-Mission im Juli herum, die einst Astronauten zum Mond brachte. Es kam dann aber nochmals zu Verzögerungen.

          Trotzdem ist Space X viel weiter als Boeing mit seinem rivalisierenden Vorhaben, eine Kapsel mit dem Namen „CST-100 Starliner“ ins All zu bringen. Boeing erlitt im Dezember bei einem unbemannten Testflug einen schweren Rückschlag, als es nicht gelang, die Kapsel zur ISS zu bringen. Dieser Test soll nun im Laufe dieses Jahres wiederholt werden, wann es zu einem bemannten Flug mit der Boeing-Kapsel kommen könnte, ist offen.

          Die Nasa hat zwar im Zuge der Corona-Krise einen großen Teil ihrer Aktivitäten eingestellt, Projekte rund um die ISS und die Rückkehr in die bemannte Raumfahrt wurden aber für „essentiell“ erklärt und werden weiterverfolgt. Der geplante Start am 27. Mai soll allerdings unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen ablaufen. So soll verhindert werden, dass große Mengen an Zuschauern in der Region um das Kennedy Space Center den Start verfolgen, so wie das sonst oft der Fall ist. Außerdem haben sich die beiden Astronauten Robert Behnken und Douglas Hurley weitgehend isoliert, um das Ansteckungsrisiko vor dem Start zu minimieren. Behnken und Hurley sind Nasa-Veteranen und gehören beide seit dem Jahr 2000 zum Astronauten-Team der Behörde. Sie haben beide jeweils zwei Spaceshuttle-Missionen hinter sich, Hurley war bei der letzten von ihnen 2011 mit der Raumfähre Atlantis dabei.

          Der geplante Flug am 27. Mai ist offiziell immer noch ein Test und wird von der Nasa als „letzter größerer Schritt“ bezeichnet, bevor bemannte Flüge zur ISS mit der Kapsel von Space X zur Regel werden. Wie lange die beiden Astronauten im All sein sollen, ist noch nicht festgelegt, es soll sich aber nach Nasa-Angaben um einen „ausgedehnten Aufenthalt“ handeln. Die Kapsel sei in der Lage, 110 Tage im All zu bleiben.

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