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Amerika : Abgeordnete billigen Milliardenkredit für Autobauer

So oder so ähnlich hatte bis vor kurzem ein amerikanisches Auto auszusehen. Jetzt mögen's die Kunden spritsparender - und sind mit Neuanschaffungen zögerlich Bild: REUTERS

Die Finanzkrise ist für die amerikansichen Autohersteller nicht das einzige Unglück. Sie leiden unter den hohen Spritpreisen und der extremen Kaufzurückhaltung der Kunden. Jetzt hat das Repräsentantenhaus einen staatlichen Kredit von 25 Milliarden Dollar bewilligt - der erste Eingriff in den Automarkt seit 1980.

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          Für die angeschlagenen amerikanischen Autohersteller rückt ein staatlicher Kredit von 25 Milliarden Dollar in greifbare Nähe. Das Repräsentantenhaus hat am Mittwoch im Rahmen eines umfassenden Haushaltsgesetzes eine Maßnahme verabschiedet, die erstmals Mittel für das schon im vergangenen Jahr beschlossene Darlehen freimachen würde. Nach einer erwarteten Zustimmung des Senats wird noch vor Oktober mit einer Unterzeichnung des Gesetzes durch Präsident Bush gerechnet.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Es würde sich bei dem Kredit um den ersten staatlichen Eingriff in die amerikanische Autoindustrie handeln, seit der Hersteller Chrysler 1980 mit Kreditgarantien von 1,2 Milliarden Dollar vor dem drohenden Kollaps bewahrt worden war. „Der Kongress erkennt klar die Notwendigkeit an, in diesen schwierigen Zeiten diese Quelle von Kapital verfügbar zu machen“, sagte ein Sprecher des größten amerikanischen Autoherstellers General Motors (GM).

          25 Milliarden Dollar

          Der Kongress hatte Ende des vergangenen Jahres im Rahmen eines Energiegesetzes beschlossen, Niedrigzinskredite von 25 Milliarden Dollar für die Autoindustrie zu garantieren. Das Geld soll für die Entwicklung und Produktion umweltfreundlicher Fahrzeuge verwendet werden. Das Energiegesetz schreibt vor, dass die Autohersteller bis 2020 die Kraftstoffeffizienz der Fahrzeuge um 40 Prozent erhöhen sollen. Die in Detroit ansässigen amerikanischen Hersteller sind im Gegensatz zu ihren Konkurrenten auf diesem Gebiet im Rückstand. Die Konzerne beziffern die zusätzlichen Kosten, die durch die Vorgaben des Energiegesetzes entstehen, auf 80 Milliarden bis 100 Milliarden Dollar. „Alles was die drei aus Detroit an Kreditgarantien erhalten können, wird ein wichtiger Faktor für deren Überleben sein“, sagte David Cole, Präsident des Center for Automotive Research in Michigan.

          Trotz der im vergangenen Jahr ergangenen Autorisierung will der Kongress erst jetzt etwa 7,5 Milliarden Dollar an Steuergeldern einsetzen, um das Geld zu beschaffen und sich gegen Kreditausfälle abzusichern. Die drei Hersteller GM, Ford Motor und Chrysler hatten den Verlust von zehntausenden Arbeitsplätzen prognostiziert, wenn die Regierung ihnen nicht helfen würde. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten haben die Aussichten auf Kredite für die unter einer schwachen Bonität leidenden Autohersteller zudem weiter verschärft.

          Hohe Benzinpreise sorgten für drastischen Absatzrückgang

          Die Kredite stehen allen Autoherstellern in den Vereinigten Staaten offen. Es wird allerdings nicht damit gerechnet, dass japanische Konzerne wie Toyota einen entsprechenden Antrag stellen. Toyota baut jetzt schon energiesparende Modelle und gilt in den Vereinigten Staaten als Vorreiter von sogenannten Hybrid-Fahrzeugen, die einen Benzin- und einen Elektromotor kombinieren.

          Die amerikanischen Hersteller hatten in den vergangenen Jahren dagegen auf populäre Geländewagen und Kleinlaster (Pick-Up Trucks) mit hohem Kraftstoffverbrauch gesetzt. Die stark gestiegenen Benzinpreise sorgten allerdings für ein Umdenken der Verbraucher und einen drastischen Absatzrückgang dieser Fahrzeuge. Den verlustgeplagten Konzernen fehlen nun die Mittel, um ihre Fabriken umzurüsten und die für die veränderten Kundenwünsche nötige Technik zu entwickeln. Sobald das Gesetz verabschiedet wird, muss das Energieministerium Kriterien für die Vergabe der Kredite schaffen.

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