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Flugverkehr : American-Boss Carty zurückgetreten

  • Aktualisiert am

Donald Carty geht Bild: dpa

Der Boss von American Airlines, Donald Carty, geht. Er hatte die Gewerkschaften und die 99.000 Mitarbeiter des Unternehmens total verärgert. Die Fluglinie bleibt unter Insolvenzgefahr.

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          Donald J. Carty (58), der umstrittene Chef der weltgrößten Fluggesellschaft American Airlines, ist zurückgetreten. Trotzdem ist die Gefahr eines Insolvenzverfahrens noch vorhanden.

          Carty hat seine Ämter als Unternehmenschef und Verwaltungsratsvorsitzender der American-Muttergesellschaft AMR Corporation mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Dies hat das Unternehmen in der Nacht zum Freitag mitgeteilt.

          Der AMR-Verwaltungsrat bestimmte den für das Tagesgeschäft zuständigen Firmenpräsidenten Gerard J. Arpey (44) zum neuen Unternehmenschef. Ed Brennan (69), der frühere Chef des Warenhausriesen Sears Roebuck und langjähriges Mitglied im AMR- Verwaltungsrat, wird neuer Verwaltungsratsvorsitzender. Carty hatte beide Posten in Personalunion besetzt. Arpey war früher Finanzchef gewesen. Er wolle beispielhaft führen, erklärte der neue Boss der American Airlines.

          Carty musste den Hut nehmen, weil er die Gewerkschaften und die 99.000 Mitarbeiter der American total verärgert hatte. Er hatte Boni in doppelter Höhe der Jahresgehälter der sechs Spitzenmanager für ihren Verbleib beim Unternehmen bis 2005 sowie Pensionskassenzuschüsse von 41 Millionen Dollar für 45 Führungskräfte verheimlicht. Die Pensionskassenzuschüsse sollen die Betriebsrenten der Führungskräfte für den Fall eines American-Insolvenzantrags schützen. Carty hatte die American-Bediensteten gleichzeitig unter massiven Drohungen eines Insolvenzverfahrens zu Tarifkonzessionen von jährlich 1,8 Milliarden Dollar gezwungen.

          Insolvenzgefahr bleibt bestehen

          Trotz Cartys Ausscheiden ist ein Gang zum Insolvenzgericht möglich. Die American hat sich bisher noch nicht mit ihren Flugbegleitern über ein etwas weniger drückendes Tarifkonzessionspaket geeinigt. Die Pilotengewerkschaft sowie die für das gesamte Bodenpersonal zuständige Mechanikergewerkschaft haben hingegen die neuen Vereinbarungen akzeptiert. Sie sehen eine Kürzung der Dauer der Tarifverträge von sechs auf fünf Jahre und mögliche Bonuszahlungen von zehn Prozent an alle Mitarbeiter vor, falls bestimmte betriebliche Ziele erreicht werden.

          Die AMR hat in den beiden vergangenen Jahren Verluste von 5,2 Milliarden Dollar verbucht und im ersten Quartal 2003 rote Zahlen von einer Milliarde Dollar geschrieben. Das Unternehmen leidet wie die anderen großen US-Airlines unter den Folgen der Terrorattacken vom 11. September 2001, einem scharfen Rückgang im Geschäftsreiseverkehr, den Irak-Kriegsauswirkungen, harter Konkurrenz von Billigfluglinien und der Angst der Fluggäste vor der Lungenkrankheit SARS. Die United Airlines, die zweitgrößte Fluggesellschaft der Welt, befindet sich bereits in einem Insolvenzverfahren.

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