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Aktienkurs steigt und steigt : Amazon auf dem Sprung zur Billion

Amazon hat sein Wachstum im ablaufenden Quartal fortgesetzt – und weist wieder einen deutlichen Gewinn auf. Bild: Reuters

Der Online-Händler Amazon übertrifft die Erwartungen deutlich und könnte einen Meilenstein an der Börse erreichen. Der immer schnellere Versand zahlt sich aus – auch wenn er viel Geld kostet.

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          Amazon.com hat mit seinen am Donnerstag nach Börsenschluss vorgelegten Quartalszahlen die Erwartungen deutlich übertroffen. Der Aktienkurs legte im nachbörslichen Handel zeitweise um 13 Prozent zu. Es ist ein Kursschub, wie ihn die Amazon-Aktie schon seit einiger Zeit nicht mehr erlebt hat. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt knapp zehn Prozent an Wert gewonnen und ist damit klar hinter der Entwicklung der anderen großen Technologiekonzerne wie Apple, Microsoft, Alphabet oder Facebook zurückgeblieben. Aber wenn der nachbörsliche Kurssprung vom Donnerstag sich auch am Freitag fortsetzt, könnte Amazon mit seiner Marktkapitalisierung die Marke von einer Billion Dollar überschreiten. Apple, Microsoft und Alphabet sind heute schon mehr als eine Billion Dollar wert.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Im abgelaufenen Quartal hat Amazon sein Wachstum fortgesetzt und abermals einen deutlichen Gewinn ausgewiesen. Im Gesamtjahr 2019 gab es einen Nettogewinn von 11,6 Milliarden Dollar. Noch bis vor wenigen Jahren galt der Konzern als chronisch ertragsschwach und wies regelmäßig schmale Gewinne oder gar Verluste aus. Das hat sich aber nicht zuletzt dank Amazon Web Services (AWS) geändert, der Sparte für Cloud Computing. Damit bietet Amazon Unternehmen, die ihre Informationstechnologie ins Internet verlagern, Rechnerkapazitäten und damit verbundene Dienstleistungen an.

          AWS ist wachstumsstark und profitabel. Der Umsatz legte im vergangenen Quartal um 34 Prozent auf 10,0 Milliarden Dollar zu, und die Sparte stand für zwei Drittel des gesamten Betriebsgewinns im Konzern. Amazon hat außerdem ein wachstumsstarkes Geschäft mit Werbung und konkurriert hier mit Unternehmen wie Google oder Facebook. In der Sparte mit „anderen Aktivitäten“, die vor allem aus Werbung besteht, stieg der Umsatz um 41 Prozent auf 4,8 Milliarden Dollar. Dieses Geschäft dürfte auch sehr profitabel sein.

          Kosten für Versand stiegen um 43 Prozent

          Allerdings sind aufgrund höherer Kosten die Gewinne von Amazon nicht annähernd so stark gestiegen wie die Umsätze. Während der Konzernumsatz im vierten Quartal um 21 Prozent auf 87,4 Milliarden Dollar stieg und damit die durchschnittlichen Analystenerwartungen von 86,0 Milliarden Dollar übertraf, legte der Nettogewinn nur um acht Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar zu. Immerhin war das aber eine Verbesserung zum dritten Quartal, als der Nettogewinn deutlich sank. Und der Gewinn je Aktie von 6,47 Dollar im vierten Quartal lag deutlich über den Erwartungen.

          Vor allem für den Versand gibt Amazon immer mehr Geld aus. Die Kosten dafür stiegen im vierten Quartal um 43 Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar. Dies dürfte mit Initiativen zusammenhängen, Bestellungen immer schneller zu den Kunden zu bringen. Amazon arbeitet daran, für Abonnenten seines Kundenbindungsprogramms „Prime“ eine Auslieferung innerhalb eines Tages zum Standard zu machen. Amazon teilte mit, jetzt 150 Millionen „Prime“-Kunden zu haben. Erst vor knapp zwei Jahren hatte das Unternehmen die Marke von 100 Millionen geknackt. Zu dem Anstieg habe der schnellere Versand beigetragen, hieß es am Donnerstag. Jenseits des Versands sind auch in der Sparte AWS die Kosten überproportional zum Umsatz gestiegen.

          Zu den Schwachstellen von Amazon zählt weiterhin der stationäre Einzelhandel. Dieses Geschäft hat der Konzern in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut, zum Beispiel mit dem Kauf der Lebensmittelkette Whole Foods sowie der Eröffnung eigener Buchläden und kassenloser Geschäfte mit dem Namen „Amazon Go“. In dieser Sparte fiel der Umsatz um ein Prozent auf 4,4 Milliarden Dollar.

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