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Online-Handel : Amazon stellt Tausende neue Leute ein

Amazon-Mitarbeiter in einem Lager im britischen Petersborough Bild: AFP

In Großbritannien schafft der Versandriese inmitten der Corona-Krise zusätzliche 10.000 Stellen. Und auch in Deutschland baut der Online-Händler seine Präsenz aus.

          2 Min.

          Während der klassische, stationäre Einzelhandel tief in der Krise steckt, feiert der Online-Handel einen Rekord nach dem nächsten. Amazon stellt massenhaft neue Leute ein. In Großbritannien wird der Online-Handelskonzern zusätzliche 7000 Mitarbeiter dauerhaft anheuern, teilte Amazon am Donnerstag mit. In diesem Jahr hatte der Versandkonzern auf der Insel schon 3000 Stellen in seinen Verpackungszentren und als Lieferboten geschaffen, sodass die Beschäftigtenzahl im Königreich bis Jahresende auf 40.000 wachsen wird. Der Stundenlohn von 9,50 Pfund – in London 10,50 Pfund – liegt über dem nationalen gesetzlichen Mindestlohn, der 8,72 Pfund für Angestellte, die älter als 25 Jahre sind, beträgt.

          Schub durch Corona-Lockdown

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.
          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Wirtschaftsminister Alok Sharma ließ sich in einer Mitteilung von Amazon mit den Worten zitieren: „Während dies eine schwierige Zeit für viele Unternehmen ist, ist es sehr ermutigend zu sehen, dass Amazon in diesem Jahr 10.000 Jobs im Vereinigten Königreich schafft.“ Zusätzlich werden 20.000 Saisonhelfer eingestellt.

          Der Online-Handel hat während des Corona-Lockdowns einen großen Schub erhalten. Vor kurzem kündigte Tesco, die größte Supermarktkette des Landes, die Einstellung von 16.000 neuen Mitarbeitern vor allem für die Online-Bestellsparte an. Auf der anderen Seite werden in diesem Jahr wieder Tausende Einzelhandelsläden insolvent gehen. Das Forschungsinstitut des Einzelhandels erwartet den Verlust von bis zu 200.000 Stellen durch Geschäftsaufgaben.

          Auch in Deutschland, wo Amazon mit Abstand der größte Online-Händler ist und mit dem Marktplatz und daran angeschlossenen Händlern einen Großteil des gesamten E-Commerce-Umsatzes erzielt, wird das Logistiknetz ausgebaut, wenngleich in geringerem Umfang. Im Frühjahr, zur Hochzeit der Corona-Krise, teilte Amazon mit, 350 Voll- und Teilzeitstellen zu schaffen. „Wir wissen, dass viele Menschen wirtschaftlich betroffen sind, da Arbeitsplätze in Bereichen wie Hotels, Restaurants und Reisen als Teil dieser Krise wegfallen. Wir möchten, dass diese Menschen wissen, dass wir sie in unseren Teams willkommen heißen, bis sich die Dinge wieder normalisieren und ihr früherer Arbeitgeber in der Lage ist, sie weiter zu beschäftigen“, schrieb Amazon in einem Blogeintrag. In den zwei neuen Logistikzentren in Oelde und Sülzetal sollen zudem 2000 weitere Arbeitsplätze entstehen.

          „Kein Coronatrend“

          Umfassende Zahlen zum Arbeitsplatzaufbau durch den Online-Handel in Deutschland sind bislang nicht erhoben worden, was auch daran liegt, dass die Abgrenzung zwischen Stellen in der IT und in der Logistik kompliziert ist. Wenn etwa ein Logistikpartner aufgrund der hohen Nachfrage von Online-Händlern Personal aufbaut, profitieren unter Umständen auch stationäre Händler davon, wenn ihre Ware vom Lager schneller ausgeliefert wird.

          Der E-Commerce-Verband BEVH jedenfalls will nicht allein die Corona-Krise als Ursache für den Online-Boom gelten lassen. Einen Sichtbarkeits- und damit Relevanzverlust stationärer Händler im Netz sehe man schon länger, sagte Martin Gross-Albenhausen, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des BEVH, in einem Interview mit dem Fachmagazin „Textilwirtschaft“. „Das ist kein Coronatrend.“

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