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Tech-Konzern Amazon : Rekordgewinn mit Cloud und Werbung

Auf Erfolgskurs: Amazon-Chef Jeff Bezos Bild: AP

Amazon hat schon wieder Gewinn gemacht. Dem Unternehmen helfen vor allem Aktivitäten außerhalb seines traditionellen Kerngeschäfts.

          Der amerikanische Online-Händler Amazon.com hat in seinem am Donnerstag nach Börsenschluss vorgelegten Quartalsbericht einen Rekordgewinn von 2,5 Milliarden Dollar ausgewiesen. Das Unternehmen, das früher als chronisch ertragsschwach galt, hat damit nun schon mehrere Quartale in Folge einen Gewinn in Milliardenhöhe ausgewiesen. Der bisherige Höchstwert lag bei 1,9 Milliarden Dollar und wurde in den drei Schlussmonaten des vergangenen Jahres erreicht. Der Quartalsbericht enthielt aber nicht nur gute Nachrichten, denn mit seinem Umsatz lag das Unternehmen leicht unter den Erwartungen von Analysten.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Börsenreaktion war dennoch positiv: Unmittelbar nach Veröffentlichung der Zahlen legte der Aktienkurs im nachbörslichen Handel um vier Prozent zu, im weiteren Verlauf verblieb noch ein Plus von einem Prozent. Der Kurs von Amazon wird derzeit besonders aufmerksam beobachtet, und an den Finanzmärkten wird die Frage gestellt, ob der Online-Händler womöglich bald den Elektronikkonzern Apple als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen der Welt ablösen und womöglich sogar als erstes den Meilenstein einer Marktkapitalisierung von einer Billion Dollar erreichen könnte. Apple hat derzeit einen Börsenwert von rund 945 Milliarden Dollar, Amazon liegt bei etwas mehr als 860 Milliarden Dollar.

          Die Cloud-Sparte wächst rasant

          Die jüngste Konstanz in der Profitabilität verdankt der Konzern in hohem Maße Amazon Web Services (AWS), seiner Sparte für Cloud Computing, die mit dem traditionellen Kerngeschäft im Online-Handel wenig zu tun hat. AWS stellt Unternehmen, die ihre Informationstechnik ins Internet verlagern wollen, Computerkapazitäten bereit. In diesem Geschäft konkurriert Amazon mit Unternehmen wie Microsoft und Google, ist aber Marktführer. Die Cloud-Sparte steht zwar noch für einen vergleichsweise kleinen Teil des Konzernumsatzes, aber sie wächst rasant und trägt mehr als 55 Prozent zum Betriebsgewinn bei. Ihr Umsatz sprang im zweiten Quartal um 49 Prozent auf 6,1 Milliarden Dollar, ihr Betriebsgewinn sogar um 80 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar.

          Ebenfalls sehr gut für die Gewinne dürfte das rasant wachsende Geschäft mit Werbung sein. Amazon schaltet auf seiner Internetseite verstärkt Anzeigen, und das bringt mittlerweile stattliche Einnahmen. Der Umsatz der Sparte mit „anderen Aktivitäten“, der zum größten Teil auf Werbung entfällt, hat sich im vergangenen Quartal auf 2,2 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Die Gewinne verrät Amazon nicht, aber die Margen in dem Geschäft dürften recht hoch sein. Mit seinem Wachstum in der Werbung wird Amazon mehr und mehr zu einem ernsthaften Konkurrenten von Internetgiganten wie Google oder Facebook.

          Allgemein ist Amazon immer breiter aufgestellt und erzielt mehr Einnahmen jenseits der reinen Online-Handels. Im jüngsten Quartal hat der Konzern mit physischen Läden einen Umsatz von 4,3 Milliarden Dollar geschafft, der zum großen Teil auf die im vergangenen Jahr gekaufte Supermarktkette Whole Foods entfällt. Daneben betreibt Amazon auch eine Kette eigener Buchläden. Auch gebührenpflichtige Dienste wie das Versandangebot Prime werden zu einer immer wichtigeren Umsatzsäule und brachten im vergangenen Quartal 3,4 Milliarden Dollar ein, ein Plus von 57 Prozent.

          Konzernweit stieg der Umsatz um 39 Prozent auf 52,9 Milliarden Dollar, Analysten hatten mit 53,4 Milliarden Dollar gerechnet. Der Gewinn je Aktie von 5,07 Dollar lag aber weit über den Prognosen. Amazons Umsatzprognose für das dritte Quartal war etwas niedriger als erwartet.

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