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Einzelhandel : Amazon plant neue Supermarktkette

Mit „Amazon Go“ hat der Handelsriese schon Erfahrungen mit kassenlosen Geschäften gesammelt. Wie die neue Supermarktkette ausgestattet sein wird, ist noch unbekannt. Bild: AP

Der amerikanische Handelsgigant bereitet die nächste Offensive mit physischen Läden vor. Die Geschäfte sollen billiger sein als Whole Foods.

          Amazon.com plant offenbar eine weitere Offensive im Lebensmittelhandel. Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ beabsichtigt der Online-Händler, Dutzende von Supermärkten in großen amerikanischen Städten zu eröffnen. Diese Läden sollen unabhängig von der auf höherwertige Lebensmittel spezialisierten Kette Whole Foods sein, die Amazon vor eineinhalb Jahren gekauft hat, wobei noch unklar sei, welchen Namen sie tragen soll. Amazon wolle hier aber billigere Produkte verkaufen als bei Whole Foods.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die erste Filiale der neuen Kette soll dem Bericht zufolge womöglich Ende dieses Jahres in Los Angeles den Betrieb aufnehmen, darüber hinaus seien Mietverträge an zwei weiteren Standorten unterschrieben, die Anfang 2020 eröffnet werden sollen. Amazon erwäge zudem, regionale amerikanische Supermarktketten zuzukaufen, die rund ein Dutzend Filialen betreiben. Wie so oft, wenn mögliche neue Initiativen von Amazon bekannt werden, bewegten sich Aktienkurse von Wettbewerbern nach unten. Die Aktie der Supermarktkette Kroger verlor am Freitag mehr als vier Prozent an Wert, auch mit dem Kurs des Einzelhandelsgiganten Walmart ging es sofort nach Veröffentlichung des Berichts ins Minus, wobei sich der Rückgang hier auf rund ein Prozent beschränkte.

          Für Amazon wäre eine neue Supermarktkette der jüngste aus einer zunehmenden Zahl von Vorstößen im stationären Einzelhandel. Der Konzern hat auch eine Kette mit eigenen Buchläden aufgebaut, die mittlerweile auf 18 Filialen kommt. Im vergangenen Jahr eröffnete er drei Läden mit dem Namen „Amazon 4-star“, in denen es ein bunt zusammengewürfeltes Sortiment von Produkten gibt, die in Kundenbewertungen auf der Internetseite im Schnitt mindestens vier von fünf Sternen bekommen. Der Konzern betreibt auch eine ganze Reihe vorübergehender „Pop-Up“-Geschäfte.

          Besonders viel Aufmerksamkeit hat er mit seinen „Amazon Go“-Läden erregt, einem weiteren Projekt im Lebensmittelhandel. Diese Geschäfte kommen ganz ohne Kassen und Kassenpersonal aus. Den ersten „Amazon Go“-Laden hat das Unternehmen vor einem Jahr eröffnet, mittlerweile gibt es schon zehn dieser Geschäfte, sie sind in Amazons Heimatstadt Seattle sowie in Chicago und San Francisco zu finden. Die bisherigen „Amazon Go“-Läden sind recht klein, allerdings wurde kürzlich berichtet, dass das Konzept auch für größere Geschäfte getestet wird. Dem jetzt veröffentlichten Bericht zufolge ist bislang unklar, ob die neue Supermarktkette kassenlos sein soll.

          Insgesamt hat Amazon im vergangenen Jahr mit seinen stationären Läden schon einen Umsatz von mehr als 17 Milliarden Dollar erzielt. Das entsprach rund sieben Prozent des Konzernumsatzes.

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