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Nach Yellen-Vorstoß : Amazon-Chef Bezos spricht sich für höhere Unternehmenssteuern aus

  • Aktualisiert am

Der Amazon-Gründer Jeff Bezos im September 2019 Bild: EPA

Immer wieder steht der Onlinehändler wegen schlechter Arbeitsbedingungen und der Ausnutzung von Steuerschlupflöchern in der Kritik. Bezos Ruf nach höheren Abgaben kommt da überraschend.

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          Der weltgrößte Onlinehändler Amazon steht seit langem wegen Steuervermeidung in der Kritik. Doch nun spricht sich ausgerechnet Konzernchef Jeff Bezos für höhere Abgaben aus. „Wir unterstützen eine Anhebung des Unternehmenssteuersatzes“, erklärte Bezos am Dienstag in einer im Firmenblog von Amazon veröffentlichten Stellungnahme.

          Der Multimilliardär ermutigte darin den amerikanischen Kongress und die Regierung zu einer „richtigen, ausgewogenen Lösung, die die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten aufrechterhält oder erweitert“.

          Die Aussagen von Bezos erfolgen vor dem Hintergrund eines billionenschweren Infrastruktur-Investitionsprogramms, das Präsident Joe Biden plant, und das zum Teil durch stärkere Unternehmensbesteuerung finanziert werden soll.

          Amazon braucht gute PR

          Die Debatte um höhere Abgaben an den Fiskus war am Montag durch die amerikanische Finanzministerin Janet Yellen weiter angefacht worden, die einen globalen Mindeststeuersatz für Unternehmen forderte. Der Vorschlag dürfte auch bei der Videokonferenz der G-20-Finanzminister am Mittwoch ein Thema sein.

          Dass Bezos oder Amazon sich öffentlich zu politisch brisanten Themen äußern, ist eigentlich ungewöhnlich. Allerdings steht der Konzern unter Druck und kann positive PR derzeit gut gebrauchen. Präsident Biden hatte Amazon jüngst bei einer Rede als eines der Unternehmen gerügt, die gesetzliche Schlupflöcher nutzen, um Steuerzahlungen zu vermeiden. Außerdem ließ eine Abstimmung in Alabama, durch die erstmals eine Gewerkschaft Einzug bei Amazon erhalten könnte, die Debatte um die Arbeitsbedingungen des Konzerns wieder hochkochen.

          ln der letzten Märzwoche hatte der demokratische Kongressabgeordnete Mark Pocan darauf aufmerksam gemacht, dass die Lieferfahrer und -fahrerinnen von Amazon ihre Schicht nicht selten absolvieren müssen, ohne dass sanitäre Anlagen in Sicht kämen. Auch die Mitarbeiter in den Versandcentern würden derart unter Druck gesetzt würden, dass sie sich genötigt sähen, in Flaschen zu pinkeln, statt eine Toilettenpause zu machen. Nachdem Amazon Pocan daraufhin erst verhöhnte, musste der Konzern später eingestehen, dass die Vorwürfe auf Tatsachen beruhten.

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