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Amazon, Apple & Co. : Den Tech-Konzernen geht es glänzend

Der Umsatz mit den iPhones verfehlt die Erwartungen. Tim Cook ist trotzdem optimistisch. Bild: dpa

Amazon schafft einen weiteren Rekordgewinn, und Facebook beschleunigt sein Wachstum. Apple muss auf das nächste Quartal vertrösten – hat aber guten Grund zum Optimismus.

          4 Min.

          Die großen amerikanischen Technologiekonzerne schlagen sich inmitten der Corona-Krise weiterhin glänzend. Das geht aus ihren Quartalsberichten hervor, die am Donnerstag nach Börsenschluss vorgelegt wurden. Der Online-Händler Amazon.com hat für die vergangenen drei Monate einen abermaligen Rekordgewinn ausgewiesen, das soziale Netzwerk Facebook hat sein Umsatzwachstum erheblich beschleunigt, und die Alphabet-Holding um den Internetkonzern Google ist nach einem Umsatzminus im zweiten Quartal wieder auf Wachstumskurs. Für den Elektronikkonzern Apple war das Bild etwas gemischt, aber das hat damit zu tun, dass er die neuen Modelle seines iPhone-Handys in diesem Jahr später herausbringt. Der erwartete Schub einer neuen iPhone-Generation für das Geschäft macht sich also im abgelaufenen Quartal im Gegensatz zum Vorjahreszeitraum noch nicht bemerkbar.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Börse reagierte unterschiedlich auf die Quartalsberichte: Am besten kamen die Zahlen von Alphabet an, die Aktie gewann im nachbörslichen Handel zeitweise mehr als acht Prozent an Wert. Amazon und Facebook notierten wenig verändert, und der Apple-Kurs fiel um knapp vier Prozent.

          Amazon meldete einen Umsatzsprung um 37 Prozent auf 96,1 Milliarden Dollar, Analysten hatten mit 92,7 Milliarden Dollar gerechnet. Das Umsatzwachstum war zwar im zweiten Quartal noch etwas höher. Allerdings fiel diesmal Amazons jährliche Sonderaktion „Prime Day“, die üblicherweise das Geschäft belebt, nicht ins dritte Quartal, sie wurde wegen der Corona-Krise von Juli auf Oktober verschoben. Der Nettogewinn hat sich auf einen Rekordwert von 6,3 Milliarden Dollar verdreifacht, und das Ergebnis je Aktie lag weit über den Erwartungen. Amazon gilt als einer der größten Gewinner der Corona-Krise und hat seine Belegschaft dramatisch ausgeweitet. Der Konzern beschäftigte zum Quartalsende 1,125 Millionen Mitarbeiter, 375.000 mehr als vor einem Jahr.

          Tim Cook zeigt sich optimistisch

          Amazon Web Services (AWS), die für den Konzern in den vergangenen Jahren immer wichtiger gewordene Sparte für „Cloud Computing“, schaffte im jüngsten Quartal ein Umsatzplus um 29 Prozent auf 11,6 Milliarden Dollar. Dieses Geschäft ist für Amazon überdurchschnittlich profitabel und steuerte mehr als die Hälfte zum Betriebsgewinn bei. Noch stärker gewachsen ist das Geschäft mit Werbung, das ebenfalls hohe Gewinnmargen bringt. In dieser Konzernsparte stieg der Umsatz um 51 Prozent auf 5,4 Milliarden Dollar. Andrew Lipsman von der Marktforschungsgruppe Emarketer sagte zu den Zahlen, Amazon habe „eine schon hohe Messlatte leicht übersprungen“.

          Apples Umsatz kletterte nur um ein Prozent auf 64,7 Milliarden Dollar, lag aber über den durchschnittlichen Analystenschätzungen von 63,7 Milliarden Dollar. Der Umsatz mit den iPhones fiel wegen der verschobenen neuen Modelle um 21 Prozent auf 26,4 Milliarden Dollar und verfehlte die Erwartungen. Vorstandschef Tim Cook zeigte sich aber mit Blick auf die neue „iPhone 12“-Modellgeneration optimistisch. Apple bringt insgesamt vier Versionen der Handyreihe, zwei von ihnen sind seit vergangener Woche erhältlich, zwei weitere sollen im November auf den Markt kommen. Für Apple sind es die ersten Modelle, die mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G arbeiten können. Cook nannte 5G für Apple eine Chance, wie sie „einmal im Jahrzehnt“ komme und sagte, er sei mit Blick auf die nächsten Wochen „sehr optimistisch“. Finanzvorstand Luca Maestri sprach von einem „großartigen Start“ für die bislang herausgebrachten neuen Modelle und sagte für das neue Quartal wieder ein Umsatzwachstum in der iPhone-Sparte voraus.

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