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Teurer Strom : Europas Aluhütten kämpfen ums Überleben

Hört die Signale: Frankreichs delegierte Industrieministerin Agnès Pannier-Runacher am Freitag im Aluminiumwerk Dunkerque (Dünkirchen) Bild: AFP

Der Strompreisschock setzt den Aluhütten zu. Neuaufträge müssen abgelehnt werden. Frankreich greift der gebeutelten Industrie verstärkt unter die Arme.

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          Der Werksleitung blieb keine andere Wahl. Sie musste die Produktion drosseln. Seit Wochen steht nun ein Teil der Schmelzen in Dunkerque still. Grund ist der Preisschock an der Strombörse. Wie viele andere Industriewerke hat er Europas größte Aluminiumhütte hart getroffen.

          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Nach und nach wurden die Anlagen in Dunkerque seit November heruntergefahren, mittlerweile fällt mehr als ein Siebtel der Produktion aus. Das klingt verschmerzbar, führt aber schon jetzt zu Einbußen in zweistelliger Millionenhöhe. Zumal schnelle Besserung nicht wirklich in Sicht ist. „Anfang April könnten wir wieder hochfahren“, sagt Geschäftsführer Guillaume de Goÿs. Die Lage sei ernst.

          So ernst, dass sich am Freitag Frankreichs Industrieministerin Agnès Pannier-Runacher auf den Weg an die Kanalküste machte. Als einem der letzten beiden verbliebenen Aluhütten im Land stattete sie Dunkerque einen Besuch ab, sprach zur Belegschaft und signalisierte vor Pressevertretern Handlungsbereitschaft. Die Ministerin hob hervor, dass es die Regierung nicht bei warmen Worten belasse: Die Senkung der Stromsteuer sei ebenso beschlossen wie die Ausweitung des Sonderinstruments „Arenh“ – zur Freude der Industrie, der dieses Instrument den Bezug von günstigem Atomstrom ermöglicht, und zum Leid des staatlichen Energiekonzerns EDF, denn er muss Strom nun teuer im Großhandel dazukaufen.

          Ohne die Hilfe aus Paris wären 300 Millionen Euro an Mehrkosten auf die Aluhütte in Dunkerque zugerollt, betont Pannier-Runacher. Die rund 630 Arbeitsplätze in dem Werk seien in Gefahr gewesen. „Die Regierung hat ihre Verantwortung wahrgenommen“, sagte die Ministerin und nannte die Situation im Aluminiumwerk in Dunkerque „emblematisch“. Schließlich ächzten Hunderte Unternehmen im Land unter den hohen Energiepreisen.

          Das ist Gift für die Branche

          EDF für die Strompreisstabilisierung einzuspannen, nannte Pannier-Runacher gerechtfertigt. Sie signalisierte Unterstützung für den hoch verschuldeten Staatskonzern. Der Staat, der rund 85 Prozent der Anteile hält, werde an dessen Seite stehen, „um sicherzustellen, dass EDF diese Zeit übersteht“.

          Zuvor hatte es von der Geschäftsführung und Beschäftigten großen Unmut darüber gegeben, dass die Regierung über das Arenh-Instrument den Verkauf von 120 statt 100 Terawattstunden Strom in diesem Jahr angewiesen hat. Das ist, da EDF derzeit zugleich unter dem Ausfall mehrerer Atomreaktoren leidet, mehr als ein Drittel der 2022 produzierten Strommenge. Die Kosten belaufen sich auf rund 8 Milliarden Euro.

          Frankreichs Aluminiumindustrie betrachtet die Markteingriffe indes als überlebenswichtig. Während die Megawattstunde Strom im Großhandel aktuell 100, 150 und teils mehr als 200 Euro kostet, ermöglicht Arenh den Bezug für weniger als 50 Euro. „Strom ist für uns ein essenzieller Rohstoff“, sagte de Goÿs von Aluminium Dunkerque. Er hofft auf ein Umdenken. Denn in der Hütte an der Kanalküste erinnert man sich gerne zurück an Zeiten, in denen man sich um die Versorgung mit günstigem Strom keine Sorgen machen musste.

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