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Alternative zu Benzin : Die Bio-Autos kommen

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Bild: F.A.Z.

Warum nicht Alkohol tanken? Oder Rapsöl? Der Gedanke, vom Erdöl unabhängig zu werden, ist nicht neu. Doch noch fehlen Tankstellen für Ethanol und Rapsdiesel. Außerdem warnen Experten vor zu hohen Erwartungen.

          Warum nicht Alkohol tanken? Oder Rapsöl in den Tank gießen? Der Gedanke, vom Erdöl unabhängig zu werden, ist nicht neu, blieb aber lange Zeit eine Wunschvorstellung in den Köpfen von Umweltschützern oder grünen Politikern. Aufgeschreckt von den steigenden Energiekosten und Verschärfungen bei den Emissionsrechten hat die Autoindustrie zuletzt immer größere Anstrengungen unternommen, Alternativen zum Verbrennungsmotor zu entwickeln. Jetzt gibt es sie zuhauf, die Autos, die Kraftstoffe auf Pflanzenbasis tanken und mit Erd- oder Biogas fahren.

          Zu sehen sind einige von ihnen auf der in wenigen Tagen beginnenden Automobilmesse AMI in Leipzig. Der schwedische Hersteller Saab hat mit der 9-5-Limousine ein 180 PS starkes Auto im Angebot, das auf Wunsch mit steuerbegünstigtem Bioethanol (Alkohol) betankt werden kann. Auch Ford setzt auf den aus Holz gewonnenen Benzinersatz: Der in Leipzig präsentierte Focus Flexi-Fuel kann Ethanol wie herkömmliches Benzin in einem beliebigen Mischungsverhältnis verwerten. Außerdem sind auf der AMI Konzeptstudien mit Erdgasantrieb zu sehen. Smart zeigt etwa einen Erdgas-Prototyp auf Basis des Fortwo: Der Smart Fortwo CNG (Compressed Natural Gas) verfügt über einen bivalenten Antrieb, bei dem der Fahrer selbst während der Fahrt zwischen Benzin- und Erdgasantrieb wählen kann. Und bei Opel und Fiat haben Erdgasautos den Erprobungsstatus längst verlassen.

          „Was jetzt noch fehlt, ist die politische Botschaft“

          Für Bernd Gottschalk, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), sind die jüngsten Vorstöße der Hersteller ein willkommenes Aufbruchsignal auf dem Weg weg vom Öl. Mit der Beimischung biogener Kraftstoffe käme die Autoindustrie ihrer Selbstverpflichtung näher, den Ausstoß von Kohlendioxyd spürbar zu vermindern. Deshalb schlägt der VDA eine Beimischung von 10 Prozent vom Jahr 2010 an vor, während die EU nur 5,75 Prozent verbindlich festgeschrieben hat. „Was jetzt noch fehlt, ist die politische Botschaft für regenerative Kraftstoffe, sei es Bioethanol oder Rapsdiesel“, mahnt Gottschalk eine steuerliche Förderung wie bei Erdgas an. Daß Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) aber gerade eine Steuer von 10 Cent je Liter auf reinen Biodiesel und 15 Cent auf beigemischten Kraftstoff erheben will, lehnt Gottschalk ab: „Der Autofahrer darf an der Zapfsäule nicht zusätzlich belastet werden.“

          Noch eine Rarität: eine Bio-Diesel-Tankstelle

          Experten sind sicher, daß der Aufschwung der Bioautos jäh beendet wäre, würde etwa Rapsdiesel so teuer wie herkömmlicher Diesel. „Der Erfolg umweltfreundlicher Autos hängt stark davon ab, wie sie in den jeweiligen europäischen Ländern steuerlich gefördert werden“, sagt Tom de Vleesschauwer vom Prognoseinstitut Global Insight in London. Eine Vorhersage, wie viele Autos in den kommenden zehn Jahren mit Biosprit auf Europas Straßen unterwegs sein werden, traut sich de Vleesschauwer vor diesem Hintergrund nicht zu.

          „Bioethanol nur an 15 öffentlichen Tankstellen“

          Ohnedies ist die dürftige Tankstellen-Infrastruktur bislang das größte Hindernis auf dem Weg zur Bio-Mobilität. Für die Mineralölindustrie lohnt sich die geringfügige Beimischung von Rapsdiesel zum herkömmlichen Diesel und Bioethanol zum Benzin nur wegen der Steuerbefreiung. An dem kostspieligen Aufbau eines eigenen Tankstellennetzes etwa für Bioethanol können die großen Mineralölkonzerne kein Interesse haben.

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