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Alternativ-Cola : Null Zucker, doppeltes Koffein

  • Aktualisiert am

Anti-Coca-Cola mit Bob Marley: Das Konzept - immer drauf auf Coca-Cola - läuft Bild: picture-alliance / dpa

Es muss nicht immer Coca-Cola sein. Regionale Brausen jagen dem amerikanischen Getränkekonzern Kunden ab. Ob viel Koffein, wenig Zucker oder etwas Religion, eine besondere Zutat darf nie fehlen. Alle positionieren sich gegen den Marktführer. Von Friederike Haupt.

          2 Min.

          „Überall nur schöne Frauen und schnelle Autos.“ Klingt gut? „Coca-Cola Zero steht dafür“, verspricht die Werbung für die dunkle Brause ohne Zucker und dafür mit umso mehr Süßstoff. Speziell für junge Männer entwickelt, kommt sie mit schwarzem Etikett und schnörkelloser Schrift daher.

          Die seit 1983 erhältliche Coke Light gilt vielen als „Mädchen-Cola“, doch auch Männer sollen sich nun für kalorienreduzierte Limonade begeistern.

          Coca-Cola in der Defensive

          Mit gutem Grund: Die herkömmliche Cola ist kein Wachstumsmarkt mehr. Neue regionale Cola-Varianten setzen Coca-Cola unter Druck, sich etwas einfallen zu lassen, um ihre braune Brause unter die Deutschen zu bringen.

          Viel Koffein, kein Zucker und jede Menge Szene: Das ist das Erfolgsrezept von Fritz-Kola

          Wie stark regionale Marken werden können, zeigt der Erfolg der ostdeutschen Vita-Cola: In Thüringen war sie 2006 mit einem Marktanteil von 37,9 Prozent Marktführer, Coca-Cola brachte es nur auf 22,7 Prozent. Der Spritzer Zitrone und der Nostalgiefaktor der seit 1957 im thüringischen Schmalkalden abgefüllten Brause machen sie in den ostdeutschen Bundesländern zum wichtigsten Coca-Cola-Konkurrenten - noch vor Pepsi.

          Innovationen aus Thüringen

          Im April brachte das Unternehmen eine Light-Cola und Vita-Cola ohne Zitronenzusatz auf den Markt: „Eine echte Alternative zu den Global Players“, findet Marketingleiter Ralf Sippel.

          Auch anderenorts wird eifrig am noch besseren Koffeingetränk gearbeitet. Neuheiten wie die Schorschi-Cola kann der Brausefreund vorerst fast nur im Internet bestellen. Fritz-Kola, 2003 von zwei Hamburger Studenten gegründet, verspricht wie die bekannte Afri-Cola das Maximum des erlaubten Koffeingehalts.

          Fritz-Kola läuft in Kneipen

          Die ausschließlich in Glasflaschen abgefüllte Brause ist - auch als Light-Version - vor allem in Kneipen zu haben und soll Ausgehfreudige bis 40 Jahre erreichen. Von „starkem Wachstum“ ist die Rede, Verkaufszahlen will wegen des harten Wettbewerbs kaum ein Unternehmen nennen.

          Die Einzelhändler interessieren sich sehr für die Coke-Konkurrenz. „Mit Coca-Cola machen wir kaum Gewinn“, erklärt das Josef Gail vom Getränke-Einzelhandelsverband. Die Differenz zwischen Ein- und Verkaufspreis sei gleich null, da die Limonade den Einzelhändlern relativ teuer angeboten werde, diese die Getränke aber „als Lockvogelangebot“ oft billig verkauften.

          Getränkehandel mag die Nachahmer

          Regionale Marken seien günstiger. Viele Händler versuchten daher, ihre Kunden für Alternativen zu begeistern. „Das tut uns allen gut“, findet Gail; höhere Gewinne, mehr Auswahl, mehr Arbeitsplätze seien die Folge.

          Trotz der klaren Marktführerschaft von Coca-Cola in Deutschland sieht Einzelhandelsvertreter Gail Potential für die anderen Brauseproduzenten: „Die Chance ist winzig, also nutzen sie sie.“

          Der Boykott der Pfadfinder

          Auch vielen Konsumenten ist das recht, will sich doch manch einer von der Marke Coca-Cola distanzieren. Im Mai etwa rief die Pfadfinderschaft Sankt Georg ihre 95 000 Mitglieder dazu auf, keine Coca-Cola-Produkte mehr zu kaufen. Gründe dafür seien Umweltverschmutzung und die Verstrickung in Morde an kolumbianischen Gewerkschaftsführern vor sechs Jahren.

          Schon 2006 forderte das Kölner Studentenparlament deshalb den Boykott der Coca-Cola-Getränke in den Mensen der Hochschule. Das Studentenwerk zeigte Verständnis, konnte allerdings den Vertrag mit Coca-Cola nicht kündigen. „Wir sehen uns aber nach Alternativen um“, sagt Geschäftsführer Peter Schink, will noch in diesem Jahr auch Cola der Duisburger Sinalco GmbH anbieten.

          Coca-Cola floriert trotzdem

          Einen Weltkonzern wie Coca-Cola kann das noch nicht schrecken. Die Quartalszahlen, die das Unternehmen am Dienstag präsentierte, zeigen sogar deutlich nach oben: Der Umsatz hat sich um 20 Prozent auf 7,73 Milliarden Dollar erhöht. Das liegt aber nicht an der Cola. Vor allem der Verkauf von Fitnessgetränken und Wasser habe zu dem überraschend guten Ergebnis beigetragen, meinen Experten.

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