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RWE und Eon : Alte Hasen für eine neue Energiewelt

Eon-Chef Johannes Teyssen Bild: dpa

Johannes Teyssen und Rolf Martin Schmitz gelingt mit RWE und Eon ein überraschender Coup. Jetzt wird der eine Herr der Netze, der andere oberster Kraftwerksdirektor. Ob das gut geht?

          Es ist nun schon der dritte Überraschungscoup, den Johannes Teyssen landet. Und wieder einmal muss man ihm zugestehen, dass er konsequent auf Marktveränderungen reagiert und zu radikalen Konzernumbauten bereit ist wie kaum ein anderer Manager. Ende 2014 überraschte er große Teile der Energiewelt, als er die Aufspaltung des von der Energiewende schwer gebeutelten Eon-Konzerns in zwei unabhängige börsennotierte Gesellschaften bekanntgab: Eon neu mit den zukunftsträchtigen Geschäftsbereichen Ökostrom, Kundenlösungen und Netze auf der einen und die neu gegründete Uniper SE für die alte Energiewelt mit Stromgewinnung aus Kohle und Gas auf der anderen Seite. Dann vereinbarte er gegen den erklärten Willen des Managements den Verkauf der Restbeteiligung an Uniper an den finnischen Fortum-Konzern.

          Brigitte Koch

          Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

          Mit dem freilich noch ausstehenden Vollzug wird er für Eon das Thema konventionelle Energieerzeugung also endgültig abhaken und zudem die klammen Konzernkassen füllen. Und nun hat Teyssen gemeinsam mit seinem Counterpart bei RWE, Rolf Martin Schmitz, sozusagen über Nacht eine tiefgreifende Neuordnung des Energiemarkts auf den Weg gebracht. Ein großer Konzern sei wie eine Dombauhütte, hat der Eon-Chef vor Jahren einmal gesagt. Und wieder einmal hat der Baumeister zugeschlagen.

          Teyssens Verhalten hat sich gewandelt

          Nach der Aufspaltung des Eon-Konzerns übernahm der promovierte Jurist die Führung der „grünen“ Gesellschaft. Für manchen Beobachter kam diese Entscheidung überraschend, galt Teyssen doch lange als Vertreter der alten Denkschule, der vielfach streitbar für Kohle- und Atomstrom eingetreten ist. Doch der gebürtige Niedersachse, der seine gesamte berufliche Laufbahn bei Eon sowie der Vorgängergesellschaft Veba verbracht hat und das Energiegeschäft in allen Facetten aus dem Effeff beherrscht, setzte auf die Zukunft. Zwar auch auf Wind-, Sonnen- und Wasserkraft, aber mehr noch auf die Netze, die für Eon schon heute das wichtigste Geschäft sind.

          Im Ersatz herkömmlicher Stromnetze durch intelligente Energienetzwerke, in digitalen Netzen sieht er eine Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende. Insofern passt es, dass mit der Übernahme der RWE-Tochtergesellschaft Innogy vor allem das Netzgeschäft auf Eon übergehen soll, während Eon im Gegenzug sein Geschäft mit der Ökostromerzeugung an den langjährigen Wettbewerber aus Essen abgibt. Teyssen wird künftig also Herr der Netze, Schmitz Deutschlands oberster Kraftwerksdirektor.

          Teyssen, Vater von vier Kindern, führt den Eon-Konzern seit 2010. Schon zuvor war der als Pragmatiker und Klartextsprecher geltende Manager Stellvertreter des im vergangenen Sommer verstorbenen früheren Eon-Chefs Wulf Bernotat und in dieser Funktion für das gesamte operative Geschäft zuständig. Während seiner Zeit an der Führungsspitze hat der Mann mit dem schütteren grauen Haar nicht nur den über mehrere Jahre mit hohen Verlusten kämpfenden Konzern umgebaut. Auch er persönlich hat sich in seinen Äußeren stark verändert. Der FC-Bayern-Fan wirkt heute asketisch und hält sich nach einer radikalen Abmagerungskur mit Joggen und Radfahren fit. Auch sein Verhalten hat sich gewandelt, sagen ihm Näherstehende. Früher eher polternd und zynisch, wirkt er heute gelassener, konzilianter. Den Energiekonzern soll der 58-Jährige bis in das nächste Jahrzehnt führen. So hat der Aufsichtsrat im Herbst beschlossen, seinen Vertrag bis Dezember 2021 zu verlängern.

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