https://www.faz.net/-gqe-9wnks

Milliardengeschäft von Alstom : Europa braucht einen Bahnriesen

Freie Fahrt zur Übernahme? Bild: Reuters

Der französische Bahnkonzern Alstom ist mit der Übernahme des kanadischen Konkurrenten Bombardier fast am Ziel. Der Verlierer könnte ein deutscher Wettbewerber sein.

          2 Min.

          Der Bahn gehört die Zukunft – solche Sätze stammen nicht nur aus Werbebroschüren der Deutschen Bahn, sie sind auch die Grundlage für die industriellen Strategien hinter den Zugbetreibern. Der französische Bahnhersteller Alstom will nun den kanadischen Konkurrenten Bombardier übernehmen. Das ist eine gute Idee, denn Europa braucht nicht nur starke Bahngesellschaften, die für pünktliche, häufige und weitverzweigte Zugverbindungen sorgen, Europa braucht auch Unternehmen, die das rollende Material und die Infrastruktur in der gewünschten Qualität und zu vernünftigen Preisen herstellen. Der Klimawandel erfordert neue Verkehrskonzepte mit den Zügen in ihrem Mittelpunkt.

          Im vergangenen Jahr untersagte die EU-Kommission die Fusion von Alstom und Siemens, weil sie eine marktbeherrschende Stellung des Duos befürchtete. Über diese Untersagung ist zu Recht lange gestritten worden, nun aber blickt man nach vorne, und daher setzt Alstom zum Sprung über den Atlantik an, um sich gegen immer mächtigere Konkurrenten wie den staatlichen chinesischen Hersteller CRRC zu wehren. Weil es zwischen Alstom und Bombardier bei der wichtigen Signaltechnik und bei den Hochgeschwindigkeitszügen (die Bombardier nicht baut) keine Überschneidungen gibt, hat die Übernahme bessere Chancen für die Zustimmung der EU-Kommission als die Siemens-Alstom-Fusion vor einem Jahr. Alstom war einst ein industrieller Krisenfall, doch seit sich das Unternehmen alleine auf das Zuggeschäft konzentriert, floriert es.

          Siemens muss zuschauen

          Bombardier ist dagegen ausgeblutet. Das kanadische Unternehmen, das immer auch viel öffentliche Hilfe erhielt, hat sich indes in einem ganz anderen Bereich verhoben: Es versuchte, im Flugzeugbau zu den Riesen Airbus und Boeing aufzuschließen und brach sich dabei das Genick. Sein Flugzeugprogramm namens C-Serie musste Bombardier an Airbus verkaufen, wo es heute „A220“ heißt. Das ist auch eine Lehre über die Risiken im Flugzeugbau – auf dem Boden können sie erhebliche Kollateralschäden verursachen.

          Wenn die Übernahme von Bombardier durch Alstom genehmigt und erfolgreich umgesetzt wird, könnte Siemens der Gekniffene sein. Erst untersagte man dem deutschen Konzern die Fusion mit Alstom, dann wäre er zusätzlich mit einem weiteren, noch größeren Konkurrenten konfrontiert. Zusammen mit Bombardier ist Alstom indes auch in Deutschland ein großer Arbeitgeber. Wenn es gelingt, wettbewerbsfähig zu bleiben, haben die deutschen Werke eine Chance. Gut ist an der Übernahme, dass zumindest ein europäisches Unternehmen das Heft in der Hand behält – vor allem eines, das sich mit viel Ambitionen auf den Bahnbau konzentriert. Beim Siemens-Konzern, der viele verschiedene Interessen hat, konnte man da zuletzt Zweifel haben.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          War als Journalistin schon vor ihrem Bruder erfolgreich: Rachel Johnson

          Rachel Johnsons Buch : Being Boris’ Schwester

          Ehrgeiz wird in dieser Familie übergroß geschrieben, öffentliche Aufmerksamkeit ist für sie lebensnotwendiger Treibstoff: Was das Buch von Boris Johnsons Schwester Rachel zwischen den Zeilen verrät.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.