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Übernahme-Poker : Alstom-Boss schreibt Beschwerdebrief an Siemens

  • Aktualisiert am

Patrick Kron will lieber mit GE weitermachen. Bild: dpa

Die Übernahmeschlacht um den französischen Industriekonzern Alstom tobt. Nachdem Siemens öffentlich über Alstom-Chef Kron klagte, schreibt dieser nun einen angeblich kühlen Brief zurück nach München.

          Der Ton zwischen dem deutschen Industriekonzern Siemens und dessen zur Übernahme stehenden Wettbewerber Alstom wird offenbar rauher. Gerade erst haben die Münchener darüber geklagt, wie mit ihrem Übernahmeangebot umgegangen werde und dabei insbesondere den Alstom-Vorstandsvorsitzenden Patrick Kron angesprochen. „Wir sind besonders enttäuscht von der mangelnden Kooperation des Vorstandschefs“, hatte es einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP zufolge darin geheißen - was diplomatisch verklausuliert auf dieser Management-Ebene schon eine sehr klare Ansage ist. Das Schrieben folgte auf die schriftlich einige Tage zuvor übermittelte Offerte.

          Nun hat sich der Angesprochene selbst per Brief gemeldet und beschwert sich seinerseits. „Bevor ich auf diese Briefe antworte, möchte ich einigen unfairen Äußerungen, die ihre Kollegen gemacht haben, stark widersprechen“, heißt es darin nach Angaben von „Spiegel Online“. Kron stelle klar, dass sich Vertreter beider Seiten sehr wohl getroffen und über das Angebot ausgetauscht hätten.

          Weiter heißt es über das Schreiben, Kron klinge darin, als würde er sich in die Defensive gedrängt fühlen davon, dass das Unmut der Münchener öffentlich geworden ist. Das ist durchaus plausibel. Denn die französische Regierung selbst setzt sich dafür ein, dass Siemens den Zuschlag bekommt und hat eine Offerte aus München erbeten. Sie will insbesondere in Gestalt ihrer Wirtschaftsministers Arnaud Montebourg auf jeden Fall vermeiden, dass Alstom vom amerikanischen Industrie-Riesen General Electric (GE) erworben wird - wohl aus der Angst heraus, dieser könne Alstom zerschlagen und viele Arbeitsplätze im ohnehin wirtschaftlich schwächelnden Frankreich abbauen.

          Alstom wiederum und zumal dessen Vorstandschef Kron würden hingegen offenkundig lieber GE den Zuschlag geben. Am Mittwochvormittag preisten GE-Vorstandschef Jeff Immelt und Kron das Übernahmeangebot der Amerikaner für 12,35 Milliarden Euro. „Der Zusammenschluss der sehr  komplementären Energie-Aktivitäten von Alstom und GE würde einen  wettbewerbsfähigeren Anbieter schaffen, mit dem wir unsere Kunden besser  bedienen könnten“, sagte Kron während einer Pressekonferenz.

          Das, was Immelt sagte, spricht außerdem gegen die vermeintlichen Bedenken der französischen Regierung. Er versprach, die Zahl der Arbeitsplätze in Frankreich zu erhöhen und die Sitze mit weltweiter Verantwortung für Dampf-,  Wasser- und Windturbinen sowie für Stromnetze in Frankreich anzusiedeln. „Wir  hören auf die Regierung und arbeiten konstruktiv zusammen.“

          Die Tore für die Münchener sind aber nicht geschlossen. Alstom-Chef Kron teilt dem Siemens-Vorstandsvorsitzenden Kaeser laut „Spiegel“ nun mit, weitere Verhandlungen aufnehmen zu wollen. Voraussetzung dafür sei aber, dass Siemens sein Angebot verbessere.

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