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Alpha Ventus : Erster deutscher Hochsee-Windpark geht ans Netz

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Rund 45 Kilometer vor Borkum: das Testfeld aus zwölf Windkrafträdern. Rechts vorne: die Trafo-Plattform mit Helikopterdeck Bild: dpa

In der Nordsee ist der erste Hochsee-Windpark mit zwölf Windkraftanlagen der 5-Megawatt-Klasse offiziell in Betrieb genommen worden. Umweltminister Norbert Röttgen gab per Knopfdruck das Startsignal für „Alpha Ventus“. Das Pilotprojekt dient zu Testzwecken für künftige deutsche Offshore-Windfelder.

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          „Die Nutzung der Windenergie wird die zentrale Rolle im Energiemix der Zukunft spielen“, sagte Röttgen bei der Eröffnung im ostfriesischen Norddeich. Ziel bis zum Jahr 2030 sei eine Leistung von 25.000 Megawatt durch auf See erzeugten Windstrom.

          Drei Stromkonzerne haben mit „Alpha Ventus“ den ersten deutschen Offshore-Windpark unter Hochseebedingungen in der Nordsee gebaut. Das 250 Millionen Euro teure Pilotprojekt dient zu Testzwecken für künftige deutsche Offshore-Windfelder.

          Die zwölf Anlagen der 5-Megawatt-Klasse stehen rund 45 Kilometer nördlich von Borkum. Schlechtes Wetter und der enorme logistische Aufwand hatten das Offshore-Projekt um mehrere Monate verzögert. Die Kosten verteuerten sich um 60 Millionen Euro auf 250 Millionen Euro. Im Herbst 2008 wurde der erste Bauabschnitt mit der Errichtung eines Umspannwerks in der Nordsee beendet. Im Frühjahr 2009 war das Seekabel an das deutsche Stromnetz angeschlossen. Danach wurden die Fundamente in 30 Meter Wassertiefe in den Meeresgrund gerammt. Im November 2009 war der Windpark komplett.

          Kamen mit dem Helikopter: Umweltminister Norbert Roettgen (l) und der Chef des Energieunternehmens EWE, Werner Brinker

          Die größten Windräder der zwei verschiedenen Typen erreichen mit 155 Metern fast die Höhe des Kölner Doms. Vom Festland aus sind sie nicht zu sehen. Ganz oben auf den Türmen sind die Gondeln mit den Rotoren und den Naben. Sie wiegen bis zu 410 Tonnen, das entspricht etwa dem Abfluggewicht eines Jumbojets.

          Für den Bau hatten sich die Energieversorger EWE, Eon und Vattenfall 2006 im Konsortium Doti zusammengetan. Doti will mit ihm grundlegende Erfahrungen für die kommerzielle Nutzung von Windparks auf See sammeln. Daneben fördert das Bundesumweltministerium die wissenschaftliche Untersuchung von Auswirkungen auf die Umwelt wie Meeressäuger, Vogelzug, Tierwelt und Fische.

          In dem Test-Windpark sehen die drei Energieversorger ein Zukunftsthema. Sie wollen künftig getrennt weitere Tiefwasserprojekte fern von der Küste in Angriff nehmen. Dabei sollen die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt allen künftigen Offshore-Windparks zu Gute kommen.

          Insgesamt sieht die deutsche Windindustrie sehr gute internationale Marktchancen für den technologisch anspruchsvollen Offshore-Bereich. Bisher sind in Nord- und Ostsee 29 Windparks mit zusammen 1894 einzelnen Windrädern genehmigt. Aktuell sind zwei weitere Parks im Bau, darunter „Bard Offshore 1“ mit 80 Anlagen (Nordsee) und „Baltic 1“ mit 21 Turbinen vor der Ostsee-Insel Darß (Mecklenburg-Vorpommern).

          Das Thema Offshore-Windparks spielt auch zunehmend eine Rolle in der Umwelt-Debatte um Atomkraft und erneuerbare Energien. Die Grünen sehen die von der Bundesregierung versprochenen 30.000 Arbeitsplätze an Nord- und Ostsee in Gefahr, wenn die Restlaufzeiten für alte Atomkraftwerke verlängert werden. Die Stromkonzerne hätten dann kein Interesse mehr am Ausbau der Offshore-Anlagen, erklärte am Dienstag die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn.

          Umweltschützer vermissen eine weitreichende Raumplanung für Meeres-Windparks. Zudem seien die Risiken für die Meeresumwelt zu wenig bekannt. Forscher untersuchen die Auswirkungen des Baulärms bei Rammarbeiten auf Meeressäuger wie Schweinswale. Bisher gebe es auch zu wenig Erfahrungen über Kollisionen von Zugvögeln mit Windrädern.

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