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Alpha-Fonds-Skandal : Milliardenstrafe für Allianz-Tochter in Amerika

  • Aktualisiert am

Das Logo der Allianz Global Investors Fondsgesellschaft in Frankfurt Bild: Wolfgang Eilmes

Allianz Global Investors hat sich im Anlageskandal um fehlgeschlagene Hedgefonds-Strategien mit dem US-Justizministerium auf einen Vergleich geeinigt. Nun rücken die Fondsmanager ins Visier der Behörden.

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          Die Milliardenverluste von amerikanischen Investoren mit Hedgefonds einer Allianz-Tochtergesellschaft werden zum Kriminalfall. Der Chef-Investor für mehrere „Structured Alpha“-Fonds, Greg Tournant, und zwei Fondsmanager hätten die Entwicklung der Fonds über Jahre hinweg manipuliert und die mit den Anlagen verbundenen Risiken untertrieben, erklärte das Justizministerium am Dienstag in New York.

          Tournant, den die Allianz Ende 2021 entlassen hatte, werde der Verschwörung, des Wertpapier- und Anlagebetrugs und der Behinderung der Justiz beschuldigt. Er habe sich in Denver den Behörden gestellt, sagte ein Ministeriumssprecher. Große Anleger wie Pensionsfonds hatten mit den Fonds insgesamt 7 Milliarden Dollar verloren, als die Kapitalmärkte im März 2020 in der Corona-Krise einbrachen. Mehrere Fonds wurden abgewickelt.

          Die amerikanische Niederlassung des zum Münchner Versicherungskonzerns gehörenden Vermögensverwalters Allianz Global Investors, AGI US, habe sich schuldig bekannt, den Fondsmanagern nicht genügend auf die Finger geschaut zu haben, erklärte das Ministerium. Nach einem Vergleich mit dem Ministerium ist die Allianz bereit, eine Strafe von 2,33 Milliarden Dollar zu zahlen und die Anleger mit 3,24 Milliarden für ihren verlorenen Einsatz zu entschädigen.

          Von der Strafe würden ihr aber 1,89 Milliarden Dollar erlassen, weil sie den Anlegern – darunter der Pensionsfonds für Lehrer im Bundesstaat Arkansas – bereits mehr Entschädigungen gezahlt habe. Weitere 463 Millionen würden zugunsten der Staatskasse eingezogen. In einem separaten Vergleich zahlt die Allianz 675 Millionen an die Wertpapieraufsicht SEC. Die Allianz, die sich jetzt eines Wertpapierbetrugs schuldig erklärte, hat schon 5,6 Milliarden Euro für den Anlageskandal zurückgelegt. Wie der Konzern mitteilte, wird AGI US nun ein verwaltetes Vermögen von 120 Milliarden Dollar „auf einen neuen US-Partner“, Voya Financial, übertragen. Eine entsprechende Absichtserklärung sei unterzeichnet.

          Bisher war davon ausgegangen worden, dass es sich bei den Verlusten um Fehlspekulationen handelte, weil die Fondsmanager im Auf und Ab der Märkte kalte Füße bekommen hatten. Doch nach ihren Untersuchungen werfen die US-Behörden den Fondsmanagern vor, die Anleger mindestens seit 2014 bewusst getäuscht zu haben. Mehr als zwei Dutzend Anleger hatten AGI verklagt. Allianz-Chef Oliver Bäte hatte das Debakel im August 2020 eingeräumt und auf eine schnelle Beilegung gedrängt, nachdem der Versicherer die Vorwürfe bis dahin stets zurückgewiesen hatte.

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