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Aktionär lehnt Offerte ab : Übernahme von Osram droht zu platzen

Die Geschäfte von Osram laufen schlecht, das Unternehmen braucht dringend einen finanzstarken Investor. Bild: EPA

Der größte Aktionär von Osram will das Übernahmeangebot für den Münchner Lichtkonzern nicht annehmen – das hat eine folgenschwere Signalwirkung. Für den angeschlagenen Konzern sind das keine guten Nachrichten.

          Die Übernahme des Lichttechnikkonzerns Osram durch die amerikanischen Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle Group ist höchst gefährdet. Allianz Global Investors (AGI), der mit einem Anteil von 9,4 Prozent größte Einzelaktionär des M-Dax-Unternehmens, lehnt die Offerte von 35 Euro je Aktie als zu niedrig ab. Der zum Allianz-Konzern gehörende institutionelle Anleger hat am Mittwochabend kurz nach Börsenschluss mitgeteilt, dass er nicht mitziehen will. Diese Ansage kommt sehr früh in der ersten Halbzeit der vom 22. Juli bis 5. September laufenden Annahmefrist.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Die Ablehnung von AGI, Aktionär der ersten Stunde seit dem Börsengang im Juli 2013, hat eine folgenschwere Signalwirkung für andere Anteilseigner. Die Wahrscheinlichkeit ist nun hoch, dass der Vorstoß von Bain und Carlyle, die Osram auf Basis ihrer Offerte mit 3,4 Milliarden Euro bewertet, scheitert. Denn andere große Eigner könnten sich berufen fühlen, ebenso nicht mitzuziehen. Allianz hält die größte Position.  Bain und Carlyle haben mit einer Mindestannahmequote von 70 Prozent die Hürde hoch gelegt. Bisherige Erfahrungen mit Übernahmeangeboten haben gezeigt, dass die Schwelle vor diesem Hintergrund kaum noch zu nehmen ist. Das kommt ausgerechnet in einer Zeit, in der sich die wirtschaftliche Lage von Osram mit gestiegenen Verlusten zugespitzt hat und der Handlungsdruck für eine kräfte- und finanzzehrende Restrukturierung zunimmt.

          Allianz Global unterstütze „implizit“ das Angebot von Bain und Carlyle, das es in absehbarer Zeit Kurspotential für Osram und seine Technologie gebe, heißt es in einer Pressemitteilung. Als größte Einzelaktionärin habe AGI eine eigene unabhängige „Fairness Opinion” als Stellungnahme zur finanziellen Angemessenheit zur Unternehmensbewertung in Auftrag gegeben. „Deren Ergebnisse untermauern die Ansicht, dass die Osram-Aktie mehr wert ist als die angebotenen 35 Euro je Aktie.“ Aufgrund der aktuell vorliegenden Informationen sei AllianzGI „derzeit entgegen der Empfehlung von Vorstand und Aufsichtsrat der Osram nicht bereit, das Angebot anzunehmen.“ Das signalisiert zugleich die Bereitschaft, im Falle eines erhöhten Angebotes doch noch mitzuziehen. Aber: „Nachdem sich Allianz GI im vergangenen Jahr um  eine konstruktiven Dialog mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat von Osram bemüht hat, ist es umso bedauerlicher, dass die beiden Gremien kein ausreichendes Vertrauen in das von ihnen geführte Unternehmen zu haben scheinen, sondern stattdessen vorziehen, es zu einem Preis zu verkaufen, der nach einem Abschlag aussieht.“

          Skepsis an dem Übernahmeangebot

          Abseits der offiziellen Begründung von Allianz Global Investors sind aus dem Umfeld schon seit einigen Tagen verstörende Signale zu hören, dass Anfragen von Aktionären und Investoren zum laufenden Übernahmeangebot sowohl vom Vorstand von Osram unter Vorsitz von Olaf Berlien wie auch seitens des Aufsichtsrates mit Peter Bauer an der Spitze sowie von den Finanzinvestoren unbeantwortet blieben. Versuche, seit Bekanntwerden der Absichten Anfang Juli in einen Dialog zu treten, seien gescheitert, ist aus dem Investorenumfeld zu vernehmen.

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