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Allianz : Dresdner Bank vor der Aufspaltung

Seit 2001 eine Tochter der Allianz: die Dresdner Bank Bild: ddp

Der Münchner Finanzkonzern Allianz bereitet die Aufspaltung seiner Tochtergesellschaft Dresdner Bank vor. Nach Informationen der F.A.Z. sollen zwei eigenständige Banken entstehen. Die Allianz reagiert damit auf die Krise im gebeutelten Investmentbanking der Dresdner Bank.

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          Der Münchner Finanzkonzern Allianz bereitet die Aufspaltung seiner Frankfurter Tochtergesellschaft Dresdner Bank vor. Nach Informationen der F.A.Z. wird die Dresdner Bank rechtlich und operativ in zwei Teile zerlegt: Den bisherigen Geschäftsbereich für Privat- und Geschäftskunden (PCC) und das Investmentbanking. „Es entstehen zwei eigenständige Banken“, heißt es in Frankfurt. Beide Teile sollen zunächst in der Dresdner-Bank-Gruppe unter einer gemeinsamen Dachgesellschaft (Holding) weitergeführt werden. Ein Teil- oder auch Komplettverkauf ist aber nicht ausgeschlossen und wird durch die Aufteilung erleichtert. Die Allianz-Aktie notierte am Freitag Nachmittag noch mit einem Minus von 1,6 Prozent bei 109,91 Euro.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Wir schaffen mit der Aufteilung die Flexibilität, um bei der Bankenkonsolidierung eine aktive Rolle zu spielen“, heißt es in der Dresdner Bank. Sowohl PCC als auch das krisengeschüttelte Kapitalmarktgeschäft bekämen dadurch neue Perspektiven. So gilt die Allianz als einer der Hauptinteressenten für die zum Verkauf stehende Postbank. Diese würde sich gut mit der neuen Privatkundenbank der Dresdner ergänzen.

          Michael Diekmann unter Druck

          Über eine Abspaltung des Investmentbankings wird dagegen schon seit Jahren spekuliert. Analysten kritisieren, der Bereich passe nicht zum vor allem auf Privatkunden ausgerichteten Allianz-Geschäft. Allerdings gilt es als schwierig, für das geschwächte Investmentbanking überhaupt Kaufinteressenten oder Partner zu finden. Mit raschen weiteren Weichenstellungen ist offenbar nicht zu rechnen. „Wir sind da in einem sehr frühen Stadium“, heißt es.

          Der Allianz-Vorstandsvorsitzende Michael Diekmann ist in den vergangenen Monaten wegen der Kreditmarktkrise immer stärker unter Druck von Investoren und Analysten geraten. Die Dresdner Bank musste im Investmentbanking allein bis Jahresende 2007 rund 1,5 Milliarden Euro auf Wertpapiere abschreiben. Der Nettogewinn der Dresdner Bank hat sich dadurch im Jahr 2007 auf 410 Millionen Euro halbiert. Die Allianz insgesamt wies dagegen dank ihres florierenden Versicherungsgeschäfts einen Rekordjahresüberschuss von 8 Milliarden Euro auf und war damit das profitabelste deutsche Unternehmen. In diesem Jahr drohen weitere hohe Belastungen durch das Kapitalmarktgeschäft der Bank.

          „Das wird mehr als ein Jahr dauern“

          Der Aufsichtsrat der Dresdner Bank wurde am Freitag auf einer Sitzung in Frankfurt über den Vorstandsbeschluss zur Aufspaltung der Bank informiert. Das Thema stand jedoch nach Angaben von Teilnehmern vorab nicht auf der Tagesordnung. Ein Beschluss durch den Aufsichtsrat soll später folgen, gilt aber als Formalie.

          Die Aufspaltung der Dresdner Bank in zwei Teile soll sofort angegangen werden. Sie gilt aber als hoch komplex und dürfte teuer werden. So muss unter anderem die komplette Informationstechnik getrennt werden. „Das wird mehr als ein Jahr dauern“, hieß es am Freitag in der Bank. Die Bereiche PCC und das Investmentbanking, die nun getrennte Wege gehen sollen, seien wie „siamesische Zwillinge“, sagte ein Kenner der Bank. „Das wird eine ganz schwierige Operation“.

          Strategischer Wendepunkt

          Die Entscheidung für eine Aufteilung markiert einen strategischen Wendepunkt. Erstmals stellt die Allianz damit zumindest Teile der Bank zur Disposition. Der größte deutsche Versicherer hatte das Geldhaus 2001 für mehr als 24 Milliarden Euro gekauft. Seither hat die Bank dem Konzern Milliardenverluste eingebracht. Um die Frankfurter Tochtergesellschaft wieder flottzumachen, wurden Tausende von Arbeitsplätzen abgebaut. Vor allem das Kapitalmarktgeschäft, das mittlerweile von dem Investmentbanker Stefan Jentzsch geleitet wird, kam aber nie richtig in Schwung.

          In den vergangenen Jahren verdiente das Unternehmen trotz eines guten Marktumfelds deutlich schlechter als Konkurrenten. Die Allianz hat dies bisher damit verteidigt, dass die Investmentbank bewusst weniger Risiken als früher eingehe. Allerdings ist das vor allem in London angesiedelte Kapitalmarktgeschäft der Dresdner seit dem vergangenen Sommer dennoch in den Strudel der vom amerikanischen Immobilienmarkt ausgehenden Kreditmarktkrise geraten.

          Die Allianz hat die Dresdner Bank im April 2001 für rund 24 Milliarden Euro übernommen und über Jahre hinweg mit der Integration gekämpft. Seither sind bei der Dresdner Bank Tausende Arbeitsplätze verschwunden.

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