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Allgäu : Das Porsche-Schloss döst vor sich hin

  • -Aktualisiert am

Schloss Bullachberg im Allgäu, in der Nähe von König Ludwigs Neuschwanstein Bild: Andreas Müller

Wendelin Wiedeking hat im Allgäu einst ein Schloss gekauft. Jetzt weiß der Konzern damit nichts mehr anzufangen. Das Schloss schläft. Nur der Hausmeister zieht seine Runden.

          Still thront Schloss Bullachberg auf einer Anhöhe vor den Allgäuer Bergen. Ruhe überall. Der Putz bröckelt, die Farbe der Fensterläden blättert. Gnädig verdeckt der Schnee weitere bauliche Mängel. Ein Schild "Zu verkaufen" ist nicht zu entdecken, ein Eigentümer auch nicht. Der sitzt weit weg, in Stuttgart.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das herrschaftliche Anwesen gehört dem Autohersteller Porsche, erstanden 2006 aus der Insolvenzmasse derer von Thurn und Taxis. Eingefädelt hat den Deal Wendelin Wiedeking, damals König von Zuffenhausen, der bald den Kopf voll hatte mit gewaltigeren Dingen: VW und die Schlacht um Wolfsburg. Sein Schloss rutschte in der Prioritätenliste weit nach hinten. Und da döst es nun vor sich hin. Die weitere Verwendung werde geprüft, sagt ein Konzernsprecher. Das sagt er nun seit Jahren. So stehen die Chancen nicht schlecht, dass demnächst ein Schnäppchen für die einschlägigen Makler auf den Markt kommt: Schloss zu verkaufen, Liebhaberobjekt, traumhafter Blick auf das Königsschloss Neuschwanstein, 180 000 Quadratmeter Grund, Verhandlungsbasis: sechs Millionen Euro.

          So viel hat Porsche vor gut vier Jahren investiert (die Renovierung sollte ein Vielfaches kosten), ein Klacks in jenen Tagen, als man sich in Zuffenhausen gerade daran gewöhnte, in großen Zahlen zu denken. Schließlich würde etwas ganz Besonderes im Allgäu entstehen: ein Luxus- und Tagungshotel, für die anspruchsvollsten Kunden aus aller Welt sowie für das eigene Top-Management. Und zum Auffüllen der Zimmer in ruhigeren Zeiten wären da noch die Millionen König-Ludwig-Touristen aus Fernost und Amerika. Ein gastronomischer Partner war schnell gefunden, auch Aufsichtsräte für die Betreibergesellschaft ausgeguckt. Nur: Es tut sich nichts, bis zum heutigen Tag. Schloss Bullachberg schläft.

          Da müsste dringend mal ein Handwerker ran

          Einzig ein von Porsche bezahlter Hausmeister zieht die Runden, heizt und lüftet. Der Bürgermeister von Schwangau (3455 Einwohner, 3963 Gästebetten), wird deshalb allmählich nervös. "Wir hätten schon gerne, dass da mal etwas entsteht", murrt Richard Sontheimer von der CSU. Das habe er den Porsche-Oberen auch schon gesagt, betont der Bürgermeister.

          Dabei waren sie im "Dorf der Königsschlösser" (Eigenwerbung) anfangs froh, mit Wendelin Wiedeking endlich einen würdigen Schlossherrn gefunden zu haben, nach den unrühmlichen Jahren auf Schloss Bullachberg mit zahlungsunwilligen Grafen, wechselnden unzuverlässigen Investoren und der Vermietung des Gebäudes für allerhand obskure Veranstaltungen ("opulentes Menü plus erotische Darbietungen").

          Ein prachtvolles Porsche-Hotel wäre da schon etwas anderes, so war die Hoffnung im Allgäu. Nur, wie gesagt, es rührt sich nichts. An der Gemeinde liege es nicht, sagt der Bürgermeister: "Wir sind nicht schuld. Porsche hat noch nie einen Bauantrag eingereicht." Fraglich, ob je einer im Rathaus eintrifft.

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