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Allfinanzkonzerne : Dresdner Bank bringt der Allianz erstmals seit 2001 Gewinn

  • Aktualisiert am

Die Dresdner Bank hat der Allianz AG zum ersten Mal seit der Übernahme im Jahr 2001 Gewinn gebracht. Unter dem Strich steuerte die Dresdner Bank im ersten Quartal 102 Millionen Euro zum Überschuß des Versicherungskonzerns bei.

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          Die Dresdner Bank hat der Allianz AG, München, zum ersten Mal seit der Übernahme im Jahr 2001 Gewinn gebracht. Unter dem Strich steuerte die Dresdner Bank im ersten Quartal 102 Millionen Euro zum Überschuß des Versicherungskonzerns bei. In den ersten drei Monaten des Vorjahres war ein Fehlbetrag von 353 Millionen Euro angefallen. Controlling-Vorstand Helmut Perlet wollte die Prognose eines abermaligen Jahresverlusts für die Dresdner trotzdem nicht aufbessern. Der Allianz-Vorstand bekräftigte, die viertgrößte deutsche Bank solle 2004 ohne Einbezug der Restrukturierungskosten von geschätzt 150 bis 180 Millionen Euro ein ausgeglichenes Ergebnis ausweisen. "Es ist zu früh im Jahr, um auf dem falschen Bein hurra zu schreien."

          Für den Gesamtkonzern gibt die Allianz weiter keine Ergebnisprognose ab. Perlet kündigte in einer Telefonkonferenz lediglich einen "vernünftigen Gewinn" an. 2003 hatte die Allianz nur durch den Verkauf des Pakets am Konsumgüterhersteller Beiersdorf mit 1,6 Milliarden Euro Überschuß abgeschlossen.

          Der Quartalsgewinn des Konzerns lag mit 675 (Vorjahreszeitraum: Fehlbetrag 546) Millionen Euro über den 650 Millionen, die die Allianz vergangene Woche auf ihrer Hauptversammlung veröffentlicht hatte. Die Allianz-Aktie notierte dennoch zeitweise um 2 Prozent im Minus bei 81,47 Euro. Analysten äußerten unter anderem Zweifel an der Nachhaltigkeit des Ergebnisses bei der Bank.

          Neben der Entlastung aus dem Bankgeschäft profitierte die Allianz von Ergebnisverbesserungen in der Lebens- und Krankenversicherung und in der Vermögensverwaltung sowie einer historisch niedrigen Schaden-Kosten-Quote (Verhältnis von Aufwendungen für Schäden und Kosten zu Prämieneinnahmen) in der Schaden- und Unfallversicherung. Mit 95,8 Prozent liege die Allianz international hinter dem weltweit erfolgreichsten Versicherungskonzern American International Group (AIG) an zweiter Stelle, sagte Perlet.

          Zudem hat die Allianz kräftig Aktien mit Gewinn verkauft, während vor einem Jahr Milliardenabschreibungen und Veräußerungsverluste dominierten. Das Kapitalanlageergebnis stieg im ersten Quartal von 2 Milliarden auf 5,2 Milliarden Euro, wovon ein Großteil den Versicherten zusteht. Die Aktienquote sank weiter auf 14,6 (Ende 2003: 16) Prozent. Die Allianz wolle ihr Aktienrisiko weiter verringern und deshalb das Verhältnis von Aktienanlagen zu Eigenkapital von zuletzt 1,2 unter 1 drücken, erklärte Perlet.

          "Das erste Quartal ist besser gelaufen als geplant." Die Allianz habe zwar von den ungewöhnlich wenigen Naturkatastrophen und dem stabilen Kapitalmarkt profitiert. "Aber der Großteil des Ergebnisses ist hart erarbeitet." Bei der Dresdner wirkte sich eine niedrige Kreditrisikovorsorge von 135 (351) Millionen Euro positiv aus. Perlet schätzt allerdings, daß der Posten im Gesamtjahr 800 Millionen Euro erreichen könnte. Die Institutional Restructuring Unit (IRU), in der die faulen Kredite abgewickelt werden, schnitt mit einem Verlust von 44 (112) Millionen Euro ab und wird die Dresdner laut Perlet noch mindestens bis Ende 2005 belasten. Die Privatkundensparte erhöhte ihren Gewinnbeitrag auf 106 (36) Millionen Euro, der Firmenkundenbereich auf 60 (36) Millionen Euro.

          Die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein schnitt aufgrund eines niedrigeren Handelsergebnisses mit 69 (73) Millionen Euro leicht unter Vorjahr ab. Die operativen Erträge der Bank sanken durch die drastische Schrumpfkur binnen Jahresfrist um 12 Prozent. Rechnet man den erheblichen Abbau von Risikoaktiva heraus, wären sie stabil geblieben, erläuterte Perlet. "Das ist eine bemerkenswerte Leistung der Kollegen in Frankfurt in den vergangenen zwölf Monaten." 2005 solle die Dresdner Bank ihre Kapitalkosten verdienen, was einem Gewinn von 650 bis 700 Millionen Euro entspräche, bekräftigte Perlet.

          Der Allianz-Konzern bestätigte seine bisherigen Prognosen für 2004, die Prämieneinnahmen von 85 Milliarden Euro im vergangenen Jahr währungsbereinigt um 4 Prozent zu steigern, die Schaden-Kosten-Quote unter die 97 Prozent des Vorjahres zu senken sowie die verwalteten Drittgelder um 10 Prozent zu steigern. Perlet beurteilte positiv, daß die Spekulationen über die Zukunft der Postbank durch die offizielle Bekräftigung der Börsenpläne durch die Deutsche Post nun beendet sind. Der Frage, ob auch die Allianz Interesse an der Postbank habe, wich er aus. "Für uns hat Priorität, uns mit der Weiterentwicklung unseres Konzepts integrierter Finanzdienstleister zu beschäftigen. Alles andere steht nicht auf der Tagesordnung." Nach Angaben aus Finanzkreisen hat sich die Allianz schon im vergangenen Jahr um die Postbank bemüht. Die Frage, ob die Allianz den Kauf einer weiteren Bank ausschließe, kommentierte Perlet ebensowenig wie Planspiele über einen Zusammenschluß von Allianz und Deutscher Bank. (mag.)

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