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Krisen-Airline : Alitalia soll von Italiens Staatsbahn betrieben werden

  • -Aktualisiert am

Optische Täuschung: Lufthansa bewegt sich längst auf einem höheren Niveau als Alitalia. Bild: dpa

Die Lufthansa lehnt eine Übernahme von Alitalia zusammen mit dem italienischen Staat ab, kann sich aber eine Partnerschaft mit der kriselnden Fluggesellschaft vorstellen – denn Italien ist für den Konzern ein wichtiger Markt.

          Die bis 2008 staatliche Fluggesellschaft Alitalia soll nach ihrem dritten Beinahe-Konkurs wieder staatlich werden. Am Mittwoch lief die Frist für bindende Gebote für die verlustbringende Gesellschaft ab. Am Mittwochabend zeichnete sich ab, dass nur die staatlichen Eisenbahnen Ferrovie dello Stato ein Gebot abgeben. Dort hat die neue Regierung der populistischen Lega und der Fünf-Sterne-Protestbewegung den Chef ausgewechselt. Der sieht sich nun gezwungen, den Vorgaben der Regierung zu folgen.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Der Vizepremier der Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi Di Maio, hatte in seiner Funktion als Industrieminister die Parole ausgegeben, dass es zwischen Alitalia und der Bahn so viele Synergien gebe, dass eine Übernahme gerechtfertigt sei. Außer Acht gelassen wurde dabei, dass Alitalia und die Staatsbahnen zwischen Mailand und Rom in direkter Konkurrenz stehen. Mit einer Hochgeschwindigkeitsverbindung wurden die meisten Passagiere der früher ertragreichsten Alitalia-Strecke in die Züge gelockt. Zudem hat es Italien versäumt, Flughäfen an die Fernstrecken der Züge anzubinden, weshalb die Idee von kombinierten Tickets für die Ankunft per Flugzeug und die Weiterreise mit dem Zug nicht besonders überzeugend klingt.

          Zu Details der Regierungspläne sind viele Versuchsballons lanciert worden. Sicher scheint, dass die Regierung am liebsten den staatlichen Überbrückungskredit von 900 Millionen Euro in eine Beteiligung von etwa 15 Prozent umwandeln würde. Mit den Eisenbahnen sollten weitere Staatsunternehmen Anteile erwerben. Der staatlich kontrollierte Verwalter der Gelder aus den Postsparbüchern, Cassa Depositi e Prestiti, sollte für Alitalia eine neue Ausstattung von Flugzeugen kaufen; die Rede war von einem Volumen von 2 Milliarden Euro. Regierungsvertreter wie Di Maio wünschten sich auch, dass eine erfolgreiche Fluggesellschaft einen Minderheitsanteil von bis zu 49 Prozent übernimmt.

          Reihenweise Absagen

          Von der Deutschen Lufthansa kommt dazu eine Absage. „Eine Investition mit dem italienischen Staat kommt für uns nicht infrage“, sagte der Vorstandschef Carsten Spohr während der Vorstellung der Neun-Monats-Bilanz. In der Vergangenheit galt der Konzern als Interessent, eine mögliche Übernahme hatte Lufthansa aber daran geknüpft, dass vorab Sanierungsschritte erfolgen. Die blieben aus. Auch von anderen möglichen Interessenten wie Easyjet waren zuletzt keine konkreten Absichten zu vernehmen. Italienische Medien berichten dagegen, dass von Easyjet eine Verringerung der Belegschaft gefordert werde. Dies lehnen Regierung und Gewerkschaften ab.

          Lufthansa-Chef Spohr sieht derweil Chancen für eine andere Form der Zusammenarbeit mit Alitalia. Denn Italien ist der wichtigste Auslandsmarkt außerhalb der Heimatmärkte, zu denen über die Tochtergesellschaften Austrian Airlines und Swiss auch Österreich und die Schweiz zählen. „Eine Partnerschaft kommerzieller Natur können wir uns durchaus vorstellen“, sagte er. Dies werde geprüft.

          Dass die Lufthansa einen Anteilskauf ablehnt, ist nicht das einzige Hindernis für die Regierung. Zwei staatlich kontrollierte Konzerne haben ebenso bisher abgewunken – der Ölkonzern Eni als Treibstofflieferant, sowie der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Leonardo (früher Finmeccanica). Auch Cassa Depositi e Prestiti will nicht helfen. Dort haben die Sparkassenstiftungen einen Minderheitsanteil von 16 Prozent, damit das Institut nicht direkt in den Staatsfinanzen konsolidiert wird. Für die Sparkassenstiftungen sagte der Vorsitzende von deren Vereinigung: „Cassa Depositi e Prestiti darf keinen einzigen Euro für Alitalia geben.“ Die Stiftungen könnten das mit ihren Vetorechten sicherstellen. Zudem sei im Statut verboten, dass das Institut als Retter für ein verlustbringendes Unternehmen fungiere.

          Die Regierung in Rom ist vor allem darauf angewiesen, einen privaten Investor zu finden, um der Europäischen Kommission nachzuweisen, dass Investitionen in die Rettung von Alitalia keine staatliche Subvention, sondern eine marktkonforme Maßnahme sind. Bisher lässt sich die Kommission Zeit mit der Prüfung des Staatskredits von 900 Millionen Euro. Der soll nach bisherigen Vorgaben Mitte Dezember zurückgezahlt werden. Doch Alitalia hat offenbar nicht die Mittel, so lange keine weiteren Investoren gefunden sind. Aus der Sicht liberaler italienischer Kommentatoren ist die Idee, dass das Land eine Gesellschaft „mit der Staatsflagge“ brauche, ohnehin überholt, weil der Alitalia-Marktanteil bei Flügen von und nach Italien unbedeutend geworden sei. Aus dieser Perspektive ist die Ankündigung einer Bahn-Beteiligung nur ein Schachzug, mit dem wieder Zeit gewonnen werden kann.

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