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Tierhaltung : Aldi will männliche Küken gar nicht erst ausbrüten

Wenige Tage alte Küken in einem Hähnchenmastbetrieb Bild: dpa

Die Discounter Aldi Süd und Aldi Nord wollen ihre Lieferketten für Eier umstellen. Die Landwirtschaftministerin begrüßt das. Doch ist das wirklich das Ende des Kükentötens?

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          Die Botschaft ist deutlich: „Aldi schafft das Kükentöten ab.“ Doch ist sie auch wahr? Die Discounter Aldi Süd und Aldi Nord haben am Mittwoch mitgeteilt, dass sie Eier auf das Geschlecht testen wollen, damit männliche Küken gar nicht mehr ausgebrütet werden. Das soll verhindern, dass sie getötet werden. Von 2022 an sollen die Lieferketten für das gesamte Sortiment in Deutschland, ob Boden-, Freiland- oder Bio-Eier, umgestellt sein. „Wir sind die ersten Händler, die das Kükentöten in der Breite abschaffen. Mit unserem Vorstoß möchten wir diesem verständlicher Weise oft kritisierten Vorgehen ein Ende setzen“, sagt Simon Gelzer, der für den Einkauf bei Aldi Süd zuständig ist.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Derzeit werden gut 45 Millionen männliche Küken im Jahr in Deutschland getötet. Sie legen keine Eier und setzen zu wenig Fleisch an, weshalb sie erstickt und zu Tierfutter verarbeitet werden. Mit einem Verfahren des Kieler Biotechnikunternehmens Planton soll das Geschlecht nun am neunten Bruttag bestimmt werden, indem mit einem Laser ein winziges Loch in das Ei gebohrt wird. Von Ende des Jahres an sollen Kunden die ersten Eier kaufen können, bei denen die Methode angewandt wurde. Aldi will damit auch Druck auf die Lieferanten ausüben, in ähnliche Technik zu investieren. Als einer der größten Lebensmitteleinzelhändler im Land dürfte das durchaus Wirkung haben. „Den angekündigten Schritt begrüße ich ausdrücklich“, sagte die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU).

          Eine besondere Vorreiterrolle nimmt Aldi nicht ein. Geforscht wird an diesem Verfahren seit mehr als 12 Jahren, das Land Nordrhein-Westfalen wollte die Praxis 2013 unterbinden, wogegen zwei Brütereien geklagt hatten. Auch weil der Geschlechtstest im Ei bislang nicht flächendeckend verfügbar ist, hat das Bundesverwaltungsgericht im Herbst 2019 entschieden, dass weiter Küken getötet werden dürfen. Gleichwohl soll es in Deutschland bis Ende 2021 einen flächendeckenden Ausstieg aus dem Kükentöten geben. Das lässt den 2022-Plan von Aldi schon weniger ambitioniert erscheinen.

          Bislang hat es vereinzelte Versuche von Händlern gegeben, Kunden zum Umstieg zu bewegen. Seit zwei Jahren verkauft Rewe solche Eier unter dem Namen Respeggt, seit Ende 2019 in allen 5500 Filialen von Rewe und Penny in Deutschland. Grundsätzlich könnte sich auch die Kölner Handelsgruppe vorstellen, dieses Angebot auszuweiten, sagte ein Sprecher. „Jeder Zeitplan zum Ausstieg sollte berücksichtigen, dass es zu keiner Verlagerung von Brütereien ins Ausland kommt oder gar männliche Küken dort getötet werden.“

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