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Aldi schrumpft - erstmals seit der Gründung : Die Zeit des ungebremsten Wachstums ist vorbei

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Der Kleinere macht dem Großen schwer zu schaffen: Aldi schrumpft, Lidl wächst Bild: AP

Jahrzehntelang galten Discounter als Synonym für Wachstum. Vorbei: Im vergangenen Jahr hat Marktführer Aldi wohl erstmals rückläufige Umsätze hinnehmen müssen. Jetzt sind die Billiganbieter auf der Suche nach neuen Käuferschichten.

          Nach dem Siegeszug der vergangenen Jahre stoßen Deutschlands Discounter an Wachstumsgrenzen. Das Expansionstempo der Billiganbieter sei 2007 drastisch gesunken. Marktführer Aldi habe sogar erstmals in der Unternehmensgeschichte Umsatzeinbußen auf dem Heimatmarkt hinnehmen müssen. Das berichteten die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und die Unternehmensberatung Accenture in einer am Montag in Kronberg veröffentlichten Studie. Von Aldi war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

          „Discount ist heute kein Selbstläufer mehr“

          „Die Lebensmittel-Discounter stehen am Scheideweg“, sagt Accenture-Geschäftsführer Gerhard Hausruckinger. „Discount ist heute kein Selbstläufer mehr.“ Konnten Aldi, Lidl und Co ihren Marktanteil zwischen 2000 und 2006 jährlich noch durchschnittlich um 1,7 Prozentpunkte steigern, so fiel das Plus 2007 mit nur 0,7 Prozentpunkten deutlich bescheidener aus.

          Die Wachstumsschwäche der Discounter hat der Studie zufolge zwei Gründe. Zum einen lassen sich kaum noch neue Kunden gewinnen: Schon heute kaufen 98 Prozent der Verbraucher mehr oder weniger regelmäßig bei Billiganbietern. Doch gravierender noch: Die demografische Entwicklung macht den Discountern zu schaffen.

          Schlecht für die Billigheimer: Anteil junger Familien rückläufig

          Als Discount-Stammkunden gelten vor allem junge Familien. Doch deren Anteil an der Bevölkerung wird bis 2020 von derzeit 31 auf 28 Prozent sinken. Dagegen wächst der Anteil der Verbrauchergruppen, die bevorzugt in klassischen Supermärkten kaufen. Dazu gehören etwa Rentner, alleinstehende Ältere oder Familien, in denen die Kinder schon aus dem Haus sind.

          „Diese scheinbar kleinen prozentualen Veränderungen sind ein Erdbeben im Lebensmittel-Einzelhandel, wo es um reine Verdrängung geht“, sagt Hausruckinger. „An der Generation Silber kommt künftig kein Lebensmittelhändler vorbei.“ Außerdem achteten viele Verbraucher wieder stärker auf Qualität und weniger auf den Preis als in den Jahren unmittelbar nach Einführung des Euro.

          Lidl profitiert von der Aldi-Schwäche

          Marktführer Aldi leidet nach Informationen des „Handelsblattes“ besonders unter der Wachstumsschwäche. Aldis Filialnetz sei der GfK-Studie zufolge vor allem in Westdeutschland bereits so dicht, dass es unwirtschaftlich sei, weitere Filialen hineinzuweben, berichtet die Zeitung unter Berufung auf die Studie. Die Nummer eins unter den Discountern habe deshalb im vergangenen Jahr im Gegensatz zur Konkurrenz auf die erneute Ausweitung ihres 4.200 Läden umfassenden Verkaufsnetzes verzichtet - und deshalb Marktanteile an die Konkurrenz verloren.

          Davon profitierte der Studie zufolge vor allem der engste Verfolger Lidl. Der Wettbewerber habe die Anzahl seiner Filialen um 3,6 Prozent erhöht und seinen Umsatz sogar um fast zehn Prozent auf 13,3 Milliarden Euro gesteigert.

          Senioren und Migranten - die neuen Hoffungsträger?

          Das Geschäft der Discounter werde durch die wachsende Marktsättigung immer schwieriger, betonten die Marktforscher in ihrer Studie. Seit 2003 sei der Quadratmeterumsatz der Discounter um 8,1 Prozent auf 3.648 Euro gesunken.

          Die Zukunftsaussichten der Billiganbieter hängen nach Einschätzung der Experten von verschiedenen Faktoren ab. So könnten der Anstieg der Lebensmittelpreise und unsichere Konjunkturaussichten schon kurzfristig das Einkaufsverhalten wieder zugunsten der Discounter verändern. Doch könnten Aldi, Lidl und Co auch selber noch einiges tun, heißt es in der Studie: etwa mit ihren Angeboten den Bedürfnissen älterer Kunden nach Bequemlichkeit und Sicherheit entgegenkommen, oder mit Ethno-Marketing gezielt die Zielgruppe der Migranten ansprechen.

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