https://www.faz.net/-gqe-ad3kw
Bildbeschreibung einblenden

Discounter : Aldi schmeißt Billigfleisch aus dem Sortiment

Rinder-Hackfleisch aus der niedrigsten und der höchsten Haltungsstufe Bild: dpa

Die Discounter-Riesen Aldi Nord und Süd wollen nur noch Fleisch aus höherwertigen Haltungsformen verkaufen – ab 2030. Bis dahin soll es schrittweise besser werden. Dafür gibt es sogar Lob vom Tierschutzbund.

  • -Aktualisiert am
          2 Min.

          Die Discounter Aldi Süd und Nord wollen ihr gesamtes Fleischsortiment bis zum Jahr 2030 auf höherwertige Haltungsformen umstellen. Dann soll Schweine-, Rind-, Puten- und Hühnerfleisch nur noch aus den Haltungsformen 3 und 4 kommen, wozu etwa Futter ohne Gentechnik, Zugang zu frischer Luft und mehr Platz und Auslauf für die Tiere gehört.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Derzeit machen die Haltungsformen noch weniger als 15 Prozent des Fleischs aus, das Aldi verkauft. Fleisch aus der klassischen Stallhaltung ohne weitere Vorgaben, die sogenannte Haltungsform 1, wirft Aldi schon bis 2025 komplett aus dem Sortiment. Aldi hat nach eigenen Angaben einen Marktanteil von gut 24 Prozent beim Verkauf von Frischfleisch im Lebensmittelhandel.

          Als Discounter will Aldi freilich weiterhin auch billig Fleisch verkaufen, jedoch müssen sich Kunden darauf einstellen, dass sie künftig mehr für Steak und Wurst bezahlen müssen. „Aber wir haben den Anspruch, als Aldi da weiterhin Preisführer zu sein“, sagte Florian Scholbeck von Aldi Nord in einer Pressekonferenz am Freitag: „Wir wissen um unsere Verantwortung und die Macht der Marke.“ Funktionieren könne die Umstellung aber nur in der gesamten Wertschöpfungskette.

          Tierschutzbund begrüßt Entscheidung ausdrücklich

          Die Unternehmen riefen ihre Konkurrenten aus dem Handel gleichwohl dazu auf, es ihnen gleichzutun. Die Kölner Supermarktkette Rewe teilte auf Anfrage mit, dass sich das Unternehmen freue, dass „in der Branche ein Weg, den wir seit 10 Jahren eingeschlagen haben, immer mehr Unterstützung findet“. Bis Ende 2030 strebe das Unternehmen an, für die Rewe- und Penny-Märkte zumindest im gesamten Eigenmarken-Fleischsortiment ausschließlich die Haltungsformen 3 und 4 anzubieten.

          Der Deutsche Tierschutzbund begrüßte den Schritt von Aldi ausdrücklich. „Aus unserer Sicht ist die derzeit geltende gesetzliche Grundlage zur Haltung von Tieren in der Landwirtschaft nicht ausreichend, um den Tierschutz in den Ställen sicherzustellen“, sagte Thomas Schröder, der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

          „Diese Ankündigung bringt auch für Landwirte Planungssicherheit, die jetzt vor Investitionen in den Stallbau stehen und mehr Tierwohl schaffen möchten. Hier ist Aldi dann auch in der Pflicht, höhere Standards mit entsprechenden Verträgen und Preisen zu flankieren“, sagte Schröder. Aldi verwies am Freitag darauf, dass es schon in der Kooperation mit Milchbauern die Erkenntnis gebe, dass sich Investitionen der Landwirte lohnten, wenn sie dafür verlässlich über eine lange Zeit höhere Erlöse für ihre Rohstoffe bekämen. Die Discounter forderten gleichwohl auch die Politik auf, Genehmigungsverfahren etwa für den Bau von Ställen zu beschleunigen, damit Landwirte schneller umstellen könnten.

          Auch Deutschlands größter Schlachtbetrieb Tönnies unterstützt seinen Kunden Aldi. „Dies ist ein klares Bekenntnis für die Unterstützung einer zukunftsfähigen Nutzierhaltung in Deutschland“, sagte Unternehmenschef Clemens Tönnies. „Mit den klaren Zielmarken schafft der Handel Planungssicherheit und einen angemessenen Vorlauf für uns und vor allem unsere vielen tausend landwirtschaftlichen Zulieferer.“

          Mit allen Einzelhändlern sei das Fleischunternehmen in Gesprächen zu Haltungsformen, dadurch sei Tönnies der größte Anbieter von Schweinefleisch aus den Haltungsformen 3 und 4, hieß es weiter.

          Weitere Themen

          Dax auf Erholungskurs Video-Seite öffnen

          Optimismus an der Börse : Dax auf Erholungskurs

          Nach den jüngsten Kursverlusten nutzen Anleger die Gelegenheit zum Wiedereinstieg in den deutschen Aktienmarkt. Der Dax stieg zur Eröffnung am Montag um 0,6 Prozent auf 15.631 Punkte. Experten sehen gute Chancen, dass sich das Aktienbarometer wieder in Richtung Allzeithoch bewegt.

          Topmeldungen

          In Partylaune: Deutsche Urlauber feiern am Strand von Arenal.

          Tourismus : Keiner will die Billigurlauber

          Der Partytourist gerät in Misskredit: Viel saufen und wenig zahlen, das wollen viele Staaten nicht mehr. Hinzu kommt der Klimaschutz. Naht das Aus für den billigen Urlaub?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.