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Interview mit Manager : Aldi lässt in Australien nichts anbrennen

Bekanntes Bild: Eine Aldi-Filiale in Australien. Bild: Reuters

Flache Strukturen, hohe Gehälter, Bioprodukte: Der Australien-Chef der Kette bietet Einblick in seine Strategie.

          Aldi macht in Australien inzwischen umgerechnet 5 Milliarden Euro Jahresumsatz. Die Deutschen haben „down-under“ innerhalb von 17 Jahren 11 Prozent Marktanteil erobert. Der Vorstandschef von Aldi Australia sagt nun, er gehe davon aus, dass Aldi die höchste Kundenbindung überhaupt in Australien und Großbritannien habe.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          In einem seltenen Interview gibt Tom Daunt dem Magazin „The Deal“ Einblick in das Geschäftsmodell. Der Ableger der deutschen Handelskette ist nun die Nummer drei in einem Markt mit dem Gesamtvolumen von rund 90 Milliarden Australischen Dollar. Aldi beschäftigt hier fast 12.000 Mitarbeiter und nutzt mehr als 1000 Lieferanten.

          Daunt geht es darum, sich von den Platzhirschen Coles und Woolworth durch Einfachheit abzusetzen. Seinen Worten nach ergreift Aldi noch lange nicht alle Möglichkeiten, die sich der deutschen Kette geschäftlich bieten. Während die Konkurrenten aber Millionen Dollar etwa in den Aufbau von Loyalitätssystemen mit den Kunden investieren, sei Aldi daran überhaupt nicht interessiert.

          Was den Kunden am meisten interessiert

          „Daten sind interessant, aber nicht für uns“, sagt der 45-Jährige. „Man kann unsere Entscheidung kritisieren. Wir schauen uns aber andere Loyalitätsprogramme und ihre aufwändigen Datensysteme an und stellen den wirklichen Wert in Frage, den es für den Kunden hat, eine Plastikkarte in der Brieftasche zu tragen und Punkte für einen Wasserkocher zu sammeln.“

          Dann fügt der Manager, der Logistik in Melbourne studiert hat, an: „Wir wollen unser Geschäft lieber einfach halten, und uns auf das konzentrieren, was die Kunden am meisten interessiert: Qualitätsprodukte zum niedrigsten Preis.“ 

          Damit gerät Aldi allerdings auch immer wieder unter Druck. Erst vor wenigen Wochen war der geachtete australische Gründer Dick Smith die Deutschen öffentlich angegangen. Er kritisierte „die grenzenlose Expansion“ in Briefen, die er auch an die Albrecht-Familie in Deutschland versandte. Darin warf er ihnen vor, an ihrem Reichtum zu kleben und in Australien nicht für mehr Arbeitsplätze zu sorgen.

          Flache Strukturen

          Daunt spricht nun von „Beständigkeit, Verantwortung und Einfachheit“ als den Grundprinzipien von Aldi. „Wir haben sehr flache Strukturen, die auch sehr schlank sind. Also haben wir auch keine bürokratischen Ebenen der Kontrolle und des dauernden Überprüfens. Es ist alles sehr schlank und einfach.“ Und dann spricht der Zwei-Meter-Mann, der über ein Golfhandicap von 10,5 verfügt, von den Attributen, die die Verbraucher am Ende überzeugten:

          „Vieles bei uns ist ganz anders, aber am Ende des Tages bekommen die Verbraucher ein Produkt sehr hoher Qualität. Und was im Einkaufskorb ist, ist im Durchschnitt 20 bis 30 Prozent  billiger als die Konkurrenz.“ Ganz unrecht kann er nicht haben, denn die Australier wählten Aldi gerade erneut zu der Marke, der sie am meisten vertrauen – obwohl sie aus Deutschland kommt.

          Die eigenen Manager werden dafür reichlich entlohnt: Managern, die Aldi gerade für weitere Läden sucht, können zu Beginn bis zu 102.000 Australische Dollar jährlich machen. Im Oktober kommt die Kette erstmals mit einem „Bio-Monat“, in dem auch gesunde Produkte zu besseren Preisen angeboten werden sollen. Neue Eigenmarken wie Simply Vegetarian, Just Organic, Has No und Earth Grown sollen den Umsatz ankurbeln. Der Sektor steht in Australien heute schon für rund 2,5 Milliarden Australische Dollar Umsatz. Derzeit bieten die Deutschen 78 Produkte an, die als „organisch“ bewertet werden. Australien selber aber verfügt offiziellen Angaben zufolge über 53 Prozent des Landes auf der Welt, das für organischen Anbau ausgewiesen ist, ein Zuwachs um 23 Prozent seit 2015.  

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