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Mit Wein, Bier und Käse : Amerikaner stehen Schlange für Aldi-Adventskalender

Sieht bekannt aus: Ein Aldi-Schild steht vor einer Filiale in Virginia. Bild: AFP/Getty Images North America/Alex Wong

Vielen Amerikanern ist der vorweihnachtliche Brauch bisher fremd. Aldi will das ändern und bietet besondere Varianten ohne Schokolade an. Das beschert dem Discounter einen riesigen Andrang.

          3 Min.

          Wer in diesen Tagen durch einen deutschen Supermarkt geht, findet dort üblicherweise eine riesige Vielfalt von Adventskalendern. Kaum ein Schokoladenhersteller lässt sich die Chance entgehen, für diesen vorweihnachtlichen Brauch ein Angebot unter seiner Marke zu produzieren und damit zusätzliches Geschäft zu machen. In den Vereinigten Staaten haben diese Kalender mit 24 Türchen nicht annähernd so eine starke Tradition wie in Deutschland. Manche Händler haben sie im Sortiment, aber sonderlich verbreitet sind sie nicht.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der deutsche Discountgigant Aldi hat sich aber offenbar vorgenommen, das zu ändern, und er ist auf bestem Wege, Adventskalender in Amerika zum Kult zu machen. Am Mittwoch begann er in seinen amerikanischen Filialen damit, eine ganze Reihe verschiedener Kalender anzubieten – und dabei waren die traditionellen Varianten mit Schokolade eher die Nebensache. Den größten Rummel gab es um Adventskalender mit Wein, Bier und Käse. Um einen von diesen Kalendern zu ergattern, standen die Menschen vor vielen Aldi-Geschäften Schlange.

          Weil der Andrang so groß war, verteilten Mitarbeiter in den Läden Tickets an die Kunden in der Schlange, die sie zum Kauf von jeweils höchstens zwei Adventskalendern einer bestimmten Sorte berechtigten. Jemand schrieb auf Twitter, in einer Aldi-Filiale seien die Kalender mit Wein innerhalb von drei Minuten ausverkauft gewesen. Eine Kundin sagte einer Fernsehstation im Bundesstaat Ohio, sie habe eineinhalb Stunden in der Schlange gewartet. Aldi hatte seine Kunden vorsorglich gewarnt, es werde keine weiteren Lieferungen von Kalendern mit Wein, Bier und Käse geben, wenn sie einmal ausverkauft sind.

          Adventskalender-Offensive

          Für Aldi ist es die zweite große Adventskalender-Offensive in Amerika. Im vergangenen Jahr verkaufte der Discounter dort zum ersten Mal Varianten mit Wein und Käse, und sie waren in kürzester Zeit vergriffen. Die 70 Dollar teuren Wein-Kalender waren so begehrt, dass sie hinterher auf Ebay angeboten wurden. Einer von ihnen wurde dort für 300 Dollar plus Versandkosten verkauft. Viele Aldi-Kunden berichteten am Mittwoch, sie hätten sich frühzeitig in die Schlange gestellt, weil sie im vergangenen Jahr keine Kalender mehr bekommen hätten.

          In diesem Jahr hat Aldi sein Angebot ausgeweitet. Zum ersten Mal gibt es auch eine Version mit Bier. Der Kalender enthält 24 Importbiere in 0,33-Liter-Flaschen, darunter auch einige deutsche Marken wie Hefeweizen von Licher oder Pils von Wernesgrüner. Er kostet 50 Dollar. Im Wein-Kalender sind 187-Milliliter-Fläschchen mit Sorten aus einer ganzen Reihe verschiedener Länder, darunter Frankreich, Spanien und Australien. Der 15 Dollar teure Adventskalender mit Käse ist nach Angaben von Aldi auf den Kalender mit Wein abgestimmt. Das heißt zum Beispiel, der Käse hinter dem Türchen für den 1. Dezember soll zum Wein am gleichen Tag passen. Aldi hat daneben traditionelle Adventskalender mit Schokolade im Angebot, außerdem Varianten mit Spielzeug und mit Hundefutter.

          Aldi expandiert in Amerika

          Aldi ist seit 1976 in den Vereinigten Staaten vertreten. Der Discounter tastete sich erst behutsam an den Markt heran, seit einiger Zeit expandiert er aber rasant. Im Moment betreibt er in dem Land rund 1900 Filialen. Sein Sortiment ist auf den amerikanischen Markt abgestimmt, es gibt aber auch einige Artikel, die aus Deutschland importiert werden, etwa Schokolade oder Sauerkraut. Vor zwei Jahren eröffnete auch der deutsche Rivale Lidl in Amerika seine ersten Geschäfte.

          Der Ansturm auf die Adventskalender von Aldi leuchtet nicht jedem ein. „Bis zum letzten Jahr wusste ich gar nicht, was Advent ist,“ sagte die Moderatorin eines lokalen Nachrichtensenders in Ohio, der über die Schlange bei Aldi berichtete. Sie wunderte sich auch, warum Menschen nicht einfach gewöhnlichen Wein einkaufen anstatt sich für einen Kalender mit 24 Mini-Flaschen anzustellen. Aber vielleicht trägt Aldi mit seiner öffentlichkeitswirksamen Aktion dazu bei, dass sich Adventskalender in Amerika stärker etablieren. Auch andere Händler wittern hier mittlerweile ein Geschäft. Die Supermarktkette Kroger zum Beispiel verkauft in diesem Jahr ebenfalls einen Kalender mit Weinen. Und es gibt auch Varianten in ganz anderen Preiskategorien. Der Juwelier Tiffany bietet einen Adventskalender an, in dem sich Schmuckstücke wie Ringe und Armbänder und andere Objekte aus Edelmetall hinter den Türchen verstecken. Der Kalender kostet 112.000 Dollar, und es gibt nur vier Exemplare.

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