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Aktionärsschützer gegen Aegon : Wie teuer war der Abgang des künftigen Deutsche-Bank-Chefkontrolleurs?

Alexander Wynaendts, früherer Aegon-Chef und künftiger Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank Bild: AFP

Der Versicherungskonzern schweigt sich darüber aus, wie hoch Wynaendts’ monatelange Beraterhonorare waren. Aktionärsvertreter machen Druck. Und stören sich an einem Millionen-Begrüßungsgeld für den Nachfolger.

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          Nach dem Abgang des designierten Deutsche-Bank-Aufsichtsratschefs Alexander Wynaendts beim Versicherungskonzern Aegon geraten die Modalitäten des damaligen Führungswechsels in die Kritik. Wie von der F.A.Z. berichtet, schweigt sich Aegon zum einen über die Höhe von Beraterhonoraren aus, die Wynaendts noch monatelang erhielt. Zum anderen gewährte der Konzern Wynaendts’ Nachfolger Lard Friese 1,23 Millionen Euro Begrüßungsgeld.

          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Inken Schönauer
          Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Beides stößt auf Kritik der führenden niederländischen Aktionärsschutzvereinigung VEB. Auf F.A.Z.-Anfrage kündigt sie an, Aegon notfalls auf der Hauptversammlung zum Offenlegen der Vergütung aufzufordern. Außerdem spricht sie sich grundsätzlich dagegen aus, einem Neuling im Vorstand ein „Goldenes Hallo“ zu gewähren. „Ein Vorstand hat intrinsisch für eine Position motiviert zu sein“, urteilt der stellvertretende Geschäftsführer Errol Keyner.

          Festhalten und weitersuchen

          Wynaendts tritt im kommenden Mai als oberster Kontrolleur der Deutschen Bank an. Der Niederländer leitete Aegon von 2008 bis 2020. Der Führungswechsel gestaltete sich ungewöhnlich: Im November 2018 kündigte der Versicherer gleichzeitig an, Wynaendts’ Vertrag mit Wirkung zur Hauptversammlung im Mai 2019 um vier Jahre zu verlängern und während dieser „letzten Amtszeit“ die Nachfolgesuche zu beginnen. Im August 2019 bestellte Aegon Friese, damals Chef des Konkurrenten NN (Nationale-Nederlanden). Er übernahm im Mai 2020 die Führung nach gut zwei Monaten Einarbeitungszeit, sodass Wynaendts nur eines der vier Jahre seiner planmäßigen Amtszeit absolvierte.

          Aegon stellte von Beginn an klar, Wynaendts habe keinen Anspruch auf eine Trennungsvergütung – dies im Gegensatz zu anderen Fällen, in denen Vorstände vorzeitig gehen und zum öffentlichen Ärger die Restlaufzeit ausbezahlt bekommen. Aber: Danach gab es noch eine Summe, und deren Höhe wird verschwiegen. „Nach seinem Abtreten als Vorstandsvorsitzender von Aegon ist Herr Wynaendts in der Tat noch einige Monate Berater von Aegon gewesen“, teilte der Konzern am Wochenbeginn auf Anfrage der F.A.Z. mit. „Er hat hierfür eine passende Vergütung erhalten. Diese Vergütung ist nicht veröffentlicht worden, weil er damals kein Mitglied des Vorstands mehr war.“ Für weitere Informationen müsse man Wynaendts fragen.

          Das kommt nicht gut an bei der VEB, der Vereinigung von Effektenbesitzern, die mit dem Zusatz European Investors auftritt. „Im Zuge guter Unternehmensführung gehe ich davon aus, dass Aegon Transparenz gegenüber den Aktionären anstrebt, was die Vergütung für Alex Wynaendts nach seinem Abgang als Vorstandsvorsitzender angeht“, teilte Keyner mit. „European Investors/VEB wird das, falls nötig, auf der Hauptversammlung ansprechen.“ Kernfrage ist, ob Wynaendts nur monatliche Bezüge in der Höhe eines Vorstandsgehalts erhielt – oder versteckt einen goldenen Handschlag. Die VEB hofft: Ersteres.

          Willkommensgeld – das „Goldene Hallo“

          Wynaendts und die Deutsche Bank äußerten sich nicht. Im Umfeld des Managers wird die erste Version genannt. Im Vertrag zur Verlängerung habe ein Passus gestanden, dass nach einem Nachfolger gesucht und der Vertrag möglicherweise dann vorzeitig aufgelöst werde. Als die Nachfolge geregelt war, sei es zu Verzögerungen gekommen, Wynaendts habe Friese vier Monate beratend begleitet. Dabei sei er auf Basis der bis dahin gültigen monatlichen Vergütung als Vorstandschef bezahlt worden. Konkrete Zahlen wurden nicht genannt. Weitere Zahlungen gab es demzufolge nicht. Die Kritik der Aktionärsschützer fällt in eine Zeit, in der Anteilseigner aktiver werden als noch vor einigen Jahren.

          Eindeutig und öffentlich ist Frieses Antrittsgeld. „Was das Goldene Hallo für Lard Friese angeht, ist European Investors prinzipiell gegen so etwas“, urteilte Keyner. Intrinsische Motivation müsse ausreichen. „Natürlich gehört ein gutes Festgehalt dazu. Boni dürfen daneben einen großen Teil des Belohnungspakets bilden, aber ausschließlich, wenn sie gewährt werden, nachdem – mit vorab bestimmten Kriterien – messbare und sehr gute Leistungen geliefert worden sind.“ Friese bekam laut Geschäftsbericht die 1,23 Millionen Euro im Zuge eines „Anheuer-Arrangements“. „Das sign-on arrangement wurde aus einer Kombination von Gründen angeboten: wegen Herrn Frieses Marktwert; um den Wechsel von einem direkten Wettbewerber zu Aegon attraktiver zu machen; und als Ausgleich für Einkommensverlust während der Übergangszeit.“ Letzteres zielt offenbar darauf, dass Friese wegen eines Wettbewerbsverbots erst im März 2020 seine Einarbeitung bei Aegon antreten konnte. 55 Prozent der Prämie wurden 2020 fällig, 20 Prozent folgen dieses Jahr, weitere Tranchen bis 2024.

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