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Wichtiger Aktionär : Die Deutsche Bank trumpft auf

Die Deutsche Bank in der Herbstsonne Bild: Reuters

Fünf Jahre nacheinander hat das Geldinstitut Verlust gemacht. Ausgerechnet im Corona-Krisenjahr setzen Anleger auf die Wende - und haben dafür gute Argumente.

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          Rund um die Deutsche Bank häufen sich die guten Nachrichten. Die im Februar 2020 als Großaktionär eingestiegene kalifornische Investmentgesellschaft Capital Group hat ein weiteres Aktienpaket im Volumen von 3,6 Prozent erworben und damit ihren Anteil an der Deutschen Bank verdoppelt. Außerdem honorieren die Ratingagenturen die trotz drohender Kreditausfälle hohen Eigenkapitalquoten. So hob zum Wochenbeginn die Ratingagentur Fitch ihre Bonitätsbewertung für die riskantesten Anleihen der Deutschen Bank (Nachrang/Tier1) um eine Stufe auf „BB-“ an. Damit sinken tendenziell die Refinanzierungskosten für die Deutsche Bank.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In einem zur Eröffnung am Dienstagmorgen etwas schwächeren deutschen Aktienmarkt gehörte die Aktie der Deutschen Bank mit einem Kursgewinn von 0,5 Prozent auf 7,90 Euro zu den wenigen Gewinnern im Dax. Trotz Corona-Krise hat sich die Deutsche-Bank-Aktie seit dem Einstieg des Großaktionärs Capital Group im Januar 2020 gut geschlagen. Im Januar kostete eine Deutsche-Bank-Aktie rund 7,50 Euro, also etwas 40 Cent weniger als derzeit. Capital Group dürfte also mit seinem Investment im Plus liegen.

          Als Capital Group als Großaktionär einstieg, hatte der im April 2018 angetretene Vorstandsvorsitzende Christian Sewing Ende Januar gerade den fünften Jahresverlust der Deutschen Bank nacheinander bekannt geben müssen. Doch nach dem ersten Halbjahr 2020 steht in diesem Jahr ein Bruttogewinn von 364 Millionen Euro zu Buche – obwohl die Deutsche Bank schon mehr Risikovorsorge als im Vorjahr für faule Kredite bilden musste.

          Anders als die Commerzbank, die für dieses Jahr einen Verlust angekündigt hat, traut sich der Vorstand der Deutschen Bank auch im Gesamtjahr 2020 einen Gewinn zu. Ihre Geschäftszahlen für das dritte Quartal legt sie am 28. Oktober vor.

          Kapitalerhöhung kein Thema mehr

          Die Deutsche Bank wird 2020 bisher getragen von starken Erträgen im Kapitalmarktgeschäft (Investmentbanking), vor allem für die Plazierung von Anleihen und im Devisen- und Anleihehandel . Die von Sewing im Juli 2019 veranschlagten Sanierungskosten in Höhe von 7 Milliarden Euro – etwa für die Einstellung des Aktienhandels und den Abbau von 18.000 Stellen – sind weitgehend gebucht.

          Dennoch blieb die Kernkapitalquote mit zuletzt 13,3 Prozent über den Zielen. Eine im Sommer 2019 von Aktionären gefürchtete Kapitalerhöhung ist kein Thema mehr.

          Vielmehr sieht sich die Deutsche-Bank-Führung in ihrem Sanierungskurs wohl nicht zu Unrecht ermutigt durch Großaktionäre und Ratingagenturen. „Wir begrüßen, dass Capital Group seine Anteile an der Deutschen Bank aufgestockt hat“, sagte ein Sprecher des Instituts am Dienstag. „Wir sehen das als einen klaren Vertrauensbeweis in unsere strategische Transformation." 

          Wer ist Capital Group?

          In Deutschland ist Capital Group schon mit fast 15 Prozent am größten deutschen Triebwerkhersteller MTU Aero Engines beteiligt. Vor einem Monat stieg die Investmentgesellschaft auch als Großaktionär mit mehr als 5 Prozent der Aktien in die Commerzbank ein.

          Beheimatet ist Capital Group in Los Angeles. Die Investmentgesellschaft wurde dort im Jahr 1931 von Jonathan Bell Lovelace während der „Großen Depression“ gegründet. Das erste Büro außerhalb der Vereinigten Staaten eröffnete die Capital Group im Jahr 1962 im schweizerischen Genf.

          Das Unternehmen verwaltet nach eigenen Angaben derzeit 2,1 Billionen Dollar und beschäftigt auf der Welt rund 7000 Mitarbeiter. Mit den Fonds der Capital Group sparen Amerikaner etwa für ihre Rente oder für die Studiengebühren ihrer Kinder

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