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Aktienkurs minus 20 Prozent : Elring-Klinger ist Opfer des eigenen Erfolgs

Zylinderkopfdichtungen in einer Produktionshalle von Elring-Klinger in Ems. Bild: dapd

Der Auto-Zulieferer Elring-Klinger kommt nicht hinterher, seine Aufträge abzuarbeiten. Das kostet viel Geld - und belastet den Aktienkurs. Im November wird das Management in der Schweiz ausgewechselt.

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          Auch ein Luxusproblem kann ernsthafte Schwierigkeiten machen – das erlebt der Autozulieferer Elring-Klinger gerade. Weil die Nachfrage in einzelnen Bereichen extrem hoch ist und darauf offenbar nicht schnell genug reagiert wurde, entstehen dem Unternehmen nun außerordentliche Kosten. Die bisherige, ohnehin schon einmal nach unten korrigierte Gewinnprognose ist nicht mehr realistisch.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Die Kurse der im M-Dax notierten Aktien rutschten am Montag um mehr als 20 Prozent auf 16,56 Euro ab. Solche Kurse gab es zuletzt 2011, während vor zwei Jahren der Kurs auch schon einmal doppelt so hoch war.

          Diesel-Dichtungs-Spezialist

          Ein Teil dieser Kurs-Verluste könnte auch mit dem Abgasskandal zu tun haben, den Volkswagen am Wochenende eingestanden hatte und der den VW-Aktienkurs an diesem Montag um rund ein Fünftel fallen ließ - Elring-Klinger war in der Vergangenheit als Dichtungsspezialist speziell für Diesel-Technologie bekannt.

          Von dieser Abhängigkeit habe man sich  gelöst, heißt es am Stammsitz des Zulieferers auf der Schwäbischen Alb. Mittlerweile sei es ebenso kompliziert, teilweise sogar noch anspruchsvoller, Benzinmotoren abzudichten. Mögliche Probleme mit dem Absatz von Diesel-Autos in Amerika würden Elring-Klinger daher nicht speziell belasten.

          Deutlich ins Kontor schlagen die Aufwendungen für die eigenen Lieferprobleme. Nachdem die schwer zu bewältigende Nachfrage nach Hitzeschilden schon im ersten Halbjahr 9 Millionen Euro Sonderkosten für Überstundenzuschläge und Sonderfrachten verursacht haben, veranschlagt Elring-Klinger für das zweite Halbjahr eine Belastung von 20 bis 30 Millionen Euro. Statt 165 Millionen Euro operativem Ergebnis werden daher nur noch 135 Millionen Euro erwartet.

          Im vergangenen Jahr hat Elring-Klinger 154 Millionen Euro vor Steuern und Zinsen verdient, bei einem Umsatz von 1,33 Milliarden Euro. Für dieses Jahr rechnet der Zulieferer mit einem organischen Wachstum von 5 bis 7 Prozent.

          Schadenersatz für Autobauer?

          Die Lieferprobleme wird Elring-Klinger in diesem Jahr auch noch nicht endgültig lösen. Stefan Wolf, der Vorstandsvorsitzende der Elring-Klinger AG, riet den Analysten in einer Telefonkonferenz, auch noch für das erste Quartal 2016 mit 10 Millionen Euro Sonderkosten zu kalkulieren. Wolf räumte ein, dass man lange nicht gemerkt habe, dass dem erfahrenen Management in der Schweiz die Kontrolle über das Geschäft entglitten sei. Im November werde man aber ein neues Team vor Ort haben, sagte Wolf. Zusätzliche Kapazitäten baue Elring-Klinger aber nicht mehr in der Schweiz, sondern in Frankreich und Osteuropa auf.

          Die Folgen des Lieferengpasses führen bei dem schwäbischen Autozulieferer nicht nur zu höheren Kosten in der Produktion und der Logistik. Prinzipiell rechnet Elring-Klinger auch mit Schadensersatzforderungen von Autoherstellern, die ihrerseits durch verzögerte Lieferungen Probleme bekommen. Die besorgten Autohersteller schickten nun auch externe Berater ins Haus, die Produktion und Logistik überwachen, berichtete Wolf in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Die dadurch entstehenden Kosten müsse der Zulieferer tragen. 

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