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Aktienhandel : Nasdaq verbietet umstrittene Blitzaufträge

  • Aktualisiert am

Wo Computer schneller als Händler sind: Nasdaq in New York Bild: AP

Der Börsenbetreiber Nasdaq stellt eine umstrittene Praxis ein: Ausgewählte Kunden konnten gegen Gebühr für einen Sekundenbruchteil früher Informationen über gehandelte Aktien bekommen - und sich einen Vorteil verschaffen. Das missfiel der Aufsicht.

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          Nach dem Vorstoß der amerikanischen Börsenaufsicht SEC gegen den superschnellen Aktienhandel auf Basis von Computerprogrammen, will die Nasdaq OMX nun freiwillig auf das Geschäft mit den umstrittenen Blitzaufträgen („flash orders“) verzichten. Der zweitgrößte Börsenbetreiber teilte mit, die Praxis bis zum 1. September zu einzustellen. Kurz danach erklärte auch die Handelsplattform BATS, das eigene Angebot für den extrem schnellen Aktienhandel zum selben Termin aufzugeben.

          Bei den „flash orders“ werden Aktienaufträge einigen Marktteilnehmern für den Bruchteil einer Sekunde gezeigt. Die Securities and Exchange Commission (SEC) hatte am Dienstag ein Verbot der Praxis angekündigt, weil sie zu Ungerechtigkeit am Markt führe (Insiderhandel: Blitzhandel gerät in Amerika unter Beschuss).

          Ein jüngstes Beispiel, das ein Händler, der anonym bleiben wollte, der „New York Times“ berichtete, drehte sich um Aktien des Halbleiterkonzerns Broadcom. Am 15. Juli, nachdem der größere Konkurrent Intel robuste Gewinne gemeldet hatte, wollten einige Händler Aktien von Broadcom kaufen. Um den Kurs nicht mit einer großen Order nach oben zu treiben, teilten sie die Kaufaufträge auf. Einige dieser Aufträge wurden aber wahrscheinlich als Flash Orders an High-Frequency-Handelshäuser weitergegeben.

          Deren Programme registrierten Kaufinteresse für Broadcom und begannen nun schnell selber zu kaufen - nur um die Aktien wenig später wieder zu einem höheren Kurs an die langsameren Händler zu veräußern. Das Ergebnis: Die Händler zahlten 1,4 Millionen Dollar für rund 56.000 Broadcom-Aktien und damit 7800 Dollar mehr, als sie gezahlt hätten, wenn sie so schnell wie die Computer gewesen wären.

          Nasdaq und BATS hatten im Juni damit begonnen, Kauf- und Verkaufsaufträge ihren Marktteilnehmern wie Banken und Hedgefonds kurzfristig mitzuteilen, bevor der gesamte öffentliche Markt davon erfährt. Sie hatten damit ein ähnliches System genutzt, wie es die alternative Handelsplattform Direct Edge seit drei Jahren anbietet. Direct Edge verteidigte die „flash orders“ als eine Möglichkeit, Handelskosten zu senken und für zusätzliche Liquidität zu sorgen. Zu den Kritikern des „flashing“ gehören neben Abgeordneten auch die New York Stock Exchange.

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