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Aktie verliert : Gewinn der Deutschen Bank sinkt

Die Deutsche Bank wird weitere Rückstellungen für ihre vielen Rechtsstreitigkeiten vornehmen. Bild: dapd

Die Bank bereitet Anleger auf schwächere Zahlen vor. Ko-Chef Jain warnt vor einem Ertragsrückgang im Anleihehandel. An der Börse kommt das nicht gut an.

          Die Deutsche Bank hat im dritten Quartal bisher deutlich niedrigere Gewinne im für sie wichtigen Anleihehandel erwirtschaftet und wird weitere Rückstellungen für Rechtsrisiken vornehmen müssen. Davor hat der Ko-Vorstandsvorsitzende Anshu Jain Anleger am Mittwochnachmittag auf einer Konferenz in London gewarnt. Während Jains Rede weitete die Aktie der Deutschen Bank ihre Kursverluste von 0,9 Prozent auf in der Spitze 2,8 Prozent aus und gehörte zu den größten Tagesverlierern im Dax.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die größte Stütze des Investmentbanking der Deutschen Bank, das in guten Jahren zwei Drittel zum Gewinn beiträgt, ist das Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren. Das dritte Quartal 2012, mit dem sich die Deutsche Bank jetzt messen muss, war für den Anleihehandel außerordentlich gut gewesen. Damals kletterte der Gewinn im Vergleich zum dritten Quartal 2011 um 15 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Dies lag auch daran, dass Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), entschlossen wirkende Worte zur Verteidigung des Euroraums gefunden hatte und der Handel mit südeuropäischen Krisenstaaten wieder an Schwung gewann.

          Jain erinnerte an Draghis Worte und das Anleihekaufprogramm der EZB, ohne die das Rekordergebnis im Anleihehandel der Deutschen Bank im dritten Quartal 2012 kaum denkbar gewesen seien und fügte hinzu: „Es gab in diesem Quartal keinen solchen Katalysator wie im Vorjahresquartal.“ Deshalb müssten Anleger nun mit „einem signifikanten Rückgang der Erträge im Anleihehandel im Vergleich zum Vorjahr“ rechnen. Aktienanalysten begannen sogleich mit Einschätzungen, was „signifikant“ bedeuten könnte.

          Die Investmentbank JP Morgan hält einen Rückgang des Gewinns im Anleihehandel der Deutschen Bank um 30 Prozent in diesem Quartal für realistisch. Auch andere Wertpapierhäuser wie Jefferies (minus 80 Prozent), Barclays und Credit Suisse haben die Anleger vor einigen Tagen schon auf niedrigere Gewinne im Investmentbanking als im Vorjahresquartal eingestimmt. Insofern war seit Tagen darüber spekuliert worden, dass auch die Deutsche Bank vor niedrigeren Gewinnen warnen könnte (F.A.Z. vom 24. September).

          Anshu Jain

          Jain gab zwar zu, dass sich die volkswirtschaftlichen Bedingungen im Euroraum im Vergleich zum Vorjahr verbessert hätten. Doch seien die Bedingungen für den Anleihehandel schwieriger als im Vorjahresquartal. Die Kunden handelten weniger, und die Kurse schwankten geringer. Zudem hätten Befürchtungen, die amerikanische Notenbank werde ihre expansive Geldpolitik beenden, einige Anleiheprodukte belastet. Darüber hinaus verkleinere die Deutsche Bank ihre Bilanz und trenne sich von riskanten Wertpapierbeständen. Bei diesem Abbau sollten Anleger nicht mit großen Schritten rechnen, dämpfte Jain Erwartungen an Verkäufe im Block.

          Im Gegensatz zu den Anleihen entwickele sich der Aktienhandel über Plan, deutete Jain an. Allerdings machte die Deutsche Bank damit vor einem Jahr nur ein Viertel des Gewinns des Anleihehandels. Auch der Geschäftsbereich Privat- und Geschäftskunden entwickele sich „stark“.

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