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Ajit Jain : Buffetts Superstar

Ajit Jain (links) und Warren Buffett Bild: Getty

Ajit Jain, ein Cousin des Ko-Vorsitzenden der Deutschen Bank, könnte Warren Buffett nachfolgen. Mit dem eigenwilligen Starinvestor verbindet den gebürtigen Inder vieles.

          Warren Buffett ist ein Schlitzohr. Dem für seinen etwas schrägen Humor bekannten Starinvestor dürfte es unbändigen Spaß bereiten, die Spekulationen um seine Nachfolge zu befeuern. Konkrete Informationen gibt es nicht. Seit Jahren gilt die Sprachregelung: Dem Verwaltungsrat sei bekannt, wer Vorstandsvorsitzender des großen Konglomerats Berkshire Hathaway werde, falls der jetzt 84 Jahre alte Buffett sterben oder nicht mehr Herr seiner Sinne sein sollte.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Mitglieder des Gremiums, darunter prominente Namen wie der Microsoft-Gründer Bill Gates, halten dicht. Also bleibt den Anteilseignern von Berkshire und den Buffett-Jüngern an der Wall Street nichts anderes übrig, als die Aktionärsbriefe zu interpretieren, die Buffett jährlich publiziert.

          Die Exegeten der Aktionärsbriefe, die Buffettologen, leiten Hinweise auf den aussichtsreichsten Nachfolger daraus ab, wie oft Manager der Berkshire-Tochtergesellschaften in den Aktionärsbriefen genannt werden. Ajit Jain, der Leiter der Rückversicherungssparte von Berkshire, hat möglicherweise die besten Aussichten, wenn man das häufige Lob von Buffett als Maßstab nimmt. Im aktuellen Aktionärsbrief brachte auch Charlie Munger, der 91 Jahre alte Geschäftspartner von Buffett, Jain ins Spiel. Der Begriff „Weltklasse“ reiche nicht aus, um die Fähigkeiten von Jain zu beschreiben. Jain habe „einen in der Versicherungsbranche einzigartigen Verstand“.

          Buffett findet Jahr um Jahr lobende Worte für den 63 Jahre alten gebürtigen Inder, der ein Cousin des Ko-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Anshu Jain, ist. „Ein ungemein wichtiges Ereignis in der Geschichte von Berkshire hat an einem Samstag des Jahres 1985 stattgefunden. Ajit Jain ist in unser Büro in Omaha gekommen, und ich wusste sofort, dass wir einen Superstar gefunden hatten“, schrieb Buffett 2009. Und er gab Aktionären noch einen Tipp mit auf den Weg: „Sollten Charlie, ich und Ajit jemals in einem sinkenden Schiff sein - und ihr könnt nur einen retten -, schwimmt zu Ajit.“

          Ajit: Bei Konkurrenten und Kollegen hoch angesehen

          Ajit Jain hat nach seinem ersten Gespräch mit Buffett schließlich 1986 bei Berkshire angefangen und die damals kleine Rückversicherung zu einem Marktgiganten gemacht. Jain hat einen Abschluss in Maschinenbau vom Indian Institute of Technology in Kharagpur. In den siebziger Jahren arbeitete er für den Technologiekonzern IBM im Vertrieb und machte einen zweiten Abschluss in Betriebswirtschaft an der Harvard Business School. Danach heuerte er bei der Unternehmensberatung McKinsey an.

          Wie Warren Buffett selbst ist auch Jain bei Kollegen und Konkurrenten hoch angesehen. Er gilt als hochintelligent mit der Fähigkeit, schnell den Kern komplexer Probleme zu erkennen. Er gilt zudem als bodenständig, eine Charaktereigenschaft, die ihn ebenfalls mit Buffett verbindet. Buffett, mit einem geschätzten Vermögen von 72 Milliarden Dollar der drittreichste Mann der Welt, wohnt seit Jahrzehnten in einem bescheidenen Haus.

          Jains Büro in Stamford, eine gute Autostunde nördlich von New York, soll abgewetzte Teppichböden haben. Jain verzichtet wie Buffett auch auf die in der Branche üblichen Berater und Juristen, um seine Geschäfte zu machen. Die großen Deals, die Jain abwickelt, haben dennoch viele Milliarden von Dollar in die Kassen von Berkshire gebracht.

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          Berkshire übernahm das Risiko einer Berufsunfähigkeit für den Baseballstar Alex Rodriguez, als der einen lukrativen Vertrag mit den Texas Rangers abgeschlossen hatte. Der ehemalige Boxer Mike Tyson schloss eine Lebensversicherung ab. Zweimal hat Berkshire für den Getränkekonzern Pepsico das Risiko für den unwahrscheinlichen Fall übernommen, dass ein Äffchen bei einem Wettbewerb im Fernsehen eine Zahlenserie richtig wählt - was Pepsico 1 Milliarde Dollar gekostet hätte. Jain gilt aber als harter Verhandler, der ein Geschäft auch sausenlässt, wenn er den Preis zu hoch findet.

          Das Versicherungsgeschäft ist der Kern des Geschäftsmodells von Berkshire, was ebenfalls für Jain als Nachfolger spricht. Berkshire investiert die Prämieneinnahmen der Versicherer, die bei etwaigen künftigen Schadensfällen ausgezahlt werden müssen, in Wertpapiere und ganze Unternehmen. Berkshire verwaltete zuletzt 117 Milliarden Dollar und hält große Anteile an den Finanzdienstleistern Wells Fargo und American Express sowie am Getränkekonzern Coca-Cola und an IBM, dem ehemaligen Arbeitgeber Jains.

          Ajit Jain ist allerdings nicht der einzige Manager einer Berkshire-Tochtergesellschaft, der sich Hoffnungen auf eine Nachfolge machen kann. Im gleichen Atemzug mit Jain nannte Munger Greg Abel, den Chef von Berkshire Energy, den Buffett auch oft lobt. Dass es zwischen Jain und Abel zu einem Kampf um den Spitzenposten kommen könnte, verneint Buffett aber: „Es gibt kein Gerangel.“ Für Buffettologen ist die Arbeit nicht getan.

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