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Größtes Passagierflugzeug : Airbus verkündet Aus für A380

Schon seit längerem das Sorgenkind von Airbus: der A380 Bild: dpa

Der A380, das größte Passagierflugzeug der Welt, ist ein kommerzieller Flop. In Toulouse verkündet Airbus-Chef Enders persönlich das Ende des ehemaligen Prestigeobjekts – für das auch der Steuerzahler zur Kasse gebeten wurde.

          Selten ist ein Flugzeug so gefeiert worden, und selten ist sein Bau so schnell wieder eingestellt worden: Am Donnerstagmorgen gab der Airbus-Konzern bekannt, dass er die Auslieferung des Riesenfliegers A380 im Jahr 2021 auslaufen lassen wird. Der Großkunde Emirates will bis dahin noch 14 A380 entgegennehmen, ansonsten bestellt die Fluggesellschaft weitere 30 A350 und 40 A330 Neo.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          „Infolge dieser Entscheidung gibt es keinen nennenswerten A380-Auftragsbestand mehr und damit keine Grundlage für eine Fortsetzung der Produktion – trotz aller Bemühungen unseres Vertriebs in den vergangenen Jahren, weitere Airlines als Kunden zu gewinnen“ sagte der Airbus-Vorstandsvorsitzende Tom Enders mit. Die Entscheidung sei „schmerzvoll“, doch die im Einsatz befindlichen A380 seien „noch viele Jahre“ unterwegs und würden von Airbus mit entsprechenden Ersatzteillieferungen unterstützt.

          Das größte Passagierflugzeug der Welt, das je nach Sitz-Ausstattung mehr als 800 Fluggästen Platz bieten kann, war mit großen Hoffnung Mitte des vergangenen Jahrzehnts gestartet. Es sollte als Nachfolger der älteren Boeing 747, des Jumbo Jets, eine neue Dimension der Luftfahrt einleiten.

          Weil immer mehr Menschen fliegen, die Zahl der Flughäfen und ihrer Start- und Landebahnen aber begrenzt ist, hatte Airbus erwartet, dass die Flüge in geräumigen Maschinen zwischen großen Dreh- und Umsteigekreuzen zunehmen werden. Boeing war dagegen skeptisch, der amerikanische Rivale erwartete mehr Punkt-zu-Punkt-Verkehr ohne das Umsteigen an den großen Flughafen-Drehkreuzen und brachte daher keinen komplett neuen Nachfolger der Boeing 747 auf den Markt.

          Technische Meisterleistung

          Der A380 gilt technisch als Meisterleistung, doch er ist kommerziell ein Flop – ähnlich wie das Überschallflugzeug Concorde, das im Oktober 2003 seinen letzten kommerziellen Flug bestritt. Die Concorde stieg Ende der sechziger Jahre erstmals in die Lüfte und stand mehr als 30 Jahre im Dienst einiger weniger Fluggesellschaften.

          Dem A380 haben vor allem seine vier Triebwerke das Genick gebrochen. Die etwas kleineren Langstreckenmodelle wie der A350 oder die Boeing 777 kommen dagegen mit zwei Triebwerken aus, sie fliegen auch immer weiter und sind damit sparsamer. Vier Triebwerke heißt zudem, dass die Maschine potentiell fehleranfälliger ist.

          Der A380 kann obendrein nicht auf jedem Flughafen landen, weil er spezielle Vorrichtungen für die Passagierabwicklung braucht. Dieser Aufwand erhöhte den Druck, jeden Platz in der großen Maschine zu füllen. Wenn dies den Fluggesellschaften nicht gelingt, bleiben sie auf hohen Kosten sitzen. Ein A380 kostet im Listenpreis 445 Millionen Dollar – ein stolzer Preis, auch wenn auf diese Preise fast immer deutlich zweistellige Rabatte gewährt werden.

          Enormer Verlust für Airbus

          So war die Maschine bei den Fluggästen beliebt, doch nicht bei den Fluggesellschaften. Bis heute ist der A380 nur 313 mal bestellt worden, 234 Stück wurden ausgeliefert, 232 sind im Einsatz. Der Verlust für Airbus ist enorm: Mehr als 12 Milliarden Euro hat der Konzern in die Entwicklung gesteckt, die allerdings zu einem erheblichen Teil von öffentlichen Gelder mitfinanziert wurde.

          Für den Riesenvogel, der weitgehend in Toulouse und in Finkenwerder gebaut wird, trieb man auch einen riesigen Aufwand: Um den Straßentransport über Hunderte von Kilometern zu ermöglichen, waren in Frankreich Kreuzungen begradigt, Häuser abgerissen und Weinberge platt gemacht worden.

          Die Analysten von Goldman Sachs schätzen in einer aktuellen Studie, dass der A380 bei den niedrigen Produktionsraten bald wieder jährliche Verluste von mehr als 400 Millionen Euro verursacht hätte. Nach operativen Jahresverlusten von mehr als 1 Milliarde Euro im Jahr 2012 war das Minus auf 66 Millionen Euro im Jahr 2017 gedrückt worden, so die Analysten, doch danach stieg das Defizit wieder an.

          Einst wollte Airbus 45 A380 im Jahr herstellen, doch für 2019 waren nur noch acht Stück in Planung, danach sechs. Mit Abstand wichtigster Kunde ist die Fluggesellschaft Emirates, doch auch sie rückte am Ende von der Maschine ab. Ihre Bitte an Airbus, den A380 mit den neuesten Triebwerken auszustatten, wies der Flugzeughersteller zurück, weil er für diese Investitionen nicht genügend Aufträge in Aussicht hatte.

          Eine kurze Epoche der Luftfahrtgeschichte

          So geht nun eine kurze Epoche der Luftfahrtgeschichte ohne Glanz und Gloria zu Ende. Immer größer, immer komfortabler für die Passagiere, gleichzeitig angeblich sparsamer und leiser als sein Vorgänger, die Boeing 747 – diese Rechnung von Airbus ging schief. Wie hatten europäische Staatschefs und die Konzernbosse den Riesenvogel gelobt: „Die europäische Luftfahrt kann stolz sein", sagte der einstige Airbus-Chef Noël Forgeard bei der ersten Präsentation im Januar 2005. Bundeskanzler Gerhard Schröder sprach von einem „riesigen Erfolg für die Innovationskraft europäischer Unternehmen". Der französische Präsident Jacques Chirac sagte: „Heute wurde in Toulouse-Blagnac eine neue Seite der Geschichte der Luftfahrt geschrieben". Airbus schätzte damals den Bedarf an Riesenfliegern und Frachtmaschinen für die nächsten 20 Jahre auf 1500 Maschinen – eine schwere Fehlkalkulation. 

          Nur ausgerechnet der deutsche Luftfahrtingenieur Jürgen Thomas, der als Vater des A380 und als ein Airbus-Mann der ersten Stunde gilt, hatte schon vor mehr als einem Jahrzehnt Bedenken: „Im schlimmsten Fall könnten wir Airbus zu Grunde richten", sagte er einmal. So weit ist es nicht gekommen. Die anderen Modelle in der Produktpalette des europäischen Herstellers laufen deutlich besser. Doch seine Skepsis über den A380 war berechtigt. Von Thomas bleibt heute noch der Name: Die Airbus-Auslieferungshalle in Hamburg-Finkenwerder ist nach ihm benannt.

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