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C-Serie : Airbus übernimmt Mehrheit an Bombardier-Sparte

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Ein Airbus im Landeanflug auf Zürich: Droht der europäische Flugzeugbauer im Handelsstreit zwischen Amerika und Kanada zwischen die Fronten zu geraten? Bild: MERZ/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Schon vor zwei Jahren wollte der kanadische Hersteller Bombardier seine Mittelstreckenflugzeuge loswerden. Jetzt hat der europäische Flugzeughersteller Airbus zugeschlagen – ausgerechnet vor den Toren des Erzrivalen.

          Der europäische Flugzeughersteller Airbus nutzt die vielen Probleme Bombardiers und sichert sich die Mehrheit an einer aussichtsreichen Fluglinie des kanadischen Herstellers. Nachdem Airbus 2015 noch abgewunken hatte, als Bombardier die sogenannte C-Serie mit Mittelstreckenflugzeugen für eher geringere Passagierzahlen schon einmal aus finanzieller Not losschlagen wollte, schlug Airbus-Chef Tom Enders jetzt zu - und setzt damit direkt vor den Toren des Erzrivalen Boeings eine Duftmarke.

          Für Bombardier könnte dies auch ein Befreiungsschlag sein, da zum einem die finanziellen Probleme seit 2015 noch größer geworden sind und die amerikanische Regierung unter Donald Trump mit einem Strafzoll von bis zu 300 Prozent für die C-Serie drohte. Da die Endfertigung der Flugzeuge in ein amerikanisches Werk von Airbus wandern soll, wird das jetzt wohl vermieden. Gerade dies dürfte Boeing stark ärgern, da der amerikanische Hersteller den Strafzoll wegen staatlicher Subventionen für die Flugzeugreihe gefordert hatte.

          Seit 2015 sind die Probleme Bombardiers noch größer geworden, so dass Airbus bei der Übernahme nichts direkt zahlen muss, sondern nur die Kosten für die Weiterentwicklung tragen muss - wobei Bombardier in den kommenden drei Jahren noch für finanzielle Lücken der Vergangenheit von bis zu 700 Millionen Dollar geradesteht, wie die beiden Unternehmen am frühen Dienstagmorgen mitteilten. Das Geschäft werde zudem schuldenfrei übergeben.

          Aktie legt um drei Prozent zu

          Airbus übernimmt 50,01 Prozent an den Unternehmen, das für die C-Serie verantwortlich ist, wie die Unternehmen am frühen Dienstagmorgen mitteilten. Bombardier wird 31 Prozent behalten. Die staatliche Investmentgesellschaft, die vor zwei Jahren eingestiegen ist, um Bombardier zu stützen, ist mit rund 19 Prozent beteiligt. Airbus muss für den Kauf nichts direkt zahlen, sondern nur die Kosten für die Weiterentwicklung tragen.

          Airbus-Chef Tom Enders sagte, die Gespräche für die Partnerschaft hätten im August begonnen. Die jetzt getroffene Vereinbarung bezeichnete er als "Win-Win"- Situation für alle Beteiligten.

          An der Börse wurde die Übernahme gefeiert. Die Airbus-Aktie legte in den ersten Handelsminuten um rund drei Prozent zu und steuert wieder auf ihr Rekordhoch von Anfang Oktober zu. Das Papier steht seit einiger Zeit bei Anlegern hoch im Kurs - in den vergangenen zwölf Monaten stieg der Börsenwert um fast 50 Prozent auf zuletzt mehr als 60 Milliarden Euro. In den vergangenen Tagen hatten hingegen Korruptionsvorwürfe die Papiere belastet.

          Aber auch bei den Aktionären von Bombardier sorgte die Ankündigung für Freude. An der Frankfurter Börse zog der Kurs der Bombardier-Anteile um rund sieben Prozent an - die Aktie hatte allerdings in den vergangenen Jahren deutlich an Wert verloren, da Bombardier nicht nur im Flugzeuggeschäft mit starken Problemen zu kämpfen hat, sondern auch in der Bahntechnik. Hier war unter anderem zuletzt der Versuch eines Zusammenschluss mit der Siemens-Zugsparte gescheitert.

          Zentrale bleibt in Quebec

          Airbus kündigte an, die Fertigung im amerikanischen Bundesstaat Alabama auszubauen, um von dort aus Kunden in Amerika mit Mittelstreckenflugzeugen der C-Serie zu beliefern. Die Maschinen haben zwischen 100 und 150 Sitzplätze und sind damit kleiner als die meisten Airbus-Flugzeuge. Der Schritt ist wegen eines Handelsstreits zwischen Amerika und Kanada politisch delikat: In Washington hat die Regierung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump Strafzölle auf Flugzeuge von Bombardier angeordnet.

          Der Deal ist perfekt: Bombardiers Präsident Alain Bellemare (links) und der Chef der Airbus-Helikoptersparte Romain Trapp auf einer Pressekonferenz am Montag in Montreal.

          Zuvor hatte sich Bombardiers amerikanischer Rivale Boeing über angeblich staatlich subventionierte Schleuderpreise bei der Baureihe „C Series“ beschwert hatte, woraufhin das amerikanische Handelsministerium in den vergangenen Wochen Anti-Dumping-Zölle in Höhe von 220 Prozent auf bestimmte Bombardier-Jets verhängt hatte. Zur Begründung gab es an, Bombardier habe von unfairen staatlichen Subventionen profitiert. Betroffen sind zwei neue Mittelstreckenmaschinen von Bombardier, die CS100 mit 100 Plätzen und die CS300 mit 150 Plätzen. Sie sind direkte Konkurrenz für die B737 von Boeing.

          Der amerikanische Flugzeugbauer Boeing hatte Ende April Beschwerde gegen Bombardier eingelegt. Er warf dem kanadischen Flugzeugbauer vor, die Maschinen unter Herstellungskosten zu verkaufen und dabei von mehr als drei Milliarden Dollar (2,7 Milliarden Euro) staatlicher Subventionen zu profitieren. „Die Vereinigten Staaten schätzen ihre Beziehungen zu Kanada, aber selbst unsere engsten Verbündeten müssen sich an die Regeln halten“, sagte der amerikanische Handelsminister Wilbur Ross.

          Die Regierung in Washington schlug sich in dem Streit ebenfalls auf die Seite des amerikanischen Konzerns. Noch handelt es sich bei den verhängten Strafzöllen allerdings nur um eine vorläufige Entscheidungen, die noch von der Internationalen Handelskommission der Vereinigten Staaten im kommenden Jahr bestätigt werden müssen. Die kanadische Außenministerin Chrysthia Freeland erklärte, das wahre Ziel des Verfahrens sei es, Bombardier aus dem amerikanischen Markt zu drängen, sagte Freeland weiter. Bombardier nannte den Strafzoll „absurd“.

          Trotz des Einstiegs von Airbus wird die Zentrale der C Series Aircraft Limited Partnership (CSALP) im kanadischen Quebec verbleiben, teilten Airbus und Bombardier mit. Airbus werde 50,01 Prozent der Gesellschaft halten. „Das ist genau die richtige Partnerschaft für Bombardier“, sagte Konzern-Chef Alain Bellemare.

          Die Gespräche mit Bombardier hätten im August begonnen und damit vor den jüngsten Strafmaßnahmen gegen Bombardier, sagte Airbus-Chef Tom Enders. Aus dem Unternehmen hieß es, für die Partnerschaft solle kein Bargeld fließen, da Airbus seine Kapazitäten für Verkauf und Marketing einbringe.

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