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Airbus : Militärtransporter A400M kommt immer später

Deutschland und Frankreich müssen auf den Militärtransporter A400M noch warten Bild: ddp

Airbus muss Milliarden-Rückstellungen vornehmen und den Auslieferungsplan für den A400M überarbeiten. Bis die Bundeswehr den Militärtransporter verwenden kann, könnte es noch bis zu vier Jahre dauern. In Berlin ist man darüber sehr verärgert.

          Nach den Verspätungen des zivilen Großraumflugzeuges A380 muss Airbus nun auch für den Militärtransporter A400M erhebliche neue Verzögerungen melden. Die erste Auslieferung erfolge frühestens drei Jahre nach dem Erstflug, der noch gar nicht stattgefunden hat, teilte das europäische Unternehmen am Freitagabend mit. Damit wird der größte Kunde, die Bundeswehr, die Maschine frühestens 2012 erhalten - mehr als zwei Jahre später als ursprünglich geplant. Fachleute halten auch 2013 oder noch später für möglich.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Das Bundesverteidigungsministerium ist äußerst verärgert, weil es den Transporter für die Verlegung von Truppen und schwerem Gerät dringend braucht. „Wir wollen mehr Transparenz im Programm. Bestehende Verträge sind einzuhalten“, forderte Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung erst kürzlich. Mehr Transparenz sei durch die jüngste Erklärung von Airbus nicht hergestellt, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Sonntag in Berlin.

          Schuld sollen die anderen sein

          Auf Airbus kommen nun weitere hohe finanzielle Belastungen zu, die nach eigenen Angaben bisher nicht abzuschätzen seien. Das Unternehmen, das bisher nur eine verspätete Erstauslieferung von sechs bis zwölf Monaten angekündigt hat, nahm schon Rückstellungen von mehr als 1,74 Milliarden Euro wegen der Verzögerungen vor.

          Der Bundesverteidigungsminister mag nicht mehr warten

          Seit Monaten versucht Airbus, mit seinen Kunden über eine Lieferverschiebung und einen Erlass der vertraglich vereinbarten Entschädigungszahlungen zu verhandeln. Doch bislang ist vor allem das deutsche Verteidigungsministerium hartnäckig, während die Franzosen, die mit 15 Prozent an der Airbus-Muttergesellschaft EADS beteiligt sind, mehr Nachgiebigkeit zeigen.

          EADS gibt einen Großteil der Schuld einem europäischen Triebwerkskonsortium aus den Unternehmen Rolls-Royce, MTU, Safran und ITP. Doch trägt auch Airbus Verantwortung, weil es an technischen Elementen wie der Navigationsanlage und dem Flugmanagementsystem hapert, wie in Verteidigungskreisen bestätigt wird. Vor dem Programmstart 2003 hatte der Rüstungskonzern mit den Militärkunden aus sieben Nato-Staaten einen Festpreis von rund 20 Milliarden Euro für 180 Maschinen ausgehandelt. Das erweist sich für das Unternehmen nun als äußerst ungünstig.

          Airbus will Auslieferung neu überarbeiten

          Wegen der Verzögerungen gibt es bis heute noch keinen Termin für den Erstflug. Kürzlich sind erstmals die Propeller-Triebwerke auf einer älteren Herkules-Maschine in Großbritannien getestet worden. Als Termin für den Erstflug war zuletzt vom Herbst 2009 die Rede - was ursprünglich einmal der Termin für die Erstauslieferung sein sollte. Wenn es im Herbst zum Erstflug kommen sollte, könnten die Franzosen, die laut der Vereinbarungen die ersten Maschinen erhalten sollen, in der zweiten Jahreshälfte 2012 den ersten A400 in Empfang nehmen.

          Die Bundeswehr war nach dem bisherigen Ablaufplan drei bis sechs Monate später dran. Doch ob es dabei bleibt, ist ungewiss. Airbus dringt auf eine Überarbeitung des ganzen Auslieferungsprogramms. Das betrifft nicht nur die Liefertermine, sondern auch die technischen Merkmale der Maschinen. Airbus wünscht eine Vereinheitlichung der verschiedenen Kundenwünsche und will die zuerst ausgelieferten Maschinen technisch etwas vereinfachen.

          Unterdessen wurde bekannt, dass der amerikanische Airbus-Konkurrent Boeing nach einem Auftragseinbruch 4500 der 68 000 Arbeitsplätze in der Sparte Verkehrsflugzeuge streichen will. Das entspricht knapp 7 Prozent der Mitarbeiter.

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