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Lack-Disput : Airbus kündigt Qatar Airways im Streit eine Großbestellung

Streitobjekt: A350-Flugzeug - geliefert von Airbus für Qatar Airways Bild: AP

Seit Monaten streiten der Flugzeughersteller und die Airline um Lackschäden am A350. Qatar hat Airbus schon verklagt, der Hersteller storniert nun eine wichtige Order aus dem Emirat.

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          Die Auseinandersetzung zwischen den Flugzeughersteller Airbus und der Fluggesellschaft Qatar Airways, die Lackmängel an A350-Flugzeugen beklagt, nimmt größere Ausmaße an. Nachdem die Airline für das Außerbetriebnehmen von 21 Flugzeugen in London Klage auf eine Entschädigung von rund 618 Millionen Dollar – zuzüglich 4 Millionen Dollar für jeden weiteren Streittag – eingereicht hat, folgt nun der Konter aus Toulouse. Airbus will Qatar Airways 50 bestellte Exemplare der aktuell begehrten Baureihe A321neo nicht mehr liefern und den Vertrag dazu gekündigt.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Wir bestätigen, dass wir den Vertrag von 50 A321 im Einklang mit unseren Rechten beendet haben“, sagte ein Airbus-Sprecher auf Anfrage. Zu weiteren Details der Auseinandersetzung will sich der Flugzeughersteller vorerst nicht äußern. Bei Airbus ist man offenbar die Anwürfe aus dem Emirat leid.

          Qatar-Airways-Chef Akbar al-Baker hatte schon in der Vergangenheit den auch von der Airline genutzten A380 als wenig wirtschaftlich kritisiert. Im A350-Streit dürfte man nun einen Rufschaden fürchten. Die Kündigung des A321neo-Auftrags ist daher als außergerichtliche Gegenwehr von Airbus und Drohkulisse für Qatar zu interpretieren.

          50 A321-Jets sollen nicht geliefert werden

          Die Airline hatte 50 A321neo geordert, von denen die ersten von Februar 2023 an die Flotte verstärken sollten. Ohne den bisherigen Liefervertrag hat Qatar wohl kaum eine Chance, in Laufe des Jahres 2023 noch an ein neues Mittelstreckenflugzeug dieser Größe zu kommen.

          Wegen der großen Nachfrage nach diesem Modell kann Airbus leicht andere Kunden finden, die Lieferungen vorziehen. Für Qatar gibt es wenig Alternativen. Die Sitzkapazität der bisherigen 737-Max-Jets von Boeing ist kleiner, Das Programm für die vergrößerte 737-Max-10-Version ist verzögert.

          Auch die Fußball-WM spielt eine Rolle

          Aus Sicht von Qatar Airways droht schon ein immenser Schlag, wenn 21 von 53 übernommenen A350-Langstreckenflugzeugen am Boden blieben – zumal die Fluggesellschaft wegen des Streits auch die Übernahme weiterer bestellter A350-Flugzeuge verweigert, 23 Übergabe stehen noch aus.

          Im Herbst 2022 findet in dem Emirat die Fußball-Weltmeisterschaft statt, mehr als eine Million Besucher werden dann dort erwartet. Eine verknappte Kapazität der Langstreckenflotte könnte ernsthafte wirtschaftliche Folgen haben.

          Abgeblättert: So sahen Lackschäden am A350 aus.
          Abgeblättert: So sahen Lackschäden am A350 aus. : Bild: Reuters

          Doch Airbus bestreitet, dass es überhaupt nötig sei, die Jets stehen zu lassen, wie es die staatliche Luftfahrtbehörde von Qatar für die ebenfalls staatliche Airline angeordnet hat. Lackschäden hätten zwar auch andere Fluggesellschaften gemeldet, aber keine habe Flugzeuge länger aus dem Verkehr gezogen. Auch die europäische Luftfahrtbehörde EASA sah die Flugtauglichkeit nicht beeinträchtigt.

          Blätternde Farbe gab mitunter den Blick auf eine darunter liegende Gitterstruktur frei, die als Blitzableiter fungiert. Airbus hat die Ursachen untersucht. Hauptgrund soll sein, dass die Farbe und der aus neuartigem Verbundwerkstoff gefertigte Rumpf unterschiedlich auf Temperaturunterschiede am Boden und auf Reiseflughöhe reagieren. Laut Airbus trat das Probleme nur in der ersten Generation des A350 auf.

          Bei Airbus ist man offenbar auch der Ansicht, dass Qatar Airways das Lackthema nur vorschiebe. Das geht aus in London eingereichten Gerichtsakten hervor, über die die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete. Der Hersteller argumentiert demnach, Qatar Airways habe das behördliche Flugverbot in dem Emirat geduldet oder gar veranlasst, da die Flugnachfrage aktuell wegen der Corona-Pandemie geringer sei. Somit diene die Betriebspause für die Flugzeuge wirtschaftlichen Interessen des Airline. Qatar Airways bestreitet das.

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