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Airbus : Im Überschalltempo über den Atlantik

Eine Concorde im Landeanflug: Das Passagierflugzeug war von 1976 bis 2003 im Einsatz. Bild: dpa

Von London nach New York in einer Stunde: Für Airbus ist das nicht nur ein Traum, sondern auch ein Forschungsthema. Der europäische Flugzeughersteller hat sich eine Studie für einen Concorde-Nachfolger patentieren lassen.

          Von London nach New York in einer Stunde, von Tokio nach Los Angeles in nur drei Stunden: Wer träumte nicht von solchen Geschwindigkeitsrekorden? Für den europäischen Flugzeughersteller Airbus ist es indes nicht nur ein Traum, sondern auch ein Forschungsthema. Das Unternehmen hat Mitte Juli in den Vereinigten Staaten ein Patent für eine Art Nachfolger des vor zwölf Jahren eingestellten Passagierflugzeuges Concorde hinterlegt. Dieser könnte eines Tages sogar das 4,5-fache der Schallgeschwindigkeit erreichen, also (abhängig von Temperatur und Flughöhe) rund 4900 Stundenkilometer, so die Modellrechnungen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Ein Airbus-Sprecher dementierte die Meldungen über die Patenthinterlegung nicht, wies jedoch darauf hin, dass sein Unternehmen jährlich Hunderte von Patenten anmelde, um sein geistiges Eigentum zu schützen. „Diese Technologien befinden sich oft in einem sehr frühen Stadium der Forschung. Ihre Anmeldung bedeutet nicht, dass daraus in jedem Falle neue Produkte entstehen werden“, sagte er. Gegen eine rasche Anwendung sprechen die hohen Kosten durch den großen Treibstoffverbrauch sowie die Materialermüdung. Außerdem schließt heutzutage der Überschallknall das Überfliegen bewohnter Gebiete aus, so dass die Routen aufwändig geändert werden müssten.

          Ein mögliches Szenario der Zukunft

          Dennoch ist interessant, wie sich Airbus ein mögliches Szenario der Zukunft vorstellt. Der Inder Deepak Gupta ist darauf gestoßen, er durchkämmt regelmäßig Patentanmeldungen der Industrie in den Vereinigten Staaten und erklärt diese dann als „Patent Yogi“ auf einem Youtube-Kanal. Die Studie der Airbus-Tochtergesellschaften Astrium und ADS besteht aus einem Flugzeug, das mit seinen dreieckigen Delta-Flügeln an eine Raumfähre erinnert. Tatsächlich würde sich am Ende des Rumpfes auch ein Raketentriebwerk befinden. Außerdem hingen unter den Flügeln zwei superstarke Staustrahltriebwerke, wie sie teilweise bei Luft-Luft-Raketen eingesetzt werden. In beiden Geschäftsfeldern, der Raumfahrt sowie dem militärischen Raketenbau, ist Airbus tätig.

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          Weiter vorne am Rumpf an der Unterseite befänden sich dem Konzept zufolge zwei weitere kleinere Triebwerke, die nur für den Start benutzt würden und später im Rumpf verschwänden. Interessant ist auch die von Airbus für möglich gehaltene Flugkurve. Nach Erreichen einer bestimmten Flughöhe schösse das Raketentriebwerk das Flugzeug fast senkrecht nach oben bis auf eine sehr große Höhe von vielleicht 35000 Metern.

          Der Überschallknall würde in dieser Phase erfolgen, was ihn weniger laut machen soll, erklärt Patent-Experte Gupta. Nach dem Steigflug könnte das Raketentriebwerk abgeschaltet werden und die Maschine ginge in eine horizontale Position über. Jetzt übernähmen die Staustrahltriebwerke die Arbeit und schickten die Passagiere mit der 4,5-fachen Schallgeschwindigkeit Richtung Ziel. Kurz davor ginge die Maschine wieder in einen extrem steilen Sinkflug über. Die Frage ist, wie das auf die Passagiere wirken würde. „Es wäre die größte Achterbahnfahrt der Welt“, sagt Gupta.

          Reine Zukunftsmusik oder einw Idee mit Realitätschancen? Das am längsten betriebene Überschall-Flugzeug war die Concorde, die Air France und British Airways von 1976 bis 2003 im Einsatz hatten. Die Maschine galt technisch als Erfolg – trotz des katastrophalen Absturzes, der im Jahr 2000 113 Menschen das Leben kostete –, doch rentiert hat sie sich nie. Der Flug zwischen New York und London oder Paris dauerte zwar nur drei bis dreieinhalb Stunden, in eine Concorde passten aber nur rund 100 Passagiere.

          Auch die Tickets, die deutlich teurer waren als ein Erste-Klasse-Flug in einem UnterschalIflugzeug, konnten die Wirtschaftlichkeit nicht garantieren, zumal die Spritpreise mit der Ölkrise in die Höhe geschnellt waren. 1973 verboten zudem die Vereinigten Staaten den Flug über amerikanisches Hoheitsgebiet. Für viele Fluggesellschaften wurde der Kauf der Concorde damit uninteressant.

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