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Neue Personalrochade : Lackmustest für Airbus

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Airbus-Chef Tom Enders (r.) und Finanzchef Harald Wilhelm (l.) bei einer Pressekonferenz im Februar 2017 in Frankreich Bild: Reuters

Der Luft- und Raumfahrtkonzern muss zwei Spitzenposten neu besetzen: Neben Tom Enders geht nun auch Finanzvorstand Harald Wilhelm. Kann sich die Verwaltung gegen Begehrlichkeiten aus der Politik wehren?

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          Die beiden höchstrangigen deutschen Manager bei Airbus verlassen das deutsch-französische Unternehmen im kommenden Frühjahr gleichzeitig. Finanzvorstand Harald Wilhelm kündigte am Montag seinen Abschied von Airbus nach 27 Jahren an. Der 52-Jährige war zeitweise auch als möglicher Nachfolger von Vorstandschef Tom Enders gehandelt worden, der seinen im April 2019 auslaufenden Vertrag nicht verlängert hatte.

          Wilhelm ist seit zehn Jahren Finanzvorstand beim Flugzeugbauer Airbus und hatte die gleiche Position vor sechs Jahren auch in der – von EADS in Airbus umbenannten – Dachgesellschaft übernommen. Die Nachfolge von Enders und Wilhelm wird der Lackmustest, ob sich der Verwaltungsrat gegen die Begehrlichkeiten aus der deutschen und französischen Politik durchsetzen kann.

          Seit 2012 ist zwar nicht mehr festgeschrieben, dass sich in den Führungsposten bei Airbus Deutsche und Franzosen abwechseln. Doch in der Politik wird in beiden Ländern weiter genau darauf geachtet, dass die eigene Nation ausreichend repräsentiert ist.

          Wer übernimmt das Ruder?

          Nach Enders’ Verzicht hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel umgehend betont, „auf jeden Fall“ werde jedes Land bei Airbus an einer wichtigen Position vertreten sein. Mit Dirk Hoke steht ein Deutscher auch an der Spitze der Rüstungs- und Raumfahrt-Sparte. Verwaltungsratschef Denis Ranque kommt aus Frankreich. In das Gremium war vor kurzem Ex-Telekom-Chef Rene Obermann eingezogen. Deutschland und Frankreich halten jeweils elf Prozent an Airbus.

          Enders war in einer Korruptionsaffäre unter Druck geraten. Der Verwaltungsrat will bis Ende dieses Jahres entscheiden, wer künftig am Ruder des Konzerns mit weltweit 129.000 Mitarbeitern steht. Bei Wilhelm wollte sich Ranque nicht auf einen Zeitpunkt festlegen.

           „Nach 18 Jahren als Finanzer bei Airbus ist nächstes Jahr der richtige Zeitpunkt, um weiterzuziehen“, sagte Wilhelm. Er wolle aber noch für einen reibungslosen Übergang sorgen. Enders würdigte Wilhelm als „außerordentlichen Finanzvorstand mit einem außerordentlichen Team, das beste in der Branche.“ Er habe sich bei Investoren großen Respekt für seinen leistungsorientierten Ansatz und seine Transparenz erworben. Er versicherte zudem, dass es keine Änderung der Firmenstrategie geben werde. „Airbus wird finanzieller Leistung und Wertschöpfung verpflichtet bleiben.“

          Airbus jagt einen Rekord nach dem anderen

          Die Analysten der UBS bezeichneten den Abschied Wilhelms als Rückschlag für Airbus. Fondsmanager Jerome Schupp von Prime Partners sieht den Schritt gelassener: „Wenn er sofort zurückgetreten wäre, hätte ich mir mehr Sorgen gemacht. Aber so hat Airbus viel Zeit, einen Ersatz zu finden.“ Sein Kollege Chris Hallam von der Investmentbank Goldman Sachs hob hervor,
          dass Wilhelm für die Fokussierung des Konzerns auf den Barmittelzufluss und die Ausschüttungen an die Kapitalanleger stehe.

          Dass die Airbus-Aktie am Montag um mehr als zwei Prozent in die Knie ging, habe weniger mit Wilhelm zu tun als mit Sorgen um einen Milliarden-Auftrag aus dem Iran und den steigenden Euro, sagten Fondsmanager.

          Der Iran hatte vor eineinhalb Jahren 100 Airbus-Flugzeuge bestellt, von denen erst drei ausgeliefert sind – laut Branchenkreisen, weil viele Banken mit Finanzierungen in dem Land zögerten. Die von US-Präsident Donald Trump angedrohten Sanktionen gegen den Iran gefährden nun den Bau der restlichen Flugzeuge, die zu Listenpreisen insgesamt 18 bis 20 Milliarden Euro kosten.

           Airbus kann in seinem Kerngeschäft mit Passagierjets ein dickes Auftragspolster vorweisen und jagt von einem Produktionsrekord zum nächsten, seinen Gewinn konnte der Konzern 2017 fast verdreifachen. Zum Beginn dieses Jahres belasteten allerdings Probleme der Triebwerkshersteller für den Mittelstreckenjet A320neo das Ergebnis.

          Zudem ist noch unklar, welche Folgen die laufenden Korruptionsermittlungen für das Unternehmen haben werden – Enders hatte vor der Möglichkeit „erheblicher Strafen“ gewarnt. Eine britische Behörde geht schon länger dem Verdacht auf Betrug, Bestechung und Korruption bei Geschäften der zivilen Luftfahrtsparte nach, Auslöser war eine Selbstanzeige des Unternehmens. Auch die französische Finanz-Staatsanwaltschaft ermittelt.

          Schon Anfang 2017 hatte Strategiechef Marwan Lahoud Airbus verlassen, vor Kurzem ging zudem der langjährige Flugzeug-Verkaufschef John Leahy in Rente. Seinen Job übernahm der zuvor beim Triebwerksbauer Rolls-Royce beschäftigte Manager Eric Schulz. Auch Technikchef Paul Eremenko ging nach nur eineinhalb Jahren bei Airbus wieder von Bord, als Nachfolgerin des Amerikaners übernahm Anfang
          des Monats Grazia Vittadini. Die Italienierin, zuvor bei der Airbus-Rüstungssparte, ist die erste Frau im Vorstand des Luftfahrtkonzerns.

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