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Airbus : Der A380 wird zum Ladenhüter

Ein A380 beim Start in Singapur Bild: AFP

Eine japanische Fluggesellschaft hat den Kauf von sechs Großraumflugzeugen von Airbus storniert. Auch andere Airlines überdenken ihre Bestellungen. Die Euphorie über das Riesenflugzeug scheint verflogen.

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          Für die Airbus Group sind die Stornierungen von zwei Großaufträgen für Passagierjets ein schwerer Rückschlag. Zum Wochenauftakt gab die japanische Fluggesellschaft Skymark bekannt, dass sie sechs Großraum-Flugzeuge des Typs A380 im Wert von 2,3 Milliarden Dollar nicht abnehmen werde. Kurz vorher hatte auch Emirates aus Dubai ihre Bestellung von 70 Langstreckenmaschinen der Airbus-Neuheit A350 mit dem Hinweis annulliert, dass sich die interne Flottenplanung geändert habe.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vor allem der Rückzieher von Skymark, den Kenner der Gesellschaft mit den schwachen Finanzen des Billigfluganbieters begründen, gibt Tom Enders zu denken: „Wir schauen uns die wirtschaftliche Lage jeweils genau an und wissen um die Stärken und Schwächen unserer Kunden“, versicherte der Vorstandsvorsitzende der Airbus Group jedoch bei Vorlage der Halbjahresbilanz am Mittwoch.

          Die Absage aus Japan wirft ein Schlaglicht auf jene Fluggesellschaften, die den Kauf des „Airbus-Jumbos“ ebenfalls aus Kostengründen überdenken oder hinauszögern wollen. Dazu gehören mit Hong Kong Airlines und Qantas Airways zwei Großkunden aus Fernost ebenso wie der britische Airbus-Stammkunde Virgin Atlantic mit sechs bestellten A380-Maschinen. Wichtigster Abnehmer der Großraum-Maschine, die 414 Millionen Dollar pro Stück kostet und mehr als 500 Passagiere befördern kann, bleibt indessen Emirates: Die Fluggesellschaft aus der Golfregion hat 140 Maschinen bestellt, wovon 50 ausgeliefert sind.

          Trotz der schwachen Marktlage für Großraumflugzeuge plant Enders keine Korrekturen am A380-Programm, das wie geplant von 2015 an die Gewinnschwelle erreichen soll. Beflügelt vom starken Absatz der mittelgroßen Passagiermaschinen, die mehr als 300 Fluggäste befördern, konnte der Luft- und Raumfahrthersteller einen starken Gewinnsprung vermelden. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres habe der Konzern bereits mehr Flugzeugbestellungen hereingeholt als für das gesamte Jahr geplant. Unter dem Strich verdiente die Airbus Group 696 Millionen Euro und damit rund 31 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Umsatz stieg in dieser Zeit um 7 Prozent auf 14,55 Milliarden Euro, geht aus dem aktuellen Zahlenwerk hervor.

          Enders sieht den deutsch-französischen Hersteller bei der Neuentwicklung und Modernisierung seiner Modellpalette auf Kurs. Danach werde die Auslieferung der A350 wie geplant bis Jahresende erfolgen. Die Modernisierung der 20 Jahre alten Langstreckenmaschine A330, in deren Überarbeitung Airbus bis zu zwei Milliarden Euro steckt, werde sich dank eines Auftragspolsters von 127 Vorbestellungen in Kürze rechnen, ist der Airbus-Chef überzeugt.

          Nach einer Stornierung von rund 200 Aufträgen verbuchte der Hersteller über 640 Neubestellungen für Flugzeuge. Innerhalb der Airbus Group, die im vergangenen Jahr noch EADS hieß, steuert das Geschäft mit zivilen Flugzeugen 72 Prozent der Konzernerlöse und den Löwenanteil zum operativen Gewinn bei. Der Hubschrauberhersteller Airbus Helicopters warf trotz höherer Umsätze 15 Prozent weniger Gewinn ab als ein Jahr zuvor. Die neu formierte Rüstungs- und Raumfahrtsparte Airbus Defence & Space steigerte ihren operativen Gewinn trotz rückläufiger Erlöse um 5 Prozent.

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