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Konzernumbau : Airbus zerlegt die Rüstungssparte

Vor allem die Teilnahme am Bau eines neuen Kampfjets für Europa ist für Airbus Defence von strategisch wichtiger Bedeutung. Dabei versteht sich das von Deutschland und Frankreich forcierte Projekt mit dem Namen „Future Combat Aircraft System“ (FCAS) als ein technisch anspruchsvolles „System der Systeme“, das aus einem Kampfflugzeug sowie den von ihm gesteuerten Drohnen- und Bombenschwärmen besteht.

Neuer Jagdbomber soll von 2040 an den Eurofighter ersetzen

Neben Airbus Defence sind die französischen Hersteller Dassault und Thales sowie diverse Zulieferer in beiden Ländern die wichtigsten FCAS-Partner. Dabei werden die Gesamtkosten für das Projekt auf 500 Milliarden Euro veranschlagt. Der neue entwickelte FCAS-Jagdbomber soll voraussichtlich von 2040 an auf französischer Seite die Rafale-Jets von Dassault sowie die von Airbus produzierten Eurofighter ersetzen. Vor wenigen Tagen wurde in Berlin der Einstieg in die Technologieentwicklung für den FCAS besiegelt.

Diesen Schritt bezeichnete Airbus-Defence-Chef Hoke gegenüber der F.A.Z. als erfolgreichen Auftakt, der auf rasche Realisierung des deutsch-französischen Großvorhabens hoffen ließe. Danach soll schon im nächsten Jahr die Konzeptstudie für das neue, deutsch-französische Kampfflugzeug vorliegen, die dann die Arbeitspakete für die Entwicklung und den Start der Produktion festlegt. Dabei sollen die Arbeitspakete zwischen Deutschland und Frankreich fair verteilt sein, versicherte Hoke.

Während Dassault und Airbus Defence künftig Entwicklung und Bau des Flugzeugs verantworten, sind die deutsche MTU und das französische Pendant Safran für den Bau der Triebwerke zuständig. Zudem sollen die in jedem Land entwickelten Schlüsseltechnologien für das komplexe Militärprojekt juristisch geschützt sowie im Land des jeweiligen Urhebers umgesetzt werden.

Der Betriebsrat fürchtet um den Standort Manching

Der nächste Hoffnungswert für Airbus ist die Entscheidung der Militärs in Berlin, mit welchen Jets sie ihre überalterte Flotte von 90 Tornado-Jets ersetzen will. Doch um den lukrativen Großauftrag von rund 10 Milliarden Euro kämpft das von Airbus geführte Eurofighter-Konsortium mit dem amerikanischen Hersteller Boeing. Eine Entscheidung des Bundesverteidigungsministeriums wurde ursprünglich bis März erwartet. Doch ob es bei dem Termin bleibt, ist angesichts der unsicheren politischen Lage und der Führungsfrage im Ministerium ungewiss, sagen Kenner in Berlin.

Der Betriebsrat von Airbus Defence fürchtet, wenn Berlin den Auftrag für die 90 Tornado-Nachfolgeflugzeuge an Boeing mit dem Konkurrenzmodell F 18 vergebe, werde auch der deutsch-französische Eurofighter-Nachfolger FCAS nicht gebaut. Das würde aus Sicht der Arbeitnehmer zum raschen Aus für den Standort Manching führen: „Wir wären dann nur noch eine Wartungsbude“, hieß es vor Wochen.

„Keine Regierung in keinem anderen Land der Erde würde ein fremdes Kampfflugzeug kaufen, wenn es ein eigenes hat“, heißt es in der Belegschaft weiter. Auch eigentlich erwartete Aufträge für den Ersatz der ältesten deutschen Eurofighter-Flugzeuge sowie für das Eurofighter-Radar stehen noch aus. Ein Airbus-Sprecher betonte am Donnerstag, dass die aktuelle Ankündigung von Stellenstreichungen nicht in Zusammenhang mit der Entscheidung über die Tornado-Nachfolge stehen.

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