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Airbus : China droht mit weiteren Abbestellungen

Nicht betroffen: Die A320-Fertigung in Tianjin Bild: REUTERS

Die Volksrepublik nutzt Flugzeugbestellungen immer stärker als Druckmittel im Streit um den europäischen Emissionsrechtehandel.

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          Der europäische Flugzeughersteller Airbus befürchtet, dass China wegen des Emissionsstreits mit der EU einen immer größeren Teil seiner Bestellungen storniert und die Aufträge an die amerikanische Konkurrenz vergibt. „Wir befürchten, dass diese Verträge jetzt an Boeing gehen. Das würde einen jahrelangen Schaden anrichten“, sagte ein Verantwortlicher in Peking der F.A.Z.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Luftfahrtkreise in China bestätigten, dass der Umfang der Abbestellungen möglicherweise noch größer ist als bisher angenommen. Um eine Revision der neuen Klimaregelungen in der EU zu erzwingen, drohten die staatlichen chinesischen Fluggesellschaften mit dem Abbruch der Verhandlungen über den Kauf zehn weiterer Maschinen vom Typ A330, hieß es.

          Die F.A.Z. hatte als erste berichtet, dass Chinas Behörden wegen des Konflikts mit Brüssel die schon geschlossenen Verträge zur Lieferung von 35 Maschinen des Modells A330 nicht genehmigt haben.

          Zusammen mit der Stornierung von zehn Hongkonger Aufträgen über das Riesenflugzeug A380 gilt ein Volumen von rund 12 Milliarden Dollar - gemessen an den Listenpreisen - als gefährdet. Das hat Airbus inzwischen bestätigt und ergänzt, der Rückzug der Chinesen gefährde 2000 Arbeitsplätze im eigenen Konzern und bei Zulieferern.

          Jetzt stehen dem Vernehmen nach weitere 2 Milliarden Dollar zur Disposition, wobei auf die Listenpreise große Abschläge üblich sind. Zu den neuen Absagen wollte sich Airbus bislang nicht äußern.

          A320 nicht betroffen - aus gutem Grund

          Der Rückschlag ist bitter, denn fast jeder vierte Airbus ging bisher nach China. Nach Unternehmensangaben hat die Gesellschaft bislang 900 Maschinen dorthin verkauft, allein 114 im vergangenen Jahr.

          770 davon sind im Dienst, so dass der Marktanteil bei größeren Flugzeugen 48 Prozent beträgt. Eigentlich wollte man den Rivalen Boeing, der den Rest stellt, in den kommenden Jahren überholen. Das könnte jetzt in weite Ferne rücken. China ist der am schnellsten wachsende Luftfahrtmarkt der Welt.

          Nicht betroffen sind Bestellungen des Typs A320. Das hat aus Sicht der Chinesen einen guten Grund, denn diese Maschinen fertigt Airbus zum Teil in China. Die Europäer unterhalten dort gemeinsam mit dem staatlichen Partner Tianjin Free Trade Zone ein Werk zur Endmontage des A320 in der Hafenstadt Tianjin, die an Peking grenzt.

          Der Drache fliegt: 36 der 114 in China ausgelieferten Airbus stammen aus Tianjin

          Die Gewinne aus dem Gemeinschaftsunternehmen fließen zu 49 Prozent den Chinesen zu. In der Fabrik arbeiten 430 Beschäftigte, 390 sind Einheimische. Sie bauen jeden Monat drei Flugzeuge zusammen. Von den 114 Maschinen, die Airbus im vergangenen Jahr in China auslieferte, stammten 36 aus Tianjin.

          Im Streit mit der EU geht es darum, dass China - wie viele andere Länder auch - die neuen Klimaregeln aus Brüssel ablehnt. Zu Jahresbeginn hat die Gemeinschaft den Luftverkehr in ihren Emissionshandel einbezogen.

          Das System sieht vor, solchen Fluglinien, die in der EU starten oder landen, Emissionszertifikate für den Kohlendioxidausstoß zuzuteilen. Den Großteil der Emissionsrechte erhalten sie unentgeltlich. Den Rest müssen sie hingegen zukaufen, nicht gebrauchte Zertifikate können sie veräußern.

          Dadurch sollen für die Fluggesellschaften Anreize geschaffen werden, den eigenen Ausstoß zu verringern. Die Gegner werfen der EU indes vor, die Regeln für den Emissionsrechtehandel einseitig verabschiedet zu haben.

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