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Airbus-Chef Tom Enders : „Die Bundeswehr ist nur bedingt einsatzbereit“

  • Aktualisiert am

Enders verteidigt den Export von Eurofightern nach Saudi-Arabien (Archivbild) Bild: AFP

Der Chef des Flugzeug- und Rüstungsproduzenten Airbus zweifelt im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung an der Kampfbereitschaft der deutschen Bundeswehr. Und erklärt, warum.

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          Der Vorstandsvorsitzende des Flugzeug- und Rüstungsproduzenten Airbus, Tom Enders, bezweifelt vor dem Hintergrund der aktuellen Terrordebatten die Kampfbereitschaft der deutschen Armee. „Die Bundeswehr ist nach all den Schrumpf-Kuren der letzten 25 Jahre nur bedingt einsatzbereit", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Ziel solle aber sein, mit Briten und Franzosen im konventionellen Bereich mithalten zu können. „Das sollte der Anspruch sein für das wirtschaftlich stärkste und bevölkerungsreichste Land Europas.“ Es sei schlecht für das deutsch-französische Verhältnis, wenn Deutschland im Bedarfsfall seinen Bündnispflichten nicht nachkommen könne.

          Trotz der neuen Bedrohungslage gibt Enders der Rüstungsindustrie in Deutschland keine Zukunft. „Ich sehe keine Trendwende“, sagte er und erklärte: „Die Verteidigungshaushalte in Europa stabilisieren sich auf sehr niedrigem Niveau.“ Es bringe auch keinen Ruhm ein, hierzulande Rüstungsgüter zu produzieren. „Das Geschäft bietet wenig Perspektiven und wird gesellschaftlich in weiten Teilen geradezu geächtet“, fügte der Manager hinzu. „Warum soll ich mir das, bitte schön, antun?“

          Tom Enders zweifelt an der Kampfbereitschaft der Bundeswehr.
          Tom Enders zweifelt an der Kampfbereitschaft der Bundeswehr. : Bild: AFP

          Enders bekräftigte, Airbus werde daher am geplanten Verkauf eines Teils seiner Rüstungssparte festhalten. „Wir wollen bis Ende des Jahres Klarheit über den Käufer haben“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Es gebe namhafte Interessenten aus der Industrie und aus dem Private-Equity-Bereich. Entgegen anderslautender Empfehlungen aus der Politik werde Airbus auch ausländische Angebote in Betracht ziehen: „Wenn ich etwas verkaufe, muss ich dafür den bestmöglichen Preis erzielen.“

          Verteidigungsgeschäft verkaufen

          Ungeachtet der neuen Lage verteidigte der Airbus-Chef den Export von Kampfflugzeugen des Typs Eurofighter an Saudi-Arabien. In dem Geschäft habe Großbritannien die Federführung. „Deren Lagebeurteilung war: Der Export ergibt Sinn, stärkt Saudi-Arabien“, sagte Enders: „Mit Eurofightern führt man im Übrigen keine Kriege gegen die eigene Bevölkerung.“

          Der deutsch-französische Airbus-Konzern, an dem auch Briten und Spanier beteiligt sind, stellt neben zivilen Passagierflugzeugen auch Rüstungsgüter her, darunter das Kampfflugzeug Eurofighter. Der Konzern hat angekündigt, knapp 20 Prozent seines Verteidigungsgeschäfts zu verkaufen, vor allem in Deutschland.

          Das vollständige Interview mit Airbus-Chef Tom Enders lesen Sie im Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung oder ab 20 Uhr in unserem E-Paper.

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