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Scheidender Airbus-Chef : Tom Enders erhält rund 37 Millionen Euro

Enders hinterlässt sein Unternehmen in gutem Zustand. Bild: AFP

Das Abschiedspaket für den Airbus-Chef enthält auch hochgerechnete Rentenzahlungen. Trotzdem sorgt es in Frankreich für Kritik. Das Unternehmen steht indes gut da, obwohl Enders’ Bilanz nicht nur rosig ist.

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          Der scheidende Airbus-Chef Tom Enders landet mit einem goldenen Fallschirm von 36,8 Millionen Euro im Ruhestand. So berichtet es in Frankreich die Tageszeitung „Le Monde“ unter Berufung auf Berechnungen der Beratungsgesellschaft Proxinvest. In Frankreich, wo ein goldener Handschlag als „Fallschirm“ bezeichnet wird, drängen sich die Wortspiele für den Freizeit-Fallschirmspringer Enders somit auf, doch sind auch die damit verbundenen Vorwürfe berechtigt?

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Airbus widerspricht der Kalkulation von Proxinvest nicht, bezeichnet sie jedoch als „unseriös“, weil sie hypothetische Annahmen enthalte. Mit der Vergütung von Enders sei alles legal zugegangen und vom entsprechenden Komitee des Airbus-Verwaltungsrates wohlüberlegt, transparent und in Verhältnismäßigkeit zu den Branchenstandards entschieden worden. Der Großteil des Abschiedspakets besteht aus Rentenzahlungen, die auf einem theoretischen Wert beruhen: Proxinvest unterstellt für den 60 Jahre alten Enders eine Lebenserwartung von 80 Jahren.

          So gerechnet, addieren sich seine Pensionszahlungen auf rund 26 Millionen Euro, was ungefähr 1,3 Millionen Euro im Jahr entspricht. Das ist ein großzügiger Wert, der in Frankreich derzeit nur von den geplanten Rentenzahlungen für den L’Oréal-Vorstandsvorsitzenden Jean-Paul Agon (1,57 Millionen Euro im Jahr) übertroffen werden. Hinzu kommt für Enders die Vergütung des Verbotes, für die Konkurrenz zu arbeiten in Höhe von 3,2 Millionen Euro sowie ein Aktienpaket aus dem Führungskräfte-Programm für langfristige Anreize. Je höhere die Aktie steigt, desto mehr ist es wert. Die Auszahlung erstreckt sich über mehrere Jahre. Proxinvest schätzt Enders’ Aktienpaket derzeit auf einen Wert von 7,3 Millionen Euro.

          Airbus steht gut da

          In Frankreich sind in jüngerer Zeit einige Managementgehälter in die Kritik geraten, etwa für den Chef des Öl-Zulieferers Technip, Thierry Pilenko, der trotz der Verluste des Unternehmens ein Abschiedspaket von 14 Millionen Euro erhält. Die Zahlung sei „eine Prämie für Misserfolg“, schimpfte selbst der Präsident des französischen Unternehmerverbandes, Geoffroy Roux de Bézieux. Ins Gerede kam auch die Bezahlung von François-Henri Pinault, dem Vorstandsvorsitzenden des Luxusgüterkonzerns Kering, von 21,8 Millionen Euro. Doch Kering geht es glänzend, zudem erhielt Pinault im Vorjahr nur 2,7 Millionen Euro.

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          Auch Enders hinterlässt sein Unternehmen in gutem Zustand: Airbus macht erhebliche Gewinne, ist heute besser integriert und internationaler aufgestellt als früher und sitzt auf einem Auftragsbuch, das noch viel dicker als jenes von Boeing ist. Der Aktienkurs notiert in der Nähe seines historischen Höchststandes.

          Das gescheiterte A380-Programm muss er zum Teil auf seine Kappe nehmen

          Seine lange Zugehörigkeit spricht auch für ihn: Enders ist seit 1991 im Unternehmen und seit 20 Jahren Mitglied des Vorstands, seit 2012 zudem alleiniger Vorstandsvorsitzender. Aufgrund seines Ausscheidens erhält er laut Beschluss des Verwaltungsrates für 2018 und 2019 keine Aktienzuteilungen; sie hätten schätzungsweise einen Wert von 4,5 Millionen Euro gehabt.

          Allerdings ist Enders’ Bilanz nicht nur rosig: Das gescheiterte A380-Programm muss er zum Teil auf seine Kappe nehmen; das gleiche gilt für die noch laufenden Korruptionsermittlungen. Französische Kritiker bemängeln, dass Airbus als eine in den Niederlanden registrierte Gesellschaft nicht den Vorschriften des französischen Arbeitgeberverbandes unterliege. Danach hätte Enders – weil er in Ruhestand geht – nicht für seine Konkurrenzausschluss-Klausel vergütet werden dürfen; und die Rentenbezüge dürften nur 45 Prozent anstelle von 60 Prozent seiner Jahresbezüge betragen. Die Vergütung muss wegen des Airbus-Sitzes in den Niederlanden auch nicht von der Hauptversammlung abgesegnet werden.

          Die französische Regierung, die wie Deutschland Aktionär von Airbus mit rund 11 Prozent des Kapitals ist, reagierte am Dienstag recht verhalten. Er sei gegen „jede exzessive“ Vergütung, sagte der französische Finanzminister Bruno Le Maire. In seinem Beraterstab hieß es, dass von den Airbus-Verwaltungsräten Entscheidungen erwartet werden, welche die öffentliche Meinung und die Interessen der Aktionäre berücksichtigen. Airbus betont, dass die Vergütungsregeln vor mehr als zehn Jahren festgelegt und seither nicht verändert wurden. Tom Enders wird Airbus am 10. April verlassen.

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